Harald Christ: Politischer Einfluss zum Spottpreis

Der ehemalige FDP-Schatzmeister Harald Christ erkauft sich mutmaßlich Zugang zur Bundesregierung

  • Pauline Jäckels
  • Lesedauer: 2 Min.

Kaum ein Lobbyist trifft sich so häufig mit Mitgliedern der deutschen Bundesregierung wie Harald Christ. Einst besaß der Großunternehmer sogar das rote Parteibuch, dann wechselte er zur FDP, für die er als Schatzmeister bis April 2022 »Millionen eintrieb«, wie er auf der eigenen Website prahlt. Heute ist Christ Inhaber und Geschäftsführer seiner eigenen Lobbyfirma »Christ & Company«, die sich auf Interessenvertretung für die Baubranche spezialisiert hat.

Stolze 23 Mal traf sich der Lobbyist seit April 2022 mit namhaften Mitgliedern der Regierung, darunter die SPD-Bauministerin Klara Geywitz, der FDP-Justizminister Marco Buschmann und nicht zuletzt der Kanzler höchst persönlich. Auch etliche Staatssekretäre durften Christ näher kennen lernen.

»Offenkundig erkauft sich Herr Christ systematisch Zugang zu den höchsten Regierungskreisen«, empörte sich Pascal Meiser gegenüber dem »nd«. Tatsächlich ist die Annahme des Linkspolitikers nicht völlig abwegig, denn allein im Juni 2023 spendete Christs Lobbyfirma mehr als 200 000 Euro an Regierungsparteien, wie aus einer Auflistung von Großspenden auf der Website des Bundestages hervorgeht: 100 000 Euro an die FDP und jeweils 51 000 Euro an SPD, Grüne und CDU.

Besonders dreist sei es, dies als Dienst an der Demokratie zu verkaufen, so Meiser in Bezug auf ein Statement des Lobbyisten. Dabei schadeten die Annahmen von Spenden durch Grüne, FDP und SPD der Demokratie.

Und auch sonst hängt Harald Christ scheinbar nur mit Hochkarätern ab. Seine weitläufige Altbauwohnung auf dem Berliner Kurfürstendamm fungiere als Treffpunkt für Toppolitiker, Wirtschaftsgrößen, hochrangige Manager der Schwarz-Gruppe oder den Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing». Da kann man nur froh sein, selbst kein Lobbyist zu sein. Sonst müsste man solche schmierigen Typen auch noch ins eigene Wohnzimmer lassen.

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