Lars Klingbeil: Plötzlich Working Class Hero

Pauline Jäckels zu Klingbeils Mindestlohnforderung

  • Pauline Jäckels
  • Lesedauer: 2 Min.

Nachdem sich die Mindestlohnkommission letzte Woche für eine Erhöhung des gesetzlichen Minimallohns von ganzen 41 Cent aussprach, stellt sich der SPD-Parteivorsitzende Lars Klingbeil jetzt heroisch hinter die ausgebeutete Arbeiterklasse, indem er verspricht: Ab jetzt setzt sich seine Partei für 14 Euro ein! Und reiche Menschen will er auch noch höher besteuern. Besinnt sich der SPD-Parteiliebling jetzt etwa in einer Art Midlifecrisis auf seine rebellische Jugend zurück, in der er nicht nur als Sänger in einer Rockband, sondern auch als Antifa-Mitglied gegen das System ankämpfte?

Natürlich ist eine Erhöhung auf 14 Euro ganz dringend nötig. Denn die läppischen 41 Cent der Kommission würden aufgrund der Inflation immer noch einen realen Lohnverlust für Arbeitende bedeuten. Mal wieder werden diese ausgebeutet und unter-entlohnt in ihrer Armut sitzengelassen.

»Armutsschutz« sei sowieso »nicht Aufgabe der Kommission«, verteidigte deren Vorsitzende Christiane Schönefeld die Entscheidung. Nur wurde das Gremium bei seiner Gründung 2015 gesetzlich beauftragt, »die Auswirkungen des Mindestlohns auf den Schutz der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu bewerten.« Zum Glück nimmt sich jetzt aber Lars dieser wichtigen Aufgabe an! Oder?

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Wer sich etwas mit der Kommission befasst, muss feststellen: Unter dem Vorsitz Schönefelds wird es auch in Zukunft erst mal keine signifikante Erhöhung geben. Nein, Klingbeil ist wohl nicht über Nacht zum neuen Helden der Arbeiterklasse geworden. Viel eher will er wahrscheinlich kurzfristig das eigene, eher konservative Image aufpolieren und das soziale Profil der SPD zumindest nach außen hin stärken – im sicheren Wissen, dass es zu 14 Euro vorerst sowieso nicht mehr kommt.

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