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Zwangsprostitution: Wegner will Friedensstatue verändern

Demonstration für Erhalt des »Trostfrauen«-Denkmals nach Ankündigung des Regierenden

  • Jule Meier
  • Lesedauer: 3 Min.
»Trostfrauen« waren Sklav*innen, die während des Zweiten Weltkriegs dem Militär in japanischen Bordellen »dienten«.
»Trostfrauen« waren Sklav*innen, die während des Zweiten Weltkriegs dem Militär in japanischen Bordellen »dienten«.

Ari heißt sie. Ein bronzefarbenes Denkmal in Moabit an der Ecke Birkenstraße und Bremer Straße zeigt ein Mädchen auf einem Stuhl neben einem leeren Stuhl. Die »Friedensstatue« erinnert an bis zu 200 000 zwangsprostituierte Mädchen und Frauen während des Zweiten Weltkriegs, die in Kriegsbordellen versklavt wurden. Der Korea-Verband errichtete das Mahnmal 2020 als »Symbol der Hoffnung für diese Frauen und für Opfer sexueller Gewalt weltweit« und in Erinnerung an koloniale Gewalt unter japanischer Herrschaft.

Am vergangenen Freitag demonstrierten 70 Menschen vor dem Roten Rathaus für den Erhalt des Denkmals, das vom Bezirk Mitte lediglich geduldet wird. Anlass war eine Mitteilung der Senatskanzlei vom 16. Mai, in der der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) von seinem Tokio-Besuch und über Veränderungen am Denkmal spricht. Wegner sei zwar für ein Denkmal gegen Gewalt gegen Frauen, »aber eine einseitige Darstellung dürfe nicht mehr stattfinden«. Er kündigte an, den japanischen Botschafter in Gespräche zum Denkmal einzubinden. »Die Aussage von Kai Wegner, dass er eine Lösung für eine umstrittene Statue habe, ist ein weiteres Zeugnis für die Willkür und Demokratiefeindlichkeit der CDU in Berlin«, so Demonstrations-Organisatorin Aiko Okamoto zu »nd«.

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Christine Richter, Pressesprecherin des Senats, teilt »nd« mit, »dass sich um die Statue herum ein außenpolitischer Disput entwickelt hat, der bereits Gegenstand von Gesprächen auf Regierungsebene zwischen Japan und Deutschland war«. Man teile die Einschätzung des Auswärtigen Amts, der japanisch-koreanische Konflikt um die »Trostfrauen-Frage« sei zwischen Japan und Korea 2015 endgültig beigelegt worden. Es gebe Überlegungen, das Denkmal durch eines zu ersetzen, das sich übergeordnet sexualisierter Gewalt gegen Frauen im Krieg widme. Der Senat würde eine zeitnahe Errichtung solch eines Mahnmals begrüßen – »gerade auch mit Blick auf aktuelle kriegerische Auseinandersetzungen«, sagt Richter.

Das Bezirksamt Mitte teilt auf nd-Anfrage mit, man stehe »zur Notwendigkeit eines Mahnmals gegen sexualisierte Gewalt gegen Frauen in kriegerischen Konflikten« in Kontakt mit der Bundesebene.

Der Korea-Verband interpretiert Wegners Worte vom 16. Mai als »Absicht, die Friedensstatue aus dem öffentlichen Raum zu entfernen«. Entgegen seiner Aussage sei Wegner nicht in Kontakt mit dem Verband. »Bei einem gemeinsamen Gespräch möchten wir den Druck der japanischen Regierung auf die Bezirkspolitik und die Landesregierung von Berlin thematisieren. Es ist nicht nachvollziehbar, warum der Regierende Bürgermeister ›den japanischen Botschafter einbinden‹ möchte, jedoch nicht mit dem Korea-Verband spricht.«

Für den Erhalt der Statue spricht sich auch das Bündnis Decolonize Berlin aus. Von der Zivilgesellschaft getragene Erinnerungsorte seien ein wichtiger Pfeiler der Berliner Erinnerungskultur, heißt es in einer Mitteilung. »Den Versuch Kai Wegners, auf Druck der japanischen Regierung in Sachen Friedensstatue zu intervenieren, verstehen wir daher auch als Affront gegen die jahrzehntelangen Bemühungen der Zivilgesellschaft, eine dezentrale und vielfältige Erinnerungskultur, die unsere Gesellschaft widerspiegelt, im Stadtbild Berlins zu verankern.«

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