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Bananen in Quarantäne

Ausbreitung einer bedrohlichen Pflanzenkrankheit in Kolumbien bislang nur durch Desinfektion und Absperrungen gebremst

Desinfektionsbecken am Tor zur Bananenplantage als Schutzmaßnahme gegen Pilzbefall
Desinfektionsbecken am Tor zur Bananenplantage als Schutzmaßnahme gegen Pilzbefall

Fin­ca Cabal­los II heißt die Plan­ta­ge an der Stre­cke zwi­schen Burita­ca und San­ta Mar­ta in Kolum­bi­en. Bana­nen wer­den hier groß­flä­chig für den Obst­han­dels­kon­zern Fru­tesa, der in der Hafen­stadt San­ta Mar­ta sei­ne Zen­tra­le hat, ange­baut. Lan­ge Rei­hen von Bana­nen­stau­den sind hin­ter dem halb­ho­hen Tor zu sehen, links davon steht eine offe­ne wind­schie­fe Blech­ga­ra­ge für die Mopeds und Fahr­rä­der der Mit­ar­bei­ter aus der Umgebung.

Ein Wach­mann kon­trol­liert den Zutritt am Tor und ver­weist mit einem schie­fen Grin­sen auf das Trans­pa­rent, das mit Kabel­bin­dern im Maschen­draht fixiert ist. »Tritt sau­ber ein und geh sau­ber raus« steht da. Dar­über die Paro­le »Wir schüt­zen uns alle vor Fusa­ri­um R4T«. So heißt auf spa­nisch das Kür­zel für jenen Bana­nen­pilz, der vor rund drei Jah­ren auf zwei Plan­ta­gen wei­ter nörd­lich erst­mals in Latein­ame­ri­ka fest­ge­stellt wur­de. Seit­dem herrscht in Kolum­bi­en Alarm­stu­fe rot, denn Bana­nen zäh­len zu den wich­ti­gen Export­pro­duk­ten des Lan­des und fol­ge­rich­tig weist der Wach­mann den Besu­cher auch ab. »Besu­che müs­sen bei der Zen­tra­le in San­ta Mar­ta geneh­migt wer­den. Ich las­se nie­man­den rein«, so der Wach­mann. Neu­gie­rig steckt er sei­nen Kopf durch das Fens­ter des Bei­fah­rers, ein ent­schul­di­gen­des Lächeln huscht über sein Gesicht, bevor er zurück­geht und das Tor wie­der schließt.

Das ist der­zeit Usus auf Kolum­bi­ens Plan­ta­gen. So wenig Men­schen wie mög­lich sol­len Zugang zu den Plan­ta­gen erhal­ten, denn der Bana­nen­stau­den töten­de Pilz könn­te an den Schuh­soh­len kle­ben. Etwas Erde aus einer ande­ren Regi­on und schwupps macht sich der Pilz, der drei­ßig Jah­re im Erd­reich über­le­ben kann, über die Bana­nen­stau­den her. Über die Wur­zeln dringt er in die Bana­nen­stau­de ein und blo­ckiert dort die Nähr­stoff­zu­fuhr – die Pflan­ze stirbt ab. Kein Pes­ti­zid wirkt gegen den Pilz, der mit wis­sen­schaft­li­chem Namen »Fusa­ri­um oxy­spo­rum f. sp. cuben­se, Tro­pi­cal Race 4« heißt und von Süd­ost­asi­en über Afri­ka nach Latein­ame­ri­ka, ins welt­weit wich­tigs­te Anbau­ge­biet, gereist ist. Wo er ankommt, bleibt den Unter­neh­men nichts ande­res übrig, als die Plan­ta­gen abzu­bren­nen oder umzu­pflü­gen, wie in der Regi­on La Gua­ji­ra, rund zwei­hun­dert Kilo­me­ter wei­ter nörd­lich gesche­hen, und dann unter Qua­ran­tä­ne zu stel­len. In Kolum­bi­en wur­de im August 2019 der Not­stand aus­ge­ru­fen, denn von der Bana­ne leben tau­sen­de Fami­li­en und Hun­der­te von Unternehmen.

Knapp 900 Mil­lio­nen US-Dol­lar wur­den 2021 mit dem Export der krum­men, gel­ben Frucht ver­dient. Zudem ist die Pro­duk­ti­on der unter­schied­li­chen Bana­nen­sor­ten – Koch- und Frucht­ba­na­nen – auch für die natio­na­le Lebens­mit­tel­ver­sor­gung wich­tig, so Ade­la Tor­res, Gene­ral­se­kre­tä­rin von Sin­trai­na­gro, der Gewerk­schaft der Plantagenarbeiter*innen. Sie hat ihr Büro in Apart­adó, in Kolum­bi­ens wich­tigs­ter Anbau­re­gi­on im Nord­wes­ten des Lan­des. »Gemein­den wie Tur­bo, Apart­adó, Care­pa oder Chi­go­ro­dó hän­gen öko­no­misch zu 85 Pro­zent vom Bana­nen­an­bau ab«, sagt Tor­res. Ein wesent­li­cher Grund, wes­halb die Gewerk­schaft mit Schu­lun­gen ihrer Mit­glie­der bei der größ­ten Prä­ven­ti­ons­ak­ti­on, die der Bana­nen­an­bau in Kolum­bi­en bis­her erleb­te, mit dabei ist. Das ist essen­ti­ell, denn 95 Pro­zent der Arbeiter*innen sind gewerk­schaft­lich orga­ni­siert. »Die Maß­nah­men funk­tio­nie­ren«, so Tor­res. Dazu gehö­re auch die Des­in­fek­ti­on von Con­tai­nern in den Häfen von Buen­aven­tu­ra, Car­ta­ge­na und San­ta Marta.

Die bis­he­ri­ge Ent­wick­lung gibt ihr Recht. Es konn­te ver­hin­dert wer­den, dass der Pilz wei­ter nach Wes­ten zog, was auch im Nach­bar­land Ecua­dor, dem welt­größ­ten Bana­nen­ex­por­teur, für Erleich­te­rung sorgt. Doch die Prä­ven­ti­on hat ihren Preis, und den tra­gen die Pro­du­zen­ten­län­der bis­her allein, wie die hart­nä­cki­gen Ver­hand­lun­gen auf der Frucht­mes­se Fruit Logisti­ca in Ber­lin Anfang April beleg­ten. Dort poch­ten sie­ben bana­nen­pro­du­zie­ren­de Län­der auf höhe­re Prei­se. Nicht nur wegen der Mehr­kos­ten durch die auf­wen­di­gen Prä­ven­ti­ons­maß­nah­men gegen die Pilz­krank­heit, son­dern auch wegen gestie­ge­ner Düngemittel‑, Pes­ti­zid- und Ver­pa­ckungs­prei­se. Hin­zu kom­men Mehr­aus­ga­ben für Con­tai­ner und Co. »Dar­un­ter stöhnt die gan­ze Bran­che«, so Jor­ge Acos­ta, Gewerk­schafts­ko­or­di­na­tor aus dem ecua­do­ria­ni­schen Gua­ya­quil. Und das gefähr­det wie­der­um die Prä­ven­ti­ons­maß­nah­men, denn nied­ri­ge Prei­se sor­gen für sta­gnie­ren­de Löh­ne. Nicht sel­ten wird dann auch an Des­in­fek­ti­ons­mit­teln gespart. Das könn­te zum Bume­rang werden.

Dafür sind auch deut­sche Super­markt­ket­ten mit­ver­ant­wort­lich, die nach wie vor deut­lich mehr für das Kilo Äpfel als für die weit­ge­reis­ten Bana­nen zah­len. Das kri­ti­siert Ade­la Tor­res. Doch die Gewerk­schaf­te­rin ist genau­so wie Jor­ge Acos­ta nicht im Bil­de, über wel­chen Preis in Ber­lin ver­han­delt wur­de. »Die Gewerk­schaf­ten waren in Ber­lin nicht mit am Ver­hand­lungs­tisch. Es waren die Agrar­mi­nis­ter und die Export­ver­bän­de, die die Ver­hand­lun­gen führ­ten. Wir erfah­ren als Letz­te, was aus­ge­han­delt wur­de«, kri­ti­siert Tor­res. Ein Wider­spruch, denn schließ­lich sind es die Arbei­ter auf den Plan­ta­gen, die die Arbeit machen – auch die, um den Pilz zu stoppen.

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