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BVB gegen Freiburg: Späte Dortmunder Erlösung durch Mats Hummels

Borussia Dortmund wähnt sich nach dem 4:2-Sieg in Freiburg rehabilitiert

  • Christoph Ruf
  • Lesedauer: 4 Min.
Heilsbringer Mats Hummels (l.) traf beim Dortmunder Auswärtssieg gleich zweimal.
Heilsbringer Mats Hummels (l.) traf beim Dortmunder Auswärtssieg gleich zweimal.

Ein »2:4« stand am Ende auf der Anzeigetafel, unter der sich die Dortmunder Spieler nach dem Sieg in Freiburg von ihren Fans feiern ließen. 4:2, das klingt deutlich. Doch es täuschte am späten Samstagnachmittag ein wenig darüber hinweg, dass noch wenige Minuten vor Schluss wohl jeder Zuschauer den Eindruck hatte, dass da zwei Mannschaften auf dem Rasen standen, die wohl eigentlich mit einer Punkteteilung zufrieden gewesen wären. Für die Freiburger, die sich durch eine rote Karte nach herbem Foul von Nicolas Höfler an Marius Wolf selbst reduziert hatten, galt das allemal. Aber auch der BVB machte keine Anstalten, mit aller Macht auf den Sieg zu drängen.

Das musste er auch gar nicht, denn Freiburg übernahm den Dortmunder Job gerne und besiegte sich in der Schlussphase selber, indem es den Gästen noch zwei Tore durch Marco Reus und Mats Hummels schenkte. Zuvor hatten Hummels mit seinem ersten Tor und Donyell Malen für Dortmund getroffen. »Es gibt nicht viele Mannschaften, die hier gewinnen können und Rückstände aufholen«, sagte deshalb auch ein gelöster Trainer Edin Terzić, dessen Team das bereits in der Vorsaison an gleicher Stelle gelungen war. Und selbstverständlich vergaß Terzić auch nicht, den Doppel-Torschützen Mats Hummels zu preisen: »Es hilft, jemanden auf dem Platz zu haben, der schon alles erlebt hat. Er ist auch jemand, der für fünf, sechs Tore die Saison gut ist.« Das ist im Übrigen statistisch belegt: Hummels zählt seit letztem Wochenende zu den sechs Spielern, die in 16 aufeinanderfolgenden Bundesligajahren mindestens ein Tor erzielt haben. Hummels selbst hat derweil offenbar das Gefühl, schon alles gesagt zu haben. Für Journalisten war er am Samstag jedenfalls erneut nicht zu sprechen. Sportdirektor Sebastian Kehl, der seine Bundesligakarriere als Spieler im Jahr 2000 ja in Freiburg begonnen hatte, war aber zufrieden: »Gegen einen solch starken Gegner musst du erst mal bestehen. Die Mannschaft ist noch nicht bei 100 Prozent, aber ich finde, dass wir einen großen Schritt nach vorne gemacht haben.«

Dabei sahen die Zuschauer im spätsommerlichen Freiburger Westen ein Spiel zwischen zwei angeschlagenen Mannschaften. Dortmund merkte man die Verunsicherung nach den zwei Remis gegen Bochum und Heidenheim an, Freiburg die jüngste 0:5-Pleite beim VfB Stuttgart. Bei der hatte SC-Trainer Christian Streich offenbar Vincenzo Grifo als eines der Gesichter der Niederlage im Schwäbischen ausgemacht – der Italiener saß zunächst auf der Bank. Das allerdings nur knapp eine halbe Stunde. Dann musste Michael Gregoritsch vom Feld, Grifo kam und bereitete kurz vor der Halbzeit prompt die beiden Freiburger Kopfballtore vor. Das Spiel schien gedreht. Und das, weil der BVB nach der frühen Führung das Tempo herausnahm und Freiburg erst richtig ins Spiel brachte. Dass sein Team in dieser Phase dermaßen abwartend spielte, war so allerdings nicht geplant, betonte Terzić: »Was mir nicht gefällt, ist, dass wir nach der frühen Führung nicht die Kontrolle hochhalten konnten. Bei den Gegentoren haben wir zwei Mal geschlafen.«

Diese Dinge blieben aus Dortmunder Sicht jedoch Randnotizen, denn nach dem Dortmunder Ausgleich folgten jene zehn Minuten, die das Spiel zugunsten des BVB entschieden. Nach der roten Karte für Höfler brachen bei Freiburg alle Dämme – und dahinter steht in dieser Saison ein junger Torwart, dem man keinen Gefallen getan hat, als man ihn schon vorm ersten Bundesligaspiel als künftigen Nationalspieler angekündigt hat. Beim Dortmunder 3:2, dem zweiten Treffer von Hummels, wirkte Noah Atubolu nicht zum ersten Mal in dieser Saison hilflos. Bei einer weiteren Strafraumaktion kurz darauf ebenfalls, ehe beim 4:2 durch Marco Reus die komplette Freiburger Defensive die Arbeit einstellte. All das war dann auch tatsächlich Grund genug für Christian Streich, schon mal zu unken, man stehe wohl vor einer »knallharten Saison«, wenn man auf miserable Spiele wie gegen Stuttgart Spiele folgen lasse, in denen man unverdient, aber aufgrund eigener Fehler verliere. Der BVB hingegen steht erst einmal vor einem schweren Auswärtsspiel. Am Dienstag geht es in der Champions League auswärts gegen Paris St. Germain.

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