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Märtens schwimmt zu WM-Silber

Lukas Märtens gewinnt Silber über 400 Meter Freistil bei der Schwimm-WM in Budapest

  • Von Andreas Morbach, Budapest/Köln
  • Lesedauer: 4 Min.
Nur ein Australier war schneller: Lukas Märtens krault bei der Schwimm-WM über 400 Meter Freistil auf Platz zwei.
Nur ein Australier war schneller: Lukas Märtens krault bei der Schwimm-WM über 400 Meter Freistil auf Platz zwei.

Bei ihren Planungen für die Schwimm-WM mussten sich Lukas Märtens und sein Heimtrainer Bernd Berkhahn nur einmal kurz in die Augen schauen, dann war die Sache geritzt. Der gebürtige Magdeburger soll, so lautete die Abmachung zu Saisonbeginn, bei den Titelkämpfen in Budapest so oft wie möglich durch Wasser pflügen. »Ich wollte alles schwimmen, und wir waren komplett einer Meinung«, berichtet Märtens dem »nd« von dem sehr kurzen Strategiegespräch mit Berkhahn – das für diesen Sommer gilt.

Richtung Olympia 2024 will er sein Pensum dann nach und nach drosseln. Aktuell ist der 20-Jährige aber noch im Dauerkraulmodus – und tilgte mit Silber über 400 Meter Freistil gleich am ersten WM-Tag einen persönlichen Malus. Bei den Spielen von Tokio war er – trotz starker Vorleistungen – bei allen drei Einzelstarts im Vorlauf ausgeschieden. »Es ins Finale zu schaffen, ist ein großer Sprung. Internationale Großereignisse wie die WM oder EM sind noch mal etwas ganz anderes als ein Qualifikationswettkampf. Das kann man nicht vergleichen«, wusste Märtens vor der Abreise nach Ungarn – und hämmerte sich ein: »Dort meine Zeit auf den Punkt abzurufen, das wäre schon eine große Leistung.«

Sein Leistungsvermögen in der Duna Arena lag am Samstag dann so hoch, dass er die gefährliche Barriere, den Vorlauf, als Viertschnellster diesmal souverän umschiffte – und diese Zeit im Finale am frühen Abend noch mal um fast zweieinhalb Sekunden unterbot. Nur der Australier Elijah Winnington kraulte in 3:41,22 Minuten um 1,63 Sekunden schneller durch den Pool als Märtens, der über seinen zweiten Rang – die erste WM-Medaille für den DSV auf dieser Strecke seit 2011 – völlig ausgelaugt strahlte: »Es ist unbeschreiblich – ich bin super zufrieden mit der Zeit.«

Ausgesprochen happy war auch sein Coach am Beckenrand. »Für uns ist es ein Sieg«, betonte Berkhahn stolz. Und schon richtete der 51-Jährige, der seit Januar 2019 auch das Amt des Bundestrainers bekleidet, den Blick auf Märtens‘ nächsten Auftritt am Sonntagmorgen.

Im Gegensatz zum Teamkollegen Rafael Miroslaw (als Vorlauf-26. ausgeschieden) qualifizierte sich Märtens über 200 Meter Freistil mit der siebtschnellsten Zeit problemlos für das Halbfinale am Abend. »Ich habe das Rennen von gestern relativ gut weggesteckt, aber die Beine sind immer noch schwer«, beschrieb der Trainingspartner von Freiwasser-Olympiasieger Florian Wellbrock seine körperliche Verfassung.

Neben dem offensichtlich gelungenen Formaufbau zum ersten Highlight der Saison hin scheint bei Märtens diesmal vor allem auch die mentale Stärke zu stimmen. Im vergangenen August machte ihm die Psyche beim Anblick der olympischen Ringe noch einen dicken Strich durch die Rechnung. Am Ufer der Donau hat Märtens dagegen gleich zum Auftakt Geschmack am verführerischen Duft des Erfolgs gefunden.

Sein Fokus liegt nun auf den 800 Meter Freistil, bei denen die Vorläufe am Montagmorgen anstehen. Und auf den 1500 Metern Freistil, die an den letzten beiden WM-Tagen stattfinden. »Die 800 und 1500 Meter gehe ich richtig an, damit ich da vielleicht noch mal eine Medaille hole«, kündigte der Lebensgefährte von Isabel Gose an – die am Samstag eine halbe Stunde nach ihrem Partner ins Wasser sprang, nach ihrem fünften Platz über 400 Meter Freistil allerdings mit enttäuschter Miene aus dem Becken stieg.

Das gleichaltrige Schwimmer-Paar lebt in Magdeburg zusammen, ihre Wohnung liegt direkt neben der Schwimmhalle. Das macht die Wege im anstrengenden Trainingsalltag angenehm kurz – und dass ihn sein beruflicher Weg nicht in eine andere Sportart führte, damit hat sich Lukas Märtens ohnehin schon lange abgefunden. »Zuerst gab es für mich auf jeden Fall Fußball. Das ist eigentlich der Sport, den ich schon immer machen wollte«, sagte der Freistilspezialist, der als kleiner Junge mal eineinhalb Jahre bei Post SV Magdeburg kickte. »Aber für Fußball hat es bei mir damals einfach noch nicht gereicht« erzählte der Silber-Knabe von Budapest – und fügte schmunzelnd hinzu: »Das zweite war dann gleich das Schwimmen. Und da hat es bei mir direkt gefunkt.«

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