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Generation Lehrkräftemangel

In den Berliner Schulen mangelt es an Lehrkräften. Das Bildungsbündnis »Schule muss anders« fordert eine schnelle Ausbildungsoffensive

Die Warnungen des ehemaligen Kreuzberger Lehrers Philipp Dehne klingen ernst. »Wir steuern mit Vollgas auf eine Bildungskrise zu«, sagt der Mitinitiator von »Schule muss anders« am Dienstag im Hedwig-Dohm-Haus der Berliner Humboldt-Universität. Das bildungspolitische Bündnis, dem auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) angehört, befürchtet desaströse Zustände in den kommenden Jahren.

Schon jetzt seien die Auswirkungen einer verfehlten Bildungspolitik zu spüren, berichtet Dehne: »Es kommen Eltern zu mir, die mich fragen, ob wir nicht so etwas machen wollen wie Fridays for Education.« Zum Lehrkräftemangel an Berlins Schulen, sagt Dehne: »Ich will nicht über ein paar Hundert streiten, aber es fehlen inzwischen über 1000 Lehrkräfte.«

Das Problem: Es kommen nicht genügend neu ausgebildete Lehrer*innen dazu. Der Blick auf die Ausbildungszahlen der Berliner Hochschulen ist alles andere als zufriedenstellend: Seit acht Jahren gelingt es den Universitäten der Hauptstadt nicht, mit Blick auf die Lehrkräfteausbildung die in den Hochschulverträgen verankerte Zielzahl zu erreichen. Eigentlich sollten sich die jährlichen Abschlusszahlen zwischen 2018 und 2022 kontinuierlich auf 2000 Absolvent*innen erhöhen. Tatsächlich, so »Schule muss anders«, verharre der Wert seit Jahren jedoch bei rund 900 Ausgebildeten. Eigentlich nötig wären aus Sicht der Initiative sogar 3000 frisch ausgebildete Lehrkräfte.

Um die Ausbildungszahlen nach oben zu treiben, pocht das Bündnis auf eine Sonderfinanzierung der Lehrkräftebildung. Zudem müssten die in den Haushaltsverhandlungen für 2022/2023 durchgesetzten zusätzlichen 17 Millionen Euro für die Lehrkräftebildung verstetigt werden. Bisher könnten Universitäten lediglich bis Ende 2023 mit dem Geld planen, ohne genug Zeit zu haben, zusätzliches Personal einzustellen. Zweistellige Millionenbeträge drohen laut »Schule muss anders« zu verpuffen.

Damit die Hochschulen Gelder zweckgebunden einsetzen, sollen zusätzliche Anreize für das Erreichen der Ziele geschaffen, aber auch Strafen in Aussicht gestellt werden. »Die Erfahrung zeigt, dass es ganz ohne Sanktionen nicht funktioniert«, sagt Laura Haßler vom Berliner GEW-Vorstand. Bei den nun beginnenden Verhandlungen zu den nächsten Hochschulverträgen, die nach Verlängerung der bestehenden Regelungen erst 2024 greifen werden, reichten »Kleckerlösungen« nicht aus.

Für die Gespräche fordert »Schule muss anders« mehr Transparenz als in der Vergangenheit: einen Zeitplan, Zwischenstandsberichte, eine öffentliche Diskussion mit den zuständigen Senatsverwaltungen für Wissenschaft, Finanzen und Bildung. Die Hochschulverträge seien die letzte Chance, zu verhindern, dass der Lehrkräftemangel eine gesamte Generation von Schüler*innen begleitet.

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