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  • BFC in Aufstiegsspielen zur 3. Liga

Der BFC kam nur bis Oldenburg

Ballhaus Ost. Die Aufstiegsrelegation in die 3. Liga gehört endgültig abgeschafft

Oldenburgs Aufstiegsfeier samt Platzsturm wurde vom Block der 2000 BFC-Anhänger von berittener Polizei auf dem Rasen getrennt.
Oldenburgs Aufstiegsfeier samt Platzsturm wurde vom Block der 2000 BFC-Anhänger von berittener Polizei auf dem Rasen getrennt.

»Wir haben alles versucht, wir wollten den Bock noch umstoßen. … Riesendank an den DFB, der solche Regeln einführt. Da haben sie sich richtig was dabei gedacht. Großes Lob! Hauptsache der Westen und der Südwesten dürfen immer aufsteigen. Egal, ob Oldenburg oder wir. So eine Regel ist eine Vollkatastrophe. Wenn Leute da sind, die keine Ahnung vom Fußball haben, die zerstören einfach eine ganze Saison mit zwei solchen Bumms-Spielen«, schimpfte Christian Beck nach dem 2:1 Auswärtssieg seines BFC Dynamo, weil dank einer 0:2-Heimniederlage im Hinspiel nicht die Berliner, sondern Gegner Oldenburg künftig in der 3. Liga im günstigsten Fall zaubern darf. Zwei Meister, nur ein Aufsteiger, diese böse Formel beschert dem BFC ein weiteres Jahr in der Regionalliga Nordost.

Ja, die Kümmernisse der Relegation, jede*r von uns weiß davon zu berichten und vergoss schon mal bittere Tränen des Schmerzes oder güldene Tränen der Freude. Das Geile an solchen Kicks ist die große Aufregung, der Herzkasper davor und währenddessen. Auch mir ging es als Livebeobachter beider Spiele nicht anders, zumal es kämpferisch muntere Spiele waren, in denen der sehr offensiv auftretende VfB Oldenburg nicht unverdient die Nase vorn hielt. In beiden Spielen preschten sie mit viel Mut nach vorn und ließen den BFC stets erst in Halbzeit zwei mitspielen.

Viel Geschrei, Pyrotechnik und Polizei (in Oldenburg verstärkt mit Pferd und Hund) umrahmten die Spiele und gaben ihnen einen würdigen Rahmen. Besonders nach Oldenburg, so schien es, hatte jede deutsche Stadt eine Abordnung Rüpel*innen geschickt: So deutlich zeichneten sich dunkel gekleidete Personen ab, die nur darauf zu warten schienen, dass ein Funke das Pulverfass in die Luft jagte. Lag es an der zahlreich vorhandenen Polizei, die ein-, zweimal im BFC-Block frohgemut Pfefferspray einsetzte. Oder wollten doch alle ein bisschen Frieden, wo schon unsere Menschenwelt ohne Vernunft agiert und überall Massakeramigos die Messer wetzen? In Oldenburg blieben die Schädel jedenfalls uneingeschlagen, und der Berliner Tross aus gut 2000 weinrotweißen Trauergästen bewegte sich mit Bus, Bahn und Privatauto zurück in die Hauptstadt.

Oldenburg, viel Glück beim Abenteuer 3. Liga! Wie man hörte, darf der Verein das Heimstadion in Liga drei nur selten nutzen, weil weder Flutlicht noch Rasenheizung dieses wunderschöne, leicht in die Jahre gekommen Stadion zieren. Was für ein Drama, wenn die braven Oldenburger zum Heimspiel nach Hannover oder Lotte kutschieren müssen. Ob sich die Stadt erbarmt und den Geldsack öffnet? Vermutlich nein. Sieht beim BFC Dynamo ähnlich aus, hier sträubt sich der Senat seit Jahren, viele Milliönchen in den Ausbau des Fußballstadions im Sportforum zu stecken. Der BFC brauche es wie die Luft zum Atmen, hört man. Für die Regionalliga reicht das Sportforum aber noch.

Die nächsten Wochen ruht der Fußball. Wir können uns ganz der Sonne hingeben. Oder dem Tanz im Freien bei Krawall und Remmidemmi. Ablenkung bietet das Quartett: Vereine auf Vinyl, eine liebevolle Referenz an die Fan- und Vinylkultur traditionsreicher deutscher Vereine. 64 Karten zu 16 Klubs, kauft euch das Kartenspiel!

Wer vom Fußball nicht loskommt, kann auch nach Finnland reisen, dort wird munter weitergekickt. Oder die Glotze einschalten, angeblich soll La Mannschaft die Tage kicken. Ich schmolle derweil in der Motto-Hängematte des ewigen FC Carl Zeiss Leids. Unser Stadion wird gebaut, aber die Regionalligamannschaft abgespeckt. Klingt in der Summe nach einer beschissenen Saison, Ende Juli geht es endlich wieder von vorne los. Sport Freichen!

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