Lauterbachs Herbst-Szenario

Im Kampf gegen die Pandemie braucht es Realpolitik und keinen Science-Fiction-Trash

  • Kurt Stenger
  • Lesedauer: 1 Min.

Dass bei Gesundheitsminister Karl Lauterbach die Nerven blank liegen, ist angesichts der Bedrohung durch Rechtsextremisten mehr als verständlich. Es beängstigt, wenn ein Politiker, der lediglich eigentümliche Schlüsse aus fachlicher Analyse zieht, zur Zielscheibe wird. Gleichwohl ist der SPD-Mann auch Politprofi, der damit umzugehen versteht. Dass er mit Blick auf den Corona-Herbst den Begriff »Killervariante«, der nach Science-Fiction-Trash klingt, in den Ring wirft, lässt sich jedenfalls damit nicht entschuldigen. Deren Auftreten ist zwar nicht auszuschließen, aber so unwahrscheinlich - das Erfolgsgeheimnis von Omikron ist ja gerade der bei den meisten Infizierten milde Krankheitsverlauf -, dass sich damit nichts planen lässt. Schon gar nicht die Beschaffung vom Impfstoffen, die gerade millionenfach verfallen.

Einen Minister misst man nicht am Entwerfen von Horrorszenarien, sondern an dem, was er in die Wege leitet. Die riesige Kluft zwischen Lauterbachs Getwittere und der Realpolitik lähmt die Pandemiebekämpfung derzeit sogar. Seine Job wäre es, sich mit Blick auf den Herbst rechtzeitig mit den weit entfernten FDP-Regierungskollegen zu verständigen. Das wird aber lautlos und unspektakulär geschehen, wenn es erfolgreich sein soll. Vorbereitet in einen Corona-Herbst zu gehen - das wäre doch mal was.

Werde Mitglied der nd.Genossenschaft!
Seit dem 1. Januar 2022 wird das »nd« als unabhängige linke Zeitung herausgeben, welche der Belegschaft und den Leser*innen gehört. Sei dabei und unterstütze als Genossenschaftsmitglied Medienvielfalt und sichtbare linke Positionen. Jetzt die Beitrittserklärung ausfüllen.
Mehr Infos auf www.dasnd.de/genossenschaft

Linken, unabhängigen Journalismus stärken!

Mehr und mehr Menschen lesen digital und sehr gern kostenfrei. Wir stehen mit unserem freiwilligen Bezahlmodell dafür ein, dass uns auch diejenigen lesen können, deren Einkommen für ein Abonnement nicht ausreicht. Damit wir weiterhin Journalismus mit dem Anspruch machen können, marginalisierte Stimmen zu Wort kommen zu lassen, Themen zu recherchieren, die in den großen bürgerlichen Medien nicht vor- oder zu kurz kommen, und aktuelle Themen aus linker Perspektive zu beleuchten, brauchen wir eure Unterstützung.

Hilf mit bei einer solidarischen Finanzierung und unterstütze das »nd« mit einem Beitrag deiner Wahl.

Unterstützen über:
  • PayPal