Apples grüner Anstrich: Neue Strategie begleitet das iPhone 15

Mit jeder neuen iPhone-Generation kämpft Apple erneut um den Erhalt seiner Marktanteile. Nachhaltig ist das nicht

Wenn man sich in der Tech-Branche in der jüngeren Vergangenheit auf eines verlassen konnte, dann war es die Gewissheit, dass kaum ein Jahr ohne die Präsentation eines neuen iPhones vergehen würde. Dieses Versprechen hat Apple auch im 15. Jahr seit Erscheinen seines ersten Smartphone-Modells im Jahr 2007 wahr gemacht. Seit heute steht das neue Modell offiziell zum Verkauf.

Lange Zeit kannte man bei dem kalifornischen Unternehmen nur eine Maxime: Größer, schneller, besser – und oftmals auch teurer. Doch was in den Anfangsjahren noch einer wahrhaft revolutionären Umwälzung auf dem Markt der Mobilfunktelefone gleichkam, entwickelte sich nach und nach nur mehr zu einem Abklatsch des immer Gleichen. Wirft man einen Blick auf die iPhone-Verkaufszahlen der letzten Jahre, fällt auf, dass diese bis 2015 kontinuierlich gestiegen sind. Seitdem stagnieren die Zahlen. Mit weltweit jeweils etwas über 238 Millionen verkauften Exemplaren in den vergangenen beiden Jahren sichert sich der Konzern einen relativ konstanten Marktanteil von rund 15 Prozent. Weshalb das iPhone Vorzeigeprodukt und Zugpferd des Konzerns zugleich bleibt, zeigt ein weiterer Blick in die Statistiken: Allein seit seiner Markteinführung hat sich Apples Jahresumsatz mehr als verzehnfacht.

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Lifestyle-Produkt statt Gebrauchsgegenstand

Im Zuge der rasanten Verbreitung des Smartphones und der schier endlos scheinenden technischen Weiterentwicklung blieb selbstverständlich auch die Konkurrenz nicht stehen und sicherte sich mit einer Modellschwemme seinen eigenen Teil auf dem umkämpften Markt. Das Ergebnis: Schätzungen der Online-Plattform Statista zufolge waren im vergangenen Jahr rund 4,7 Milliarden Menschen auf der Welt im Besitz eines Smartphones. Laut einer Studie des Kreditversicherers Euler Hermes könnte der einst verbreitete schnelle Telefonwechsel jedoch allmählich der Vergangenheit angehören. Demnach hätten Verbraucher*innen in Europa im vergangenen Jahr im Durchschnitt nach etwa 40 Monaten ihr Gerät gegen ein neues getauscht – was einer längeren Nutzungsdauer von etwa einem Viertel im Vergleich zu 2016 entspricht. In den Vereinigten Staaten werde zwar noch immer nach durchschnittlich 24 Monaten das Modell gewechselt, dennoch war auch dort für den selben Zeitraum eine längere Nutzungsdauer von 30 Prozent zu verzeichnen.

Bei Apple hat man von Anfang an verstanden, das eigene Produkt weniger als praktischen Gebrauchsgegenstand denn als ein Lifestyle-Produkt mit Statussymbolcharakter zu vermarkten. Telefonieren, Nachrichten schicken und Fotos schießen kann man mit den Produkten der Konkurrenz ebenfalls. Aber ein iPhone ist mehr als das. Es kommt mit dem Versprechen daher, durch den Erwerb Teil etwas Exklusivem zu werden. Befördert wird diese Strategie durch eine Art künstlicher Verknappung, Updates für das konzerneigene Betriebssystem iOS werden in der Regel nicht länger als für einen Zeitraum von sechs Jahren bereitgestellt.

Das iPhone als künftiger Konsolenersatz

Und dennoch brachte bereits das Vorgängermodell wenig Innovatives mit sich. Während das iPhone 13 noch mit mehr Speicherplatz, längerer Akkulaufzeit und besserer Kameratechnologie aufwarten konnte, zeichnete sich die nächste Generation durch keinerlei nennenswerten Neuerungen aus. Um dem Trend etwas entgegenzusetzen und zumindest seine Marktanteile zu verteidigen, scheint Apple seine Strategie mit dem neuesten Modell anzupassen. Zum einen wird das Telefon nach Angaben des Konzerns durch den Verbau des neuen Chips A17 Pro noch leistungsstärker, sodass darauf künftig sogar Videospiele in Konsolenqualität laufen würden. Die Idee dahinter: Nutzer*innen könnten das Spiel auf dem Smartphone starten, es mit einem externen Bildschirm verbinden und sich damit den Kauf einer gesonderten Konsole ersparen.

Zum anderen verpasst sich Apple immer mehr ein grünes Image. So hat sich der Konzern etwa dem Ziel verschrieben, einschließlich der Lieferketten bis zum Jahr 2030 seine Treibhausgasemissionen auf null reduzieren und nur noch Energie aus erneuerbaren Quellen beziehen zu wollen. Eigenen Angaben zufolge werde bei der Produktion eines iPhone 14 – je nach Ausstattung des Modells – zwischen 61 und 124 Kilogramm CO2 freigesetzt. Zum Vergleich: Beim als besonders langlebig geltenden Fairphone fallen laut Hersteller für das aktuelle Modell 43 Kilogramm CO2 an. Sollte Apple an seinem bisherigen Veröffentlichungszyklus festhalten und auch künftig jährlich neue Modelle auf den Markt bringen, erscheint allerdings wenig nachvollziehbar, was an diesem Geschäftsmodell nachhaltig sein soll. Der Vorwurf des sogenannten Greenwashings begleitet den Konzern nicht erst seit gestern. Daran dürften auch jüngste Ankündigungen, wie etwa der Verzicht von Lederarmbändern bei der hauseigenen Uhr Apple-Watch sowie die Reduzierung von Plastikverpackungen, wenig ändern.

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