Kiew entwickelt angeblich Drohnen mit Technik wie im Taurus

Militär erhält weitreichende US-Raketen, aber keine deutschen Marschflugkörper

Die USA haben der Ukraine Kurzstreckenraketen vom Typ ATACMS mit größerer Reichweite geliefert. Diese seien Teil eines Hilfspakets aus dem März gewesen und diesen Monat angekommen, erläuterte Außenamtssprecher Vedant Patel am Mittwoch. Das Land erhielt zwar im vergangenen Jahr schon erste ATACMS-Raketen – aber nur mit einer Reichweite von 165 Kilometern. Sie seien keine »Wunderwaffe«, sagte der nationale Sicherheitsberater des Weißen Hauses, Jake Sullivan. Die US-Raketen würden »den Ausgang der militärischen Spezialoperation nicht grundlegend verändern«, erklärte auch der Kreml-Sprecher Dmitri Peskow am Donnerstag und ergänzte, die USA seien damit »direkt in den Konflikt verwickelt«.

Die ATACMS-Raketen sollen nur innerhalb des ukrainischen Staatsgebiets eingesetzt werden. Der Sender NBC News berichtete indes unter Berufung auf US-Regierungsvertreter, die neuen Waffen seien bereits in der vergangenen Woche bei einem Angriff auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim sowie in dieser Woche bei einem Angriff auf die besetzte Stadt Berdjansk im Südosten der Ukraine zum Einsatz gekommen.

Ebenfalls am Mittwoch hat Präsident Biden ein Gesetz unterzeichnet, das Hilfen über insgesamt 61 Milliarden US-Dollar (rund 57 Milliarden Euro) für die Ukraine freigibt. Daraus soll ein rasches Paket in Höhe von einer Milliarde Dollar für Kiew geschnürt werden, das Luftabwehrmunition, Artilleriegeschosse, Munition für Himars-Raketenwerfer, Panzerabwehrwaffen und gepanzerte Fahrzeuge umfasst.

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Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) bekräftigte trotz der neuen Hilfszusagen der USA am Donnerstag sein Nein zu einer Lieferung von Taurus-Marschflugkörpern an die Ukraine.

Mit zunehmender Automatisierung des Krieges könnte die Ukraine aber auch unabhängiger werden von Waffen wie Taurus. Zu den Besonderheiten des deutschen Marschflugkörpers gehört, dass er äußerst niedrig fliegt und ohne GPS-Daten ins Ziel findet. Deshalb ist Taurus für die gegnerische Flugabwehr schwer zu erfassen und gegen GPS-Störungen immun.

Dazu speichert die Bundeswehr besonders genaue Geländedaten auf einem Chip des Taurus, in denen jedes Hindernis erfasst ist. Aus diesen Aufklärungs- und Geodaten errechnet die Bordelektronik ein exaktes dreidimensionales Geländeprofil für die Route und das Ziel des Angriffs.

Ein solches 3D-Modell kann inzwischen auch mithilfe militärisch sowie öffentlich verfügbaren Satellitendaten erstellt werden. Eine Künstliche Intelligenz kann daraus die Route berechnen und nutzt für den Flug Informationen aus Sensoren des Luftfahrzeugs. Der US-Sender CNN berichtete jüngst, dass das ukrainische Militär Kamikazedrohnen mit großer Reichweite mit dieser Selbstbau-3D-Technik ausrüstet.

»Jedes [unbemannte] Luftfahrzeug verfügt über einen Terminalcomputer mit Satelliten- und Geländedaten«, erklärte dazu eine dem ukrainischen Drohnenprogramm nahestehende Quelle dem Sender. Darin seien auch westliche Militärs eingebunden: »Die Flüge werden im Voraus mit unseren Verbündeten festgelegt und die Flugzeuge folgen dem Flugplan, damit wir Ziele metergenau angreifen können.«

Am 2. April soll das Militär die Kampfkraft der neuen Selbstbau-Taurus unter Beweis gestellt haben. Der Angriff auf eine Ölraffinerie in der Region Tatarstan, mehr als 1100 Kilometer von der Grenze entfernt, soll mit einer solchen KI-Drohne ohne GPS erfolgt sein. Es habe sich laut einer Quelle um »eine der tiefsten Operationen auf russischem Territorium« gehandelt. Mit Agenturen

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