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Von Fritz Reuter zum Himmel voller Geigen

Zwei nd-Leserreisen führen auf literarischen und musikalischen Spuren nach Mecklenburg und ins Vogtland

Schloss Basedow, eines der schönsten Schlösser in Mecklenburg
Schloss Basedow, eines der schönsten Schlösser in Mecklenburg

»Nimm Di nicks vör, denn sleiht Di nicks fehl!« Verstehen Sie das? Nein? Dann lassen wir es uns von Fritz Reuter übersetzen, schließlich stammt der Spruch aus seiner Feder: »Nimm Dir nichts vor, dann schlägt dir nichts fehl!«

Obwohl das natürlich sofort einleuchtet – vergessen Sie es sofort und vor allem: Halten Sie sich nicht daran! Zumindest nicht am 28. September. Denn an diesem Tag führt eine nd-Leserreise zu dem bekannten mecklenburgischen Schriftsteller, der seine Werke in seiner niederdeutschen Muttersprache verfasste.

Reuters Start ins Leben war gewissermaßen hochoffiziell, wurde er doch am 7. November 1810 im Rathaus von Stavenhagen geboren, wo sein Vater nicht nur als Bürgermeister arbeitete, sondern wo die Familie auch wohnte. Wer kann schon sagen, dass er im Rathaus geboren wurde! Ungewöhnlich ging das Leben für das Kind weiter: Denn Fritz wurde als einziger Junge bis zu seinem 13. Lebensjahr in einer Mädchenschule unterrichtet, was für ihn bestimmt nicht immer leicht war. Er war alles andere als ein guter Schüler, sein Vater führte das auf mangelnde Disziplin zurück. Möglicherweise aber lag es ja auch daran, dass die Talente des Jungen nicht erkannt und schon gar nicht gefördert wurden. Denn er wollte Maler werden, das einzige Fach, das ihm wirklich gefiel, war neben Turnen das Zeichnen. »Brotlose Kunst«, hat sein Vater bestimmt gedacht und versucht, ihn davon abzubringen.

Wie das ausging und wie das Leben des späteren Schriftstellers weiter verlief, darüber werden Sie, liebe Leserinnen und Leser, auf der Tour in Fritz Reuters Heimat viel von Dr. Cornelia Nenz, einer exzellenten Reuter-Expertin erfahren, die Sie den ganzen Tag begleitet.

Gemeinsam fahren Sie mit ihr am frühen Morgen nach Stavenhagen zum Fritz-Reuter-Literaturmuseum, das sich seit 1949 im ehemaligen Rathaus und Geburtsort des Schriftstellers befindet, der als Wegbereiter der Wiederbelebung des Plattdeutschen in der Literatur gilt. Das Museum bewahrt eine umfangreiche Sammlung von Reuters Handschriften, Dokumenten und Sachzeugen seiner Zeit sowie eine Fachbibliothek mit einem Bestand von mehr als 15000 Bänden auf. Freuen Sie sich auf eine Führung durch das Museum sowie eine literarische Stunde, in der Ihnen aus Fritz Reuters Werken vorgelesen wird.

Nach dem Mittagessen geht es weiter zum Schloss Basedow, das optisch wie ein Märchenschloss daherkommt und als eine der bedeutendsten Schlossanlagen Mecklenburg-Vorpommerns gilt. Hier erwartet Sie eine Führung durch das Ensemble aus Park, Schloss und Dorf, das seit 1985 unter Denkmalschutz steht. Sie endet in der kleinen Schlosskirche, in der sich die älteste noch erhaltene Barockorgel in Mecklenburg befindet. Genießen Sie ein kleines Orgelanspiel und lassen Sie dann den erlebnisreichen Tag bei Kaffee und Kuchen ausklingen, bevor es zurück nach Berlin geht.

Orgelmusik werden Sie auf der Reise vom 6. bis 8. Oktober nach Markneukirchen und Bad Elster zwar nicht erleben, aber ich verspreche Ihnen, dass bei dieser Tour 24 Stunden am Tag Musik in der Luft liegt. Führt diese nd-Leserreise doch in das Herz des ostdeutschen Musikinstrumentenbaus. Seit dem 17. Jahrhundert hängt hier der Himmel voller Geigen, alles begann mit böhmischen Glaubensflüchtlingen, die in Markneukirchen eine neue Heimat fanden und hier ihr seit Generationen ausgeübtes Handwerk des Geigenbaus perfektionierten. Heute werden in der Region viele verschiedene Instrumente hergestellt, doch der Geigenbau prägt den Ort noch immer. 

Wir werden unterwegs mit einem der Besten seiner Zunft sein. Der 43-Jährige Stefan Rehms ist nicht nur ein waschechter Markneukirchener und erfolgreicher Geigenbauer sondern auch Absolvent des Studiengangs Musikinstrumentenbau Markneukirchen der Fachhochschule Zwickau, der deutschlandweit einzigen Hochschule, an der begabte Zupf und Streichinstrumentenbauer aus der ganzen Welt ihre handwerklichen Fertigkeiten nicht nur perfektionieren, sondern auch theoretische und praktische Kenntnisse und Fertigkeiten erhalten, die sie zum Bau von hochwertigen, künstlerisch gestalteten Musikinstrumenten befähigen. Kaum ein anderer wäre besser als Reisebegleiter geeignet, um Ihnen seine Stadt und deren Geschichte zu zeigen.

Mit ihm werden wir die Erlebniswelt »Musicon Valley« besuchen, eine Einrichtung, in der man nicht nur vieles über den Musikinstrumentenbau erfährt, sondern auch zusehen kann, wie beispielsweise eine Geige entsteht. Schauen Sie Stefan Rehms auf die Finger, wenn er mit einem winzigen Hobel ein Stück jahrzehntelang abgelagertes Holz in eine Bodenplatte für Geigen, Chelli oder Bratschen verwandelt. Fragen Sie ihm Löcher in den Bauch. Versuchen Sie sich selbst einmal als Geigenbauer. Stefan wird uns auch das Musikinstrumentenmuseum zeigen. Hier erfährt man alles über die Geschichte des Musikinstrumentenbaus im Vogtland und man kann 3500 Instrumenten aus aller Welt bestaunen und auf einigen sogar selber spielen.

Nach so viel Musikinstrumentenbau reisen wir weiter nach Bad Elster, eines der ältesten Mineral- und Moorheilbäder Deutschlands und zu DDR-Zeiten der wohl bekannteste Kurort. Schon die sächsischen Könige reisten nach Bad Elster, um sich zu erholen und das Wasser der heilenden Quelle zu trinken. Hier werden auch wir übernachten und haben selbstverständlich auch Gelegenheit, die Wellnesseinrichtungen selbst auszuprobieren. Am nächsten Tag schauen wir uns den Ort und seine historischen Kuranlagen an. Viele prachtvolle Gebäude erzählen von der langen Geschichte als Kurort. Auch das König-Albert-Theater, in dem wir am Abend eine festliche Aufführung erleben werden.

Voller Erlebnisse geht es dann mit vielen neuen Eindrücken am Nachmittag des dritten Tages wieder nach Hause.

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