Lasst mich in Ruh’

Puma, Marder oder Leopard? Ein Besuch im Raubtier-Zoo der Bundeswehr

  • Karlen Vesper
  • Lesedauer: 2 Min.
Panzer-Debatte: Lasst mich in Ruh’

»Uns’re täglich Waffenkunde gib uns heute.« Kein Tag vergeht, an dem wir nicht neueste Militärtechnik medial vorgeführt bekommen. Wir kennen uns mittlerweile bestens aus im Raubtierzoo der Bundeswehr. Wir wissen, warum der Puma bockt, der Leopard noch nicht sprungbereit ist und der Marder weltweit beliebt. Sturmgewehre können wir theoretisch im Schlaf zerlegen, auch Haubitzen bedienen und Kampfjets fliegen. So viel Wehrertüchtigung konnten sich die Deutschen seit langem nicht mehr erfreuen. Die DDR, gern der Militarisierung der Gesellschaft bezichtigt, war ein Waisenknabe im Vergleich zur kollektiven Debatte heute in der Bundesrepublik über präventive, defensive und offensive Waffen, nebst exzessiv ausgelebten Sandkastenspielen. Vom Kleinkind bis zum Greis, alle machen mit. Natürlich gibt es immer wieder Quertreiber, die den Ernst der Lage und der Lagen nicht begreifen, auf Twitter und Instagram Aufnahmen von sich im Schnee wälzenden oder auf Beute lauernden Leoparden posten. Ein Witzbold missbraucht gar einen Edeka-Werbespot, um mit »Supergeil«, »Super Gepard« und »Super Iris« querzuschießen; für Nicht-Fernsehkieker: Iris meint hier nicht das Auge von Big Brother, sondern ein Flugabwehrsystem. Und wie soll man werten, dass der Militärexperte eines privaten Nachrichtensenders den modernsten deutschen Kampfpanzer vor Leopardentapete lobpreist? Nun, vielleicht hat die Redaktion ihn mit ihrem Anruf zur morgendlichen Stunde noch im Bordell überrascht. Leopardmuster sollen Standard in solchen Etablissements sein. Wer weiß. Aber was meint zu alldem der schläfrige Geselle im Baum? »Mensch, lass mich in Ruh’. Ich will einfach nur abchillen.« ves

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