Verdi: Noch mal trommeln vor der Wahl

Verdi erhöht Druck auf den Senat für bessere Kita-Bedingungen

Vier Kinder auf eine*n Erzieher*in ist aus Sicht der Kitas eine bevorzugte Personallage.
Vier Kinder auf eine*n Erzieher*in ist aus Sicht der Kitas eine bevorzugte Personallage.

Wickeln, anziehen, spielen, sauber machen und bei einem Wutanfall oder plötzlichen Tränenausbruch zur Seite stehen. Wer ein Kleinkind betreut, weiß, wie viele Nerven das kosten kann. Wer aber nicht nur eins, sondern gleichzeitig 15 Kinder betreut, ist mit der Kapazität am Limit.

»Eigentlich sollte es 5 zu 1 sein«, kritisiert Josephine Roscher von der Gewerkschaft Verdi gegenüber »nd«. Dass aber statt 5 gleich 15 Krippenkinder auf eine*n Krippenerzieher*in kommen, sei »viel zu viel«. Roscher zieht deshalb zusammen mit Kita-Mitarbeiter*innen am Donnerstag auf die Straße und fordert eine bessere pädagogische Qualität in städtischen Kitas und Entlastung des Personals.

Der Streik ist zunächst für einen Tag geplant. Sollte der Senat auf den eintägigen Warnstreik am Donnerstag nicht reagieren, plant Verdi einen fünftägigen Kita-Ausstand vom 8. bis 12. Juli. In den vergangenen Wochen wurden in kommunalen Einrichtungen an insgesamt sieben Tagen bestreikt.

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Bereits vor zwei Wochen sprach Christdemokrat und Finanzsenator Stefan Evers von »Sinnlosstreiks auf dem Rücken der Kinder und Eltern«. Evers zufolge könne das Land Berlin als Mitglied der Tarifgemeinschaft der Länder (TdL) nicht über einen entsprechenden Tarifvertrag verhandeln, da Berlin nicht alleine über tarifrechtliche Fragen entscheiden könne.

Diese Meinung vertritt auch Antje Schwartz, Geschäftsführerin des gemeinnützigen Sozialunternehmens Kids in Berlin (KIB). So würde man mit einem gesonderten Vertrag für Berlin »den erneuten Ausschluss aus der Tarifgemeinschaft der Länder riskieren«; zudem habe die TdL »wenig Verständnis für den Arbeitskampf geäußert«, sagt sie zu »nd«. Darüber hinaus sei die Personalbemessung in Berlin nicht Bestandteil des Tarifvertrags, sondern gesetzlich geregelt. Eine Verbesserung sei entsprechend über eine gesetzliche Änderung zu regeln und »nicht über Arbeitskampf für einen Haustarifvertrag«, so Schwartz weiter.

»Wir wünschen uns auch erst einmal eine Anerkennung des Problems.«

Josephine Roscher Gewerkschaft Verdi

Insgesamt sei die Forderung nach Handlungen angesichts der angespannten Personalsituation durchaus berechtigt. Doch dem KIB als freiem Kita-Träger fehle das Verständnis, dass Verbesserungen nur über einen Haustarifvertrag für Kita-Eigenbetriebe im Land Berlin gefordert werden. So bekommen Eigenbetriebe im Vergleich zu freien Trägern einen Zuschlag vom Land, obwohl diese ohnehin schon »einen Wettbewerbsvorteil gegenüber freien Trägern im Kampf um Fachkräfte« hätten. Auch der Verband der kleinen und mittelgroßen Kitaträger (VKMK) zeigt sich skeptisch: »Diese Art des Streiks ist kaum mit dem Streikrecht vereinbar«, schreibt er in einer Pressemitteilung. »Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass im Herbst Wahlen bei Verdi anstehen, erscheinen die Streiks noch einmal in einem anderen Licht.«

Dieser Kritik widerspricht Josephine Roscher von Verdi. Sie erklärt, dass hinter dem Streik zunächst einmal die Hoffnung auf Gesprächsangebote steht. Natürlich wären Verhandlungen besser, sagt Roscher. »Aber wir wünschen uns auch erst einmal eine Anerkennung des Problems.« Ihrer Meinung nach fehlt der Politik das Verständnis für die Problemlage – dort würde Kritik eher wegdiskutiert, als dass es ein offenes Ohr gebe.

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