Mutige Menschen

Im Hofkino am FMP1 präsentiert »nd« drei spannende Filme über Selbstermächtigung, Protest und Musik

  • Von Paula Perschke
  • Lesedauer: 4 Min.
Szene aus dem Film "Rise Up".
Szene aus dem Film "Rise Up".

Der nd-Kinosommer, eine Kooperation mit dem Freilichtkino FMP1, startet gleich mit einer exklusiven Preview vor dem Kinostart, mit einem Regie-Debüt: »Ladybitch«. Bevor der Film dann bei einsetzender Dunkelheit im Hof des FMP1 gezeigt wird, sprechen die Regisseurinnen und Schauspielerin Celine Meral mit nd-Mitarbeiterin und Musikerin Paula Perschke.

»Ladybitch« schaut intensiv hinter die Kulisse eines grandiosen Bühnenstückes und erzählt von Machtmissbrauch und sexueller Gewalt, aber auch von Selbstermächtigung und Widerstand einer jungen Schauspielerin gegen einen etablierten Theaterregisseur. Die politische Debatte, die unter dem Hashtag »MeToo« hohe Wellen geschlagen und viele dieser Verhältnisse in der Film-und Theaterbranche offengelegt hat und sogar zu Verurteilungen wegen sexuellem Missbrauch führte, fügt »Ladybitch« eine weitere wirklich sehenswerte Geschichte hinzu.

Autobiografisch erzählen die beiden Regisseurinnen Marina Prados und Paula Knüpling schmerzhaft komisch von ihren persönlichen Erfahrungen mit Grenzüberschreitungen und Missbrauch aus ihrer Zeit als Schauspielerinnen. »Ladybitch« ist ein Film über die unscharfen Grenzen zwischen Figur und Darstellerinnen, über Zustimmung und Einvernehmen, über die Bedeutung eines »Nein« und über das unsichtbare Trauma hinter Machtmissbrauch, sexueller Gewalt und emotionaler Manipulation. Das filmische Setting des Theaterbetriebes lässt sich erschreckend einfach auf beliebige andere Arbeitsbereiche im Feld der Kunst übertragen. Im Film erhält die junge Schauspielerin Ela (Celine Meral) eine Rolle beim bekannten Theaterregisseur Franz Kramer (Christoph Gawenda). Die Inszenierung ist eine große Chance für sie, bringt aber auch Druck mit sich. Kramer überschreitet immer wieder Elas Grenzen, und die Situation spitzt sich zu, als Kramer sie sexuell belästigt. Die Schauspielerin kämpft darum, als selbstbewusste Figur aufzutreten – und bemerkt, dass sie hierfür die gleichen Schritte der Selbstermächtigung auch in ihrem privaten Leben gehen muss. »Ladybitch« wurde mit dem Max Ophüls Preis 2022 für den gesellschaftlich relevanten Film ausgezeichnet sowie für das Achtung Berlin Filmfestival in den Kategorien »Bestes Schauspiel« und »Bester Spielfilm«.

Am 23. August geht es dann wiederum um mutige Menschen und die Frage: »Wie verändert man die Welt?«. In »Rise Up« begleiten die Dokumentarfilmerin Luise Burchard und ihre Kollegen Marco Heinig, Steffen Maurer und Luca Vogel fünf Menschen, die an überwältigenden gesellschaftlichen Aufbrüchen beteiligt waren. Bekannt geworden sind die vier mit ihrer Dokumentation »Hamburger Gitter« (2018). Sie spüren der Frage nach, wann verlassen Menschen ihren Komfortbereich und werden zu mutigen Heldinnen oder Helden.

Ob feministische Kämpfe in Südamerika, der Kampf um soziale Gerechtigkeit in der Bundesrepublik oder die ökonomische Emanzipation der afroamerikanischen US-Bürgerinnen und US-Bürger. Die fünf Protagonistinnen und Protagonisten des Dokumentarfilms zeigen, wie sich jede und jeder Einzelne konkret gegen die großen Ungerechtigkeiten unserer Zeit einsetzen kann. Ihre Beispiele bieten aber vor allem eines: Hoffnung! Hoffnung, dass politischer Einsatz kein Kampf gegen Windmühlen ist, sondern dass man globalen Krisen, sozialer Ungerechtigkeit und autoritären Despoten entgegentreten und gewinnen kann. »Rise Up« erzählt mit großer Energie von der Heldenhaftigkeit, die in jedem und jeder von uns stecken kann, vom einzelnen Aufbegehren zur großen Revolte, von einer einzelnen Idee zu einem historischen Fortschritt. Jeder Wandel beginnt mit dem ersten Schritt und vor allem mit den Menschen, die ihn gehen. Mit den Filmemacher*innen spricht vor dem Film nd-Redakteur Robert Meyer. Ihn interessiert besonders, an welchem Punkt die Protestbewegungen heute stehen.

Auch mutig, wenn auch auf eine ganz besondere und eigene Weise ist der Film »Unsere Herzen – Ein Klang«, den wir am 7. September zum Abschluss zeigen. Es geht weder um Protest noch um Gewalterfahrungen. Torsten Striegnitz und Simone Dobmeier widmen sich einem musikalischen Thema, dem Chor. Der Film erzählt von der Kraft des Gemeinsamen, von der besonderen Magie des gemeinschaftlichen Singens. Wenn die unterschiedlichsten Stimmlagen in aller Verschiedenheit zueinanderfinden, entsteht eine enorme musikalische Kraft. Der Film geht diesem Zauber nach und begleitet zwei Chorleiterinnen und einen Chorleiter, wie sie aus einer Gruppe singbegeisterter Menschen, die teilweise unterschiedlicher nicht sein könnten, Chöre von mitreißender musikalischer Intensität entstehen lassen. Es ist ein Blick in ein Arbeitsfeld, in dem Nähe und Distanz, Identifikation und Projektion jedes Mal aufs Neue in Balance gebracht werden müssen. Mal spielerisch, mal ernsthaft, aber immer im höchsten Maße fasziniert und offenherzig durchleuchtet der Dokumentarfilm das Chorsingen als eine einzigartige symbiotische Verbindung zwischen allen Beteiligten. Das überwältigende Gefühl, Teil eines Ganzen zu sein, bestimmt den Rhythmus des Films. Entdeckt wird die Menschlichkeit in der Musik, dort, wo das gemeinsame Klangerlebnis zum sozialen Abenteuer und Moment der Selbstverwirklichung gleichermaßen wird.

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