Versuchter Femizid vor Gericht

Robert H. soll versucht haben, seine Ex-­Frau zu ermorden. Nun beginnt das Verfahren um einen extremen Fall geschlechtsspezifischer Gewalt.

  • Nora Noll
  • Lesedauer: 3 Min.
Alle drei Wochen stirbt in Berlin eine Frau durch einen Femizid. Der Fall von Zohra G. aus Afghanistan sorgte für besondere Aufmerksamkeit und eine Demonstration gegen Gewalt an Frauen.
Alle drei Wochen stirbt in Berlin eine Frau durch einen Femizid. Der Fall von Zohra G. aus Afghanistan sorgte für besondere Aufmerksamkeit und eine Demonstration gegen Gewalt an Frauen.

Kathrin H. hat sich gewehrt – und überlebt. Ihr Angreifer und Ex-Mann Robert H. muss sich seit Dienstag wegen versuchten Mordes und schwerer Körperverletzung vor dem Berliner Strafgericht in Moabit verantworten. Ihm wird vorgeworfen, am 31. Juli 2022 seine Ex-Frau in seine Wohnung in Reinickendorf gelockt zu haben, um sie dort umzubringen.

Die Staatsanwaltschaft unterstellt dem Tatverdächtigen in der Anklage einen »monatelang detailreich ausgefeilten Plan«. Der 35-jährige Bauingenieur soll seine Ex-Frau nach einem gemeinsamen Abendessen überredet haben, mit in seine Wohnung zu kommen – angeblich, weil er ihre Hilfe bei Arbeiten im Badezimmer benötige. Dort angekommen soll er Kathrin H. mit einem langen Küchenmesser attackiert haben, »wobei es ihm darauf angekommen sei, sie zu töten.« Doch Kathrin H. wehrt sich. Rund 90 Minuten lang soll sie um ihr Leben gekämpft haben, bis sie es schafft, den Notruf zu wählen. Die Einsatzkräfte finden sie mit lebensgefährlichen Verletzungen auf.

Durchschnittlich alle drei Wochen wird eine Frau in Berlin Opfer eines Femizides. Laut Gesundheitsverwaltung wurden 2019 18 Frauen von Partnern, Ex-Partnern oder anderen Familienangehörigen umgebracht. 2020 waren es 20, 2021 wieder 18. »Die Tötung einer Frau als Hassverbrechen und als extreme Manifestation männlicher Dominanz und Sexismus«, so beschreibt der Berliner Senat diese tödliche Form geschlechtsspezifischer Gewalt.

Wenn Frauen eine gewaltvolle Beziehung beenden, ist das Risiko eines Femizides besonders hoch. Das erklärt Asha Hedayati, Familienrechtsanwältin in Berlin. Sie vertritt vor allem Frauen, die von Partnerschaftsgewalt betroffen waren oder sind. Den Tätern gehe es um Macht. »Wenn die Frauen in Gewaltbeziehungen sich emanzipieren und beispielsweise eine Ausbildung beginnen oder eigene Freundinnen treffen, kommt es zur Eskalation. Die Trennung ist der Höhepunkt dieses Emanzipationsprozesses und damit auch ein Hochrisikofaktor für Femizide.«

In diesem Fall soll Robert H. laut Anklage mit seiner geschiedenen Ehefrau einen »Familienstreit« geführt haben. Möglicherweise sei es um die gemeinsame Tochter gegangen. Die »B.Z.« hatte bereits im Sommer von einem Sorgerechtsstreit als möglichem Motiv berichtet.

Liebe und Sorge für das gemeinsame Kind könnten nicht einen hinterhältigen Mordversuch an der Kindsmutter erklären, betont Hedayati. Aus ihrer Berufserfahrung weiß sie, dass gewalttätige Männer nicht selten nach einer Trennung einen Sorgerechtsstreit beginnen. »Das soll wieder Macht und Kontrolle über die Frau herstellen, so jedenfalls die typische Dynamik in meinen Fällen, wenn es um toxische Beziehungsgewalt geht.« Mit dpa

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