• Berlin
  • Ausstellung zum Klimawandel

Schlosspark Sanssouci: Totholz, Blühstress, Notfällungen

Freiluftausstellung zum Umgang mit dem Klimawandel im Potsdamer Schlosspark Sanssouci

  • Matthias Krauß
  • Lesedauer: 4 Min.

An Vorführeffekten leiden mitunter auch Ausstellungseröffnungen. Es war weder heiß noch trocken in Potsdam, es war vielmehr kalt und leicht regnerisch, als am Montag im berühmten Potsdamer Schlosspark Sanssouci eine neue Dauerausstellung vorgestellt wurde. Der April zeigte sich bei dieser Gelegenheit mit Wind und wechselhaftem Wetter von seiner quasi vorschriftsmäßigen Seite und die Fauna in der Umgebung des Chinesischen Teehäuschens glänzte in sattem Frühlingsgrün.

Damit man das, was gerade zu sehen sei, nicht in absehbarer Zeit verliere, werde die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten (SPSG) in wenigen Tagen mit ihrem großen Jahresprojekt beginnen, kündigte Generaldirektor Christoph Martin Vogtherr an. Denn dem positiven äußeren Anschein zum Trotz: »Es geht den Gärten nicht gut.« Inzwischen seien 80 Prozent aller Bäume im Park Sanssouci geschädigt. Statt 30 bis 40 Bäume müssten 160 bis 300 pro Jahr gefällt werden, weil sie nicht mehr zu retten seien. »Man könnte leicht verzweifeln.« Die neue Ausstellung, bei der an verschiedenen Orten im Park das Thema Klimawandel und Gehölzschutz mit Besuchern verhandelt werden soll, will die Misere benennen, aber auch Wege heraus skizzieren. Mit der Entwicklung des dazugehörenden Ausstellungsprogramms sei die Firma »Ohne Furcht und Tadel« beauftragt worden. Der Generaldirektor verkündete die Einrichtung einer Baumschule am Ruinenberg als »zentralen Baustein« für die Neuanpflanzung widerstandsfähiger Baumarten, also einen aussichtsreichen Umgang mit den klimatischen Veränderungen.

In der Freiluftausstellung wird auf Probleme hingewiesen und auf Schäden aufmerksam gemacht. Gleichzeitig werden Stategien und Fortschritte im Umgang mit den Auswirkungen des Klimawandels vorgestellt. An 30 Stationen sollen Themen wie Wasser, Baumleben und Baumsterben behandelt werden. Unweit des Chinesischen Teehauses ist eine Art Dauerbühne errichtet worden, wo es Getränke und Informationen gibt. Es wird auch spezielle Führungen geben. Bei einem Rundgang über den Ruinenberg und in zentrale Bereiche des Gartens lernen die Teilnehmenden an konkreten Beispielen die Auswirkungen der Klimaveränderungen und den Umgang damit kennen.

Die stark geschädigten Bäume müssen gefällt werden, weil sie absterben. Es ist der öffentliche Auftrag der Stiftung, die Gärten auch in ihrer formalen Gestaltung architektonisch und landschaftlich als wichtiges Kulturerbe zu bewahren. Allein die Kosten für die Baumpflege haben sich nach Angaben der Verantwortlichen innerhalb der vergangenen Jahre verdoppelt.

Klimawandel sei nicht nur Trockenheit, obwohl sie hierzulande oft damit gleichgesetzt werde, sagte Brandenburgs Umweltminister Axel Vogel (Grüne). Charakteristisch für den Klimawandel seien die zunehmenden Extremwetter, wie sie sich derzeit mit Überschwemmungen in der Gegend von Orenburg in Russland zeigen, aber auch in China. Dort gingen binnen Stunden »unendliche Regenmengen« nieder, die Mengen sonst eines ganzen Jahres. Von solchen Ereignissen »werden auch wir nicht verschont bleiben«, kündigte Vogel an. Die Schädigung der Bäume im Park Sanssouci sei für den Besucher auch dadurch zu erfahren, dass das Schild »Vorsicht Astbruch« immer länger aufgestellt bleiben müsse. Es sei illusorisch zu glauben, man könne die Klimaveränderungen noch aufhalten. Es müsse also um eine Anpassungstrategie gehen. Vogel hob die Bedeutung des immerhin 300 Hektar umfassenden Schlossparks für das Stadtklima hervor. Vor allem ältere Menschen könnten hier in der Sommerhitze relative Kühle finden.

»Totholz, Blühstress und Notfällungen« seien die Kategorien, die eine bedrohliche Entwicklung begleiten, sagte Kulturministerin Manja Schüle (SPD). Die bestürzende Entwicklung verlaufe schneller, »als noch vor einigen Jahren prognostiziert«. Inzwischen gebe es nicht wenige Menschen, die sich über Regenwetter mehr freuen als über Sonnenschein. Die altehrwürdigen Bäume in den Parks »sind uns lieb und teuer«, sagte Schüle. Sie zu retten, das koste aber auch »wahnsinnig viel Geld«. Die Landesregierung legte ein 30-Millionen-Euro-Förderprogramm auf.

Mit den Problemen steht die Schlösserstiftung nicht allein. Auch die Stiftung »Fürst-Pückler-Museum – Park und Schloss Branitz« im Süden Brandenburgs ist mit einer Station in Potsdam zu Gast und stellt hier ihre sogenannte Baum-Universität vor.

Im Pückler-Park Branitz wird der Klimawandel ebenfalls zum Thema des Jahres erhoben. Im Rahmen einer Freiluftausstellung soll vom 30. April bis zum 31. Oktober ein Überblick über die Auswirkungen der Klimaveränderungen auf diesen Park gegeben werden. Unter dem Titel »Zukunftsreich. Klima Wandel Branitz« wird an zwölf Stationen über Effekte auf den Boden, das Wassersystem, die Bäume und die Wiesen der Anlagen informiert.

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