Der größte Ironiker unserer Zeit

Andreas Koristka über einen Mann, dessen Sinn für Humor viele nicht auf dem Schirm hatten

  • Von Andreas Koristka
  • Lesedauer: 3 Min.
Mathias Döpfner: Der größte Ironiker unserer Zeit

Um den Humor ist es in Deutschland seit jeher schlecht bestellt. Wie gut, dass wir noch ein paar Leute im Lande haben, die die Fahne der Lustigkeit mit klammen Fingern eisern in den kalten Wind halten. Zu ihnen, zu den Mario Barths, den Chris Talls und den Matze Knops hat sich nun ein Mann gesellt, dessen Leidenschaft für Humor und Ironie viele nicht auf dem Schirm hatten. Die Rede ist von Mathias Döpfner.

Der Vorstandsvorsitzende der Axel Springer SE scheint ein Mann zu sein, der gerne auch mal lacht, wenn es passt. So kam jetzt heraus, dass er am Tag der letzten US-Präsidentenwahl eine Mail an seine Mitarbeiter verschickte, in der er die rhetorische Frage stellte, ob nicht »alle« in sich gehen und beten sollten, dass Donald Trump wiedergewählt werden wird, weil er so hohe Verdienste um die USA und die Weltpolitik habe.

Das war natürlich ein Späßchen! Döpfner findet Trump nicht wegen der politischen Weltlage so außerordentlich superb, sondern weil er kontinuierlich geile Nachrichten generiert. Egal, ob er Kim Jong-un die Hand gibt oder einer Dame ans Geschlechtsteil fasst. Das ist der Treibstoff, von dem die Springermedien leben. Und Leute, die Döpfner diese Form der Ironie nicht zugestehen wollen, sind ihm offensichtlich nicht wohlgesonnenn, denn sie wollen das Offensichtliche nicht wahrnehmen.

Dabei ist Döpfner ein ausgesprochener Scherzkeks. Er ist vielleicht sogar der größte Ironiker unserer Zeit! Man hätte schon damals hellhörig werden müssen, als seine Nachricht an Benjamin von Stuckrad-Barre publik wurde. Darin schwärmte er, dass der ehemalige »Bild«-Chefredakteur Julian Reichelt »der letzte und einzige Journalist in Deutschland (sei), der noch mutig gegen den neuen DDR-Obrigkeitsstaat aufbegehrt. Fast alle anderen sind zu Propaganda-Assistenten geworden«. Auch damals war das Ironie!

Wer sich ein bisschen mit Humor auskennt, dem ist das sofort klar. Denn über Julian Reichelt kann man sicherlich einiges denken. Man kann sich vorstellen, dass er immer ein bisschen Kokain dabei hat und damit spendabel umgeht. Man kann sich vorstellen, dass Reichelt mit einem gefälschten Ehedokument in der Hand versucht, die großbusigste Mitarbeiterin der Axel Springer SE ins Bett zu locken. Man kann sich vorstellen, dass er die Frau zwingt, direkt von seiner bebuschten Männerbrust zu ziehen. Aber Reichelt als letzter Kämpfer gegen Diktatur und Zensur? Das kann Döpfner niemals ernst gemeint haben.

Schon Reichelts Ernennung zum »Bild«-Chefredakteur war pure Ironie. Mathias Döpfner muss heute noch lachen, wenn er daran denkt. Gut, es ist die »Bild«, da ist eh alles egal. Da werden Alkoholiker dafür bezahlt, dass sie sich als Hauskolumnisten in aller Öffentlichkeit lächerlich machen. Aber das mit Reichelt war dann doch eine ganz neue Nummer!

Wie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus der Wäsche guckten, als er diesen Choleriker als Chef der »Bild« präsentierte! Diesen Testosteron-Junkie mit dem überkompensierten Minderwertigkeitskomplex – es war einfach zu köstlich! Man hätte das nur noch toppen können, indem man den Trigema-Schimpansen in das Chefbüro des Axel-Springer-Hochhauses gesetzt hätte, aber der Grupp wollte leider zu viel Geld. Diese enormen Ausgaben konnte Döpfner Friede Springer, die übrigens auch kein Kind von Traurigkeit ist, damals leider nicht vermitteln.

Aber der Spaß war ja trotzdem gelungen. Nur die humorlosen Deutschen haben ihn mal wieder nicht kapiert. Wir sollten also alle dafür beten, dass Mathias Döpfner noch lange Vorstandschef der Axel Springer SE bleibt, damit er noch viele weitere Kostproben seiner feinen Ironie zum Besten geben kann. Auch wenn er selbstverständlich missverstanden werden wird.

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