Rechte Kampfsportgruppe: Mildes Urteil gegen Knockout 51

Gericht verhängt Haftstrafen für Angehörige von rechtsextremer Kampfsportgruppe

Razzia gegen Mitglieder der rechtsextremen Kampfsportgruppe vor der Gaststätte »Bull’s Eye« 2022 in Eisenach
Razzia gegen Mitglieder der rechtsextremen Kampfsportgruppe vor der Gaststätte »Bull’s Eye« 2022 in Eisenach

Das Thüringer Oberlandesgericht (OLG) in Jena hat vier Angehörige der rechtsextremistischen Kampfsportgruppe Knockout 51 unter anderem wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung sowie Körperverletzungsdelikten verurteilt. Der mutmaßliche Rädelsführer erhielt drei Jahre und zehn Monate Haft, die drei Mitangeklagten Haft- oder Jugendhaftstrafen zwischen zwei Jahren und zwei Monaten sowie zwei Jahren und sechs Monaten. Drei wurden dabei auch wegen Waffendelikten schuldig gesprochen, da sich die »rechtsextremistische Kampfgruppe nationalsozialistischer Prägung« unter anderem Messer beschafft hatte.

Das Gericht blieb mit seinen Urteilen deutlich hinter den Forderungen der Bundesanwaltschaft zurück, die Haftstrafen zwischen vier Jahren und drei Monaten sowie sieben Jahren gefordert hatte. Deren Vertreter erklärten in ihrem Plädoyer nach Gerichtsangaben unter anderem, dass die Gruppe unter dem Deckmantel gemeinsamen Kampfsporttrainings junge Männer gezielt für Kämpfe mit Polizisten und Angehörigen der linken Szene ausgebildet habe. Ab Frühjahr 2021 hätten Mitglieder von Knockout 51 auch die Tötung linker Aktivisten angestrebt. Deshalb hatte die Bundesanwaltschaft in ihrem Plädoyer auch eine Verurteilung wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung gefordert.

Abweichend davon kam das OLG zu der Feststellung, dass die Angeklagten den Einsatz tödlicher Gewalt nur für Zwecke von »Notwehr« trainierten, da es bereits Angriffe auf eines der Mitglieder gegeben habe. Daran soll auch eine Gruppe um die im Antifa Ost-Verfahren verurteilte Lina E. beteiligt gewesen sein.

»In Thüringen bekommen Neonazis mal wieder eine Art Freifahrtschein vom Gericht«, schrieb die Linke-Landtagsabgeordnete Katharina König-Preuss auf der Plattform X und nannte das Urteil einen Skandal. Es entstehe der Eindruck, dass das Gericht die Gefährlichkeit von Knockout 51 »nicht ausreichend einordnen und würdigen konnte«, so Madeleine Henfling, die Sprecherin für Antifaschismus der Grünen-Fraktion im Thüringer Landtag. »Der Prozess hat deutlich gemacht, dass sich im Herkunftsland des ›NSU‹ erneut eine rechtsterroristische Struktur weitestgehend ungestört etablieren konnte«, erklärte die Opferberatung Ezra, die den Prozess beobachtet und dokumentiert hat.

Knockout 51 soll spätestens im März 2019 in Eisenach gegründet worden sein und Kontakte zur rechtsextremen NPD sowie zu anderen gewaltbereiten rechtsextremistischen Gruppen unterhalten haben. Die Angeklagten wurden im April 2022 festgenommen, ein Jahr später startete der Prozess. Die Ermittlungen endeten damit nicht: Ende des vorigen Jahres wurden in Thüringen und Hessen weitere mutmaßliche Mitglieder der Vereinigung festgenommen.

Das Urteil vom Montag ist noch nicht rechtskräftig, die Verurteilten befinden sich auf freiem Fuß. Mit Agenturen

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