Lauterbachs Herbst-Szenario

Im Kampf gegen die Pandemie braucht es Realpolitik und keinen Science-Fiction-Trash

  • Kurt Stenger
  • Lesedauer: 1 Min.

Dass bei Gesundheitsminister Karl Lauterbach die Nerven blank liegen, ist angesichts der Bedrohung durch Rechtsextremisten mehr als verständlich. Es beängstigt, wenn ein Politiker, der lediglich eigentümliche Schlüsse aus fachlicher Analyse zieht, zur Zielscheibe wird. Gleichwohl ist der SPD-Mann auch Politprofi, der damit umzugehen versteht. Dass er mit Blick auf den Corona-Herbst den Begriff »Killervariante«, der nach Science-Fiction-Trash klingt, in den Ring wirft, lässt sich jedenfalls damit nicht entschuldigen. Deren Auftreten ist zwar nicht auszuschließen, aber so unwahrscheinlich - das Erfolgsgeheimnis von Omikron ist ja gerade der bei den meisten Infizierten milde Krankheitsverlauf -, dass sich damit nichts planen lässt. Schon gar nicht die Beschaffung vom Impfstoffen, die gerade millionenfach verfallen.

Einen Minister misst man nicht am Entwerfen von Horrorszenarien, sondern an dem, was er in die Wege leitet. Die riesige Kluft zwischen Lauterbachs Getwittere und der Realpolitik lähmt die Pandemiebekämpfung derzeit sogar. Seine Job wäre es, sich mit Blick auf den Herbst rechtzeitig mit den weit entfernten FDP-Regierungskollegen zu verständigen. Das wird aber lautlos und unspektakulär geschehen, wenn es erfolgreich sein soll. Vorbereitet in einen Corona-Herbst zu gehen - das wäre doch mal was.

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