Richtungsweisend

Ines Wallrodt über den Warnstreik der Lufthansa-Beschäftigten

Ver.di-Kundgebung am Frankfurter Flughafen
Ver.di-Kundgebung am Frankfurter Flughafen

Wer am Mittwoch mit der Lufthansa in den Urlaub fliegen wollte, ist nicht zu beneiden. Die Flugausfälle sind ärgerlich, allerdings ist es auch nur ein weiterer ärgerlicher Tag. Denn an den Flughäfen herrscht bereits seit Wochen Chaos – als Folge von Missmanagement und schlechten Arbeitsbedingungen. Die Lufthansa hat in der Corona-Zeit viele Beschäftigte entlassen und zudem versäumt, sich mit guten Arbeitsbedingungen attraktiv zu machen. Und Beschäftigte haben inzwischen die Wahl – überall werden Leute gesucht – und orientieren sich eben um. Die verbliebenen Beschäftigten gehen nun zu Recht auf die Barrikaden. Schon vor den für nächste Woche angesetzten Verhandlungstagen. Die Empörung ist groß. Doch das bisherige Angebot der Lufthansa gleicht nicht einmal die Inflation aus. Und wo steht, dass immer alles nach Ritual ablaufen muss?

Die von Verdi geforderten 9,5 Prozent mehr Lohn sind selbstbewusst. Damit weisen die Bodenbeschäftigten der Lufthansa auch die Richtung für kommende Tarifkonflikte: Gibt man sich mit Einmalzahlungen und Einbindung in die konzertierte Aktion zufrieden oder fordert man tabellenwirksame Lohnerhöhungen, die die Inflation ausgleichen? Dass die Lufthansa nun vorsorglich fast sämtliche Flüge an ihren Drehkreuzen Frankfurt und München gestrichen hat, zeigt indirekt, wie groß man die Wut der Beschäftigten dort einschätzt. Die Lufthansa hat es in der Hand, den Konflikt schnell zu beenden. Mit einem Angebot, das nicht zu weiteren Streiktagen zwingt.

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