Letzten Kompass verloren

Jana Frielinghaus über den Bruch des Kirchenasyls

Kirchengemeinden werden manchmal zu Schutzräumen für Menschen, denen die Abschiebung droht. Doch sind sie auch dort nicht mehr sicher.
Kirchengemeinden werden manchmal zu Schutzräumen für Menschen, denen die Abschiebung droht. Doch sind sie auch dort nicht mehr sicher.

Das Kirchenasyl ist eine Institution der letzten Hoffnung. Und auch Kirchengemeinden prüfen sorgfältig, ob es sich um Härtefälle handelt, bevor sie es gewähren. Ihnen wie auch den Bundes- und Landesbehörden ist bekannt, dass auch eine Abschiebung in einen anderen EU-Staat menschenrechtswidrig sein kann. Deutsche Gerichte haben wiederholt Abschiebungen etwa nach Italien und Ungarn untersagt – wegen drohender Obdachlosigkeit, Gewalt und Freiheitsberaubung.

Der aktuelle Fall des Bruchs des Kirchenasyls ist auch deshalb skandalös, weil russische Staatsbürger abgeschoben wurden, denen in ihrer Heimat der Zwangseinsatz im Krieg gegen die Ukraine droht. Dazu kommt das heuchlerische Bekenntnis, man werde den Schutzraum Kirchengemeinde weiter respektieren. Erst vor drei Wochen wurde ein Syrer aus dem Kirchenasyl geholt. Er wurde nur deshalb nicht nach Lettland abgeschoben, weil er einen Zusammenbruch erlitt – und nicht, weil den Behörden eingefallen war, dass der Mann dort bereits schwer misshandelt und inhaftiert worden war.

App »nd.Digital«

In der neuen App »nd.Digital« lesen Sie alle Ausgaben des »nd« ganz bequem online und offline. Die App ist frei von Werbung und ohne Tracking. Sie ist verfügbar für iOS (zum Download im Apple-Store), Android (zum Download im Google Play Store) und als Web-Version im Browser (zur Web-Version). Weitere Hinweise und FAQs auf dasnd.de/digital.

Linken, unabhängigen Journalismus stärken!

Mehr und mehr Menschen lesen digital und sehr gern kostenfrei. Wir stehen mit unserem freiwilligen Bezahlmodell dafür ein, dass uns auch diejenigen lesen können, deren Einkommen für ein Abonnement nicht ausreicht. Damit wir weiterhin Journalismus mit dem Anspruch machen können, marginalisierte Stimmen zu Wort kommen zu lassen, Themen zu recherchieren, die in den großen bürgerlichen Medien nicht vor- oder zu kurz kommen, und aktuelle Themen aus linker Perspektive zu beleuchten, brauchen wir eure Unterstützung.

Hilf mit bei einer solidarischen Finanzierung und unterstütze das »nd« mit einem Beitrag deiner Wahl.

Unterstützen über:
  • PayPal