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  • Diskriminierung von Eltern und Pflegenden

Von Unterstützung weit weg

Benachteiligung im Job ist für viele Eltern und Pflegende Realität

Frauen werden auf Grund ihrer Elternschaft längst nicht nur finanziell benachteiligt.
Frauen werden auf Grund ihrer Elternschaft längst nicht nur finanziell benachteiligt.

Diskriminierung ist für viele Eltern und Pflegende am Arbeitsplatz Alltag. Rund die Hälfte der Mütter (49 Prozent) und 40 Prozent der Väter geben in einer aktuellen Studie an, dass sie sich auf Grund ihrer Elternrolle diskriminiert fühlten. Auch 27 Prozent derjenigen, die Angehörige pflegen, verwiesen auf diskriminierende Erfahrungen am Arbeitsplatz. Das geht aus einer am Dienstag veröffentlichten Studie im Auftrag der Antidiskriminierungsstelle des Bundes hervor. Es wurde jedoch nicht nur nach der subjektiv empfundenen Diskriminierung gefragt, sondern auch verschiedene konkret diskriminierende Situationen wurden abgefragt. Objektiv benachteiligt wurden Eltern und Pflegende in ihrer Arbeit demnach sogar häufiger. »Wer Fürsorgeverantwortung übernimmt, muss im Job mit Nachteilen rechnen«, stellte der kommissarische Leiter der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Bernhard Franke, am Dienstag anlässlich der Studienveröffentlichung fest.

Während der Schwangerschaft erlebten demnach 56 Prozent der befragten Eltern mindestens eine diskriminierende Situation. Beispielsweise wurden ihnen Verantwortlichkeiten entzogen, weniger anspruchsvolle Aufgaben zugeteilt oder Aufstiegsmöglichkeiten verhindert. Vor allem Mütter sind davon betroffen. Bei der Anmeldung der Elternzeit berichteten hingegen Väter etwas häufiger von diskriminierenden Erfahrungen. 19 Prozent von ihnen fühlten sich unter Druck gesetzt, keine Elternzeit zu nehmen oder den Umfang zu reduzieren. Bei den Müttern gaben dies elf Prozent an. Bei dem Wiedereinstieg nach der Elternzeit berichteten sogar 62 Prozent der Befragten von mindestens einer negativen Erfahrung, Mütter häufiger als Väter. So seien flexible Arbeitszeiten nicht oder nicht in gewünschtem Umfang gestattet worden.

Insgesamt gaben 62 Prozent der Eltern mindestens eine negative Erfahrung am Arbeitsplatz an. Davon waren Mütter mit 69 Prozent stärker betroffen als Väter (48 Prozent). Der Studie zu Folge gibt es noch weitere Faktoren, die dazu beitragen, mit einer höheren Wahrscheinlichkeit Diskriminierung zu erfahren. Junge werdende Eltern werden besonders häufig benachteiligt. Über alle Altersgruppen hinweg betrifft die Diskriminierung vor allem jene Eltern mit niedrigem Einkommen und diejenigen mit befristeten Arbeitsverträgen. Fast die Hälfte der Mütter mit einem solchen Arbeitsvertrag gaben an, dass dieser im Zusammenhang mit Schwangerschaft, Elternzeit oder Kinderbetreuung nicht verlängert oder nicht entfristet worden sei. Bei den Vätern berichteten dies nur 15 Prozent. Manchen wurde in Zusammenhang mit ihrer Elternrolle sogar gekündigt: 15 Prozent der Mütter und sechs Prozent der Väter gaben dies an.

Von denjenigen, die Angehörige pflegen, berichteten 48 Prozent von mindestens einer diskriminierenden Erfahrung am Arbeitsplatz. Genannt wurden das Ausbleiben von Gehaltserhöhungen, eine schlechtere Leistungsbewertung und fehlende Rücksichtnahme auf Pflegeaufgaben bei der zeitlichen Festlegung von Sitzungen. Von denjenigen, die Pflegezeit nehmen wollten, gaben über die Hälfte an, Vorgesetzte hätten darauf abfällig oder negativ reagiert.

Ein Großteil der Betroffenen spricht die Benachteiligung nicht an, teils aus Sorge vor einer Eskalation der belastenden Situation, vielfach jedoch auch, weil keine passenden Anlaufstellen bekannt sind. Bei den Eltern gibt es deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Die Beratung oder Beschwerde beim Betriebsrat, der Gewerkschaft oder die Einschaltung eines Rechtsbeistands wird wesentlich häufiger von Vätern genutzt.

Die Auswirkungen der Diskriminierungserfahrungen auf der Arbeit sind enorm und sind keinesfalls nur auf die finanzielle Situation der Betroffenen bezogen. Laut der Studie leiden nicht nur die Beziehungen zu Vorgesetzten und Arbeitskollegen, sondern auch die Gesundheit und der Schlaf. Betroffene haben sogar insgesamt eine deutlich niedrigere Lebenszufriedenheit als Befragte ohne Diskriminierungserfahrungen.

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