Wenn die Nato gratuliert

Die bessere PR: Die Ukraine hat den ESC gewonnen

  • Von Christof Meueler
  • Lesedauer: 2 Min.
Das Kalush Orchestra siegte beim ESC und muss jetzt wieder in den Krieg - der Auftritt war eine Ausnahme im Kriegsrecht der Ukraine, wo Männer von 18 bis 60 nicht das Land verlassen dürfen, weil sie kämpfen sollen.
Das Kalush Orchestra siegte beim ESC und muss jetzt wieder in den Krieg - der Auftritt war eine Ausnahme im Kriegsrecht der Ukraine, wo Männer von 18 bis 60 nicht das Land verlassen dürfen, weil sie kämpfen sollen.

Wie allgemein erwartet, wurde der European Song Contest am Samstag in Turin von der Gruppe Kalush Orchestra aus der Ukraine gewonnen – aber nur durch das Votum des europaweiten Publikums, das vor lauter Solidarität von dem Song »Stefania« begeistert war. Die sogenannten Fachjurys waren mehrheitlich für den britischen Beitrag. Anschließend gratulierte der stellvertretende Nato-Generalsekretär Mircea Geoana zum »wundervollen« Song. Und er versprach: »Wir werden der Ukraine weiter helfen, diesen Krieg zu gewinnen«. Russland war vom Wettbewerb ausgeschlossen. Wie zur Strafe flogen nach der Show russische Phosphorbomben auf das Asow-Stahlwerk in Mariupol – nach ukrainischen Angaben.

Der angeblich unpolitische ESC bleibt also hochpolitisch und generiert weiterhin hohe Einschaltquoten, die das Normalfernsehen sonst kaum noch schafft. Eigentlich ein musikalischer Idiotentest, hat diese Show ab den 90er Jahren nur durch das Abfeiern ihrer Bad-Taste-Ästhetik durch die queere Subkultur überlebt. Kennt man ja noch: so peinlich, dass es wieder gut ist. Ist es aber nicht mehr, sondern ein Schlagermove für alle, die etwas lustig finden, bloß weil sie betrunken sind. Krieg oder Frieden ist da fast egal. Aber einmal mehr bestätigt sich: Die Ukraine hat die viel bessere PR-Politik als Russland. Was aber alle vergessen: Noch bis vor kurzem wählten beim ESC die Ukrainer die Russen und umgekehrt. Damals im Frieden.

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