Sonne, Strand und Safari

Neues Winterreiseziel in Afrika: Seit Anfang November gibt es Direktflüge in den Senegal

Auf Safari in der Löwenaufzuchtstation »Ranch de Bandia Wildlife Park«
Auf Safari in der Löwenaufzuchtstation »Ranch de Bandia Wildlife Park«

Senegal nahm bisher auf der Liste der beliebtesten Urlaubsländer der Europäer keinen Spitzenplatz ein. Das könnte sich bald ändern. Das westafrikanische Land mit 500 Kilometern Atlantikküste und angenehmem Klima ist ideal für Sonnenliebhaber mit Lust auf Spaziergänge an ellenlangen Stränden und für Entdecker mit Interesse an Land und Leuten. Die ausgesprochen gastfreundliche Bevölkerung sieht im Tourismus eine gute und noch ausbaufähige Chance für neue Einnahmequellen.

Bisher war der Senegal eher das Ziel weniger abenteuerlustiger Individualtouristen. In den vergangenen Jahren war es schon schwierig, einen bequemen Flug nach Dakar zu buchen; ab November 2022 gibt es jetzt pro Woche zwei Direktflüge ab Düsseldorf. Mit der Eröffnung des Strandhotels »Riu Baobab« in Pointe Saréne sprang Senegal als preiswertes Pauschalreiseziel im Top-Ten-Ranking der Lieblingsziele im Winter bei der Tui auf Anhieb auf Platz neun und ist der Geheimtipp für den Winter mit Sonnengarantie und Temperaturen zwischen 23 und 30 Grad.

Omar Ngom aus dem Fischerdorf Pointe Saréne geht so oft wie möglich am breiten Strand vor seinem Heimatdorf entlang. Die Frage »Woher kommst du?« beherrscht er in vielen Sprachen, denn so beginnt er freundlich und unaufdringlich jedes Gespräch mit Spaziergängern vor dem Baobab-Hotel, das im Mai dieses Jahres in direkter Nachbarschaft zu seinem Dorf eröffnet wurde.

Schon als am rund 500 Meter langen Strandabschnitt nur eine Baugrube zu sehen war, ahnte er seine neuen beruflichen Möglichkeiten als Tourismus-Guide: »Vor allem für uns junge Leute ist das Hotel eine Chance, in unserem Dorf zu bleiben und nicht Arbeit in Dakar suchen zu müssen. Viele haben im Hotel einen Job gefunden, andere schnitzen unsere traditionellen Masken und verkaufen sie auf dem Markt an die Urlauber. Ich selbst biete geführte Touren zum Rosa See, ins Bandia-Wildreservat und zu den Muschelinseln an.«

Besonders legt Omar seinen potenziellen Kunden im Gespräch den Besuch der Löwen-Aufzuchtstation im »Ranch de Bandia Wildlife Park« ans Herz: »So nah wart ihr den Löwen noch nie«, verspricht er. Und er hat recht. Es ist eine Löwensafari der besonderen Art, die auf den ersten Blick etwas befremdlich wirkt, denn der Geländewagen wurde zu einem Käfig auf Rädern umgebaut. Wenn er durch das Tor in den Löwenpark rollt, dauert es nicht lange, bis sich das erste Löwenpärchen zeigt. Ganz gelassen nähern sich die beiden dem Fahrzeug. Sie sind diese Art der Fütterung gewohnt, denn vom Jagen allein würden sie wegen des Mangels an Wildtieren nicht satt.

Die Löwen sind ein Import aus Südafrika und sollen sich hier vor allem vermehren, denn in Westafrika sind die Löwen rar geworden. Dazu trugen Wilderei, Trophäenjagd und Zersiedlung der Landschaft über Jahrhunderte bei. Der wenig ausgeprägte Safari-Tourismus gab den Wildtieren auch nicht den Stellenwert, den sie in Ost- und Südafrika haben.

Der Guide im Fahrerhaus hat einen Eimer voll frischem Rindfleisch dabei. Das erste Stück fliegt in hohem Bogen durch die Luft und landet auf dem Käfigdach. Mit zwei kühnen Sätzen und kurzem Stopp auf der Kühlerhaube springt der Löwe hinterher, schnappt sich das Fleisch und macht es sich beim Fressen auf dem Käfigdach gemütlich. Bald rutscht der erste abgenagte Knochen durch das stabile Gitter auf die Sitzplätze darunter. Während die einen Safarigäste erschreckt juchzen, kraulen andere den so ausgestreckt riesig wirkenden Löwen mutig am Bauch. Es scheint ihm zu gefallen, während sich die im Käfig gefangenen Menschen nicht sicher sind, ob ihnen diese Art von Safari behagt.

Die Löwen-Aufzuchtstation gehört zum 16 Hektar großen Bandia-Wildreservat mit 6000 Tieren. Dort geht es in offenen Jeeps auch auf klassische Safari, bei der die Begegnung mit Nashörnern, Büffeln, Giraffen, Zebras, Gazellen, Pavianen und exotischen Vögeln, wie zum Beispiel dem Langschwanz-Glanzstar, garantiert ist. Zu den Big Five fehlen nur Elefanten und Leoparden. Das aber machen die bis zu 25 Meter hohen, mächtigen Affenbrotbäume wett, die Baobabs, die in Senegal überall in der Landschaft Wurzeln geschlagen haben. Als wahre Riesen breiten sie ihre Äste über dem dicken Stamm in alle Himmelsrichtungen aus und haben durchaus etwas Majestätisches an sich.

Gleichberechtigt mit dem Löwen ziert der Baobab als Nationalbaum die zweite Hälfte des Wappens von Senegal. Und ihm werden wahre Wunderkräfte nachgesagt: Als heiliger Lebensbaum gilt er in jedem Dorf als Symbol für Gesundheit und Wohlbefinden und ist als Treffpunkt für Gespräche und Handel nicht wegzudenken. Die traditionelle afrikanische Medizin nutzt fast jeden Teil des Baobab, zum Beispiel die Blätter bei Magen- und Darmbeschwerden, die Samen bei Zahnschmerzen und Malaria. Die ovalen Früchte mit besonders vielen Samen gelten mit ihrem hohen Gehalt an Nährstoffen und jeder Menge Vitamin C mittlerweile auch in unseren Breiten als Superfood.

Ein viele Jahrhunderte alter Baobab steht auch im Heimatort von Touristenführer Roland Mannel auf der Île de Fadiouth. Die Insel ist mit einer 800 Meter langen Holzbrücke mit der Küstenstadt Joal-Fadiouth verbunden und in mehrfacher Hinsicht besonders. Die 15 Hektar große Insel entstand, als vor mehr als 1500 Jahren damit begonnen wurde, große Mengen von Muschelschalen in das flache Wasser der Mamanguedj-Lagune zu werfen. Auf zwei weiteren kleinen Muschelinseln befinden sich der Friedhof und die Hirsespeicher. Drei Meter tief ist die Schicht aus Muscheln und Sand auf den Wegen, die über die Insel führen – ein Straßenbelag, gemacht für die Ewigkeit.

Auf das Zusammenleben von Christen und Muslimen ist Roland Mannel besonders stolz: »Muslime und Christen leben hier sehr bewusst in Frieden zusammen. Wir helfen einander, begehen gemeinsam unsere Feiertage, und es kommt auch schon vor, dass ein Muslim eine Christin heiratet oder umgekehrt. Wir sind ein Beispiel dafür, dass verschiedene Religionen gut miteinander auskommen können, ohne sich zu bevormunden.«

Leopold Sedar Senghor, 1960 erster Präsident im unabhängigen Senegal, Dichter und Katholik, legte mit seiner Politik den Grundstein für das gute Miteinander der verschiedenen Glaubensrichtungen, das bis heute in dem Staat, in dem rund 95 Prozent der Menschen dem Islam angehören, anhält. Sein Geburtshaus in Joal-Fadiouth ist heute ein Museum.

Das angenehmste Klima beschert die Trockenzeit zwischen November und Juni. Dies ist auch die beste Zeit für eine Jeep-Safari zum Retba-See, der dann je nach Zeitpunkt und Sonneneinstrahlung intensiv rosa leuchtet und deshalb auch als Rosa See bezeichnet wird. Dafür sorgt die Beta-Carotin-Produktion der Alge Dunaliella salina. Der Salzgehalt des Sees liegt mit 39 Prozent um 6 Prozent höher als der des Toten Meeres.

Der industrielle Abbau des Salzes aus dem See ist nicht gestattet. Deshalb holen Männer und Frauen mit klarer Rollenverteilung das Salz aus dem See: Die Männer staken mit Kähnen übers flache Wasser, schaben das Salz vom Grund und bringen es ans Ufer. Die Frauen tragen es von dort in Bottichen auf dem Kopf zur Straße, wo das Salz für den Abtransport aufgehäuft wird. Ein gefüllter Bottich wiegt rund 30 Kilogramm. Verwendet wird das Salz hauptsächlich für die Konservierung von Fisch und als Würze traditioneller Gerichte.

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