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Die Berliner hoffen auf ein Fußballwunder in Oldenburg

Der BFC Dynamo muss im Relegationsspiel beim VfB ein 0:2 aufholen

  • Von Alexander Ludewig
  • Lesedauer: 4 Min.
Beide Oldenburger Tore zum 2:0 gegen den BFC Dynamo erzielte Robert Zietarski (o.) per Kopf nach Standardsituationen.
Beide Oldenburger Tore zum 2:0 gegen den BFC Dynamo erzielte Robert Zietarski (o.) per Kopf nach Standardsituationen.

Mit Niederlagen kann Christian Benbennek umgehen. Sie gehören zum Sport dazu. Dem Trainer des BFC Dynamo kommt es auf die Einstellung an. »Wichtig ist, dass jeder sein Bestes gibt«, hatte der 49-Jährige »nd« vor dem Hinspiel der Relegation gegen den VfB Oldenburg gesagt. Mit dieser Marschroute hatten seine Fußballer Platz eins in der Regionalliga Nordost erspielt. Die erste Partie um den Aufstieg in die 3. Liga haben sie am Sonnabend bei ihrem Heimspiel in Hohenschönhausen gegen den Meister der Regionalliga Nord mit 0:2 (0:1) verloren.

Mit dieser Niederlage dürfte Benbennek Probleme haben. Nach dem Abpfiff sagte er: »Ich fand uns von Beginn an zu verkrampft. Wir waren nicht die Mannschaft, die wir über die 38 Spiele zuvor waren.« Diesen Druck wollte er eigentlich aus den Köpfen rausbekommen. Deshalb ließ er seine Mannschaft nach dem letzten Ligaspiel vor zwei Wochen ein, zwei Tage feiern – die Meisterschaft. Das habe sie sich verdient, begründete Benbennek.

Vor großer Kulisse im mit 5000 Zuschauern ausverkauften Sportforum legte Dynamo in der ersten Halbzeit einen schwachen Auftritt hin. Nach vorn ging gar nichts. Und mit den schnellen Offensivspielern aus Oldenburg hatte die Abwehr große Probleme. »Wir haben gar nicht richtig gespielt«, kritisierte Benbennek. Seine Pausenansprache und zwei Wechsel belebten das Spiel des BFC. Dynamo machte jetzt mehr Druck und gestattete dem Gegner kaum noch Chancen. Ganz große Torgefahr entwickelten die Berliner selbst aber auch nur einmal. In der 67. Minute gelangte endlich mal ein Ball zu Christian Beck. Doch der 34-Jährige, mit 23 Treffern Torschützenkönig der Regionalliga Nordost, köpfte das Spielgerät freistehend aus fünf Metern daneben. Die beste Möglichkeit des BFC war vergeben – auch weil die vielen anderen Flankenbälle in den Oldenburger Strafraum zu ungenau waren und den gut bewachten Beck nie fanden.

Die eigene, limitierte Spielweise in der Offensive ärgert Benbennek sicherlich ebenso wie die beiden Gegentore in der 27. und 78. Minute. Zweimal hatte Dynamos Trainer den VfB Oldenburg zuvor live beobachtet, dazu noch acht Spiele per Video analysiert. Sein Fazit: »Schnelles Angriffsspiel, gute Standards.« Beides traf zu. Beide Tore erzielte Robert Zietarski, per Kopf, nach einer Standardsituation.

Der Oldenburger Anhang feierte sein Team, die Tore und schließlich den Sieg teilweise so ausgelassen, dass der Stadionsprecher in der Halbzeitpause eine kleine Mahnung aussprach: »Reißt euch mal zusammen, ihr seid hier in Ostberlin zu Gast.« Gemeint war nicht das vereinzelte Abbrennen von Pyrotechnik, sondern der Versuch einiger Oldenburger, den Gästeblock über den Stadionzaun oder Geländer zu verlassen. Die Berliner Fans nahmen die Niederlage mehr oder weniger gelassen: »Auswärtssieg« – mit diesem Wunsch und Applaus verabschiedeten die Haupttribüne und die Gegengerade ihre Mannschaft.

Ob das Rückspiel am 4. Juni in Oldenburg angepfiffen wird, hängt noch davon ab, ob der BFC Dynamo die vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) für die Lizenz geforderte Bürgschaft in Höhe von 900 000 Euro aufbringen kann. Bis zum 1. Juni müssen die Berliner diese Auflage erfüllen, am Sonntag fehlten noch rund 180 000 Euro. In Bezug auf den Verband waren sich die Fans beider Vereine einig: »Scheiß DFB«, schallte es wechselseitig von den Rängen. Beklagt wurde damit vor allem die Ungerechtigkeit der Relegation. »Meister müssen aufsteigen«, stand in großen Buchstaben auf einem Transparent im Block der BFC-Ultras.

Auch wenn die sportlichen Chancen auf den erstmaligen Aufstieg des BFC in den Profifußball mit dem 0:2 deutlich gesunken sind, Christian Benbennek will natürlich am kommenden Sonnabend spielen. Nach dem »Scheiß-Ergebnis« sagte er: »Wir haben nicht 38 Spiele Vollgas gegeben, um jetzt zu sagen: Das war’s. Wir müssen uns einmal schütteln und nach Oldenburg fahren und alles probieren.« Dort hoffe er auf ein Fußballwunder.

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