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Lena Oberdorf feiert Comeback mit Supercup-Sieg
Die Ausnahmespielerin schafft mit Bayern München den ersten Erfolg der Saison – ein starker Moment für den Frauenfußball
Die Kanonen mit Konfetti warteten in Karlsruhe noch auf den Startschuss, als etwas überraschend Lena Oberdorf bei der Siegerehrung nach vorne trat. Die glitzernde Trophäe für den Supercup – erst im Vorjahr nach ewiger Pause neu erschaffen – sollte bitte die Starspielerin empfangen, die dem deutschen Frauenfußball so lange gefehlt hatte. »Ich bin gar kein Typ für den Mittelpunkt, um den Pokal zu übernehmen«, deshalb sei sie auch schnell wieder nach hinten getreten. Gleichwohl: Gegen die »schöne Wertschätzung« hatte die 23-Jährige nach dem souveränen Triumph des FC Bayern gegen den VfL Wolfsburg (4:2) natürlich nichts einzuwenden.
Bereits auf der Anfahrt zum Wildparkstadion, so erzählte sie später, habe sie im Bus an der Seite von Linda Dallmann nach eigenem Bekunden »Tränen in den Augen« gehabt. Dass sie nach 410 Tagen ohne Pflichtspiel erst nach gut einer Stunde eingewechselt wurde, störte sie zwar ein bisschen (»Ich war sehr nervös auf der Bank.«), aber der Applaus der 16 933 Zuschauer berührte sie tief: »Das sind natürlich die Momente, wofür man dann als Sportler irgendwie auch lebt und wofür man dann nachher auch alles gibt, was man sich jeden Tag irgendwie auch vorstellt.«
Hinterher erklärte sie auch, warum ihr die mit Rückschlägen gepflasterte Reha teilweise wie »die Hölle« vorgekommen war: »Wenn andere auf den Platz gehen, Fußball spielen, selber im Gym zu sitzen und Gewichte zu stemmen, nicht in der Lage zu sein, bei den Spielern auf dem Platz zu stehen, sondern auf der Tribüne zu sitzen, keine Abläufe mitzubekommen, ins Hotel nicht zu fahren, keine Auswärtsfahrten mitzufahren, ein Jahr lang keinen Busplatz zu haben«: Das alles sei als Fußballerin nicht schön. Jetzt allerdings ist bei »Obi« das Leuchten in den Augen zurück.
Die sehr von ihrer Physis lebende Mittelfeldspielerin weiß nach ihrer komplizierten Knieverletzung mit Schädigung an Kreuz- und Innenband wohl selbst am besten, dass die Rückkehr zu alter Leistungsstärke weiterhin Geduld erfordert. »Ich bin happy, dass alles gehalten hat, und ich fit im Training bin.« Dass sich auf dem Bayern-Campus der quantitativ und qualitativ beste Kader sammelt, auch der neue Coach José Barcala keinerlei Druck ausübt, sondern sich zuvorderst über die Rückkehr einer »fantastischen Spielerin« freut, sollte beim Wiedereingliederungsprozess helfen.
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Bundestrainer Christian Wück wird ebenfalls nichts überstürzen: Erst am 24. Oktober spielen die DFB-Frauen ihr Nations-League-Halbfinale gegen Frankeich. »Alles andere kommt, wenn es kommen soll«, sagte die 51-fache Nationalspielerin zu einer möglichen Rückkehr. Bei ihrem halbstündigen Einsatz holte sie einen Elfmeter raus, den Europameisterin Georgia Stanway verwandelte (78.), nachdem zuvor Magdalena Eriksson (18.), Jovana Damnjanovic (25.) und Lea Schüller (72.) sehenswerte Treffer für den Meister und Pokalsieger erzielt hatten, der doch erst bei »60, 70 Prozent« der Leistungsstärke steht, wie Dallmann verriet. Die viel zu zaghaften »Wölfinnen«, bei denen auch Alexandra Popp bloß noch eine Mitläuferin gab, betrieben durch Vivien Endemann (58.) und Janina Minge (88./Foulelfmeter) nur Ergebniskosmetik. Den letzten Strafstoß hatte übrigens Oberdorf verursacht, die lapidar anmerkte: »Besser alles in einem Spiel abarbeiten.«
Die Indizien für einen Durchmarsch der Münchnerinnen sind erdrückend, zumal DFB-Wortführerin Giulia Gwinn und FCB-Kapitänin Glodis Viggosdottir noch fehlten und Klara Bühl, Pernille Harder und eben Oberdorf anfangs draußen saßen. »Das liest sich schon gut, wer bei Bayern hereingekommen ist. Das ist schon eine Hausnummer«, sagte Wolfsburgs Trainer Stephan Lerch, der nicht wirklich eine spannende Bundesliga-Saison versprechen konnte: »Der FC Bayern hat enorme Voraussetzungen. Das wird schwer dranzubleiben.«
Das könnte als Nächstes auch Bayer Leverkusen zu spüren bekommen, die in der ersten Länderspielpause der Männer am Samstag (17.45 Uhr/ARD) vor einer neuen Rekordkulisse in der Allianz Arena die neue Saison der Frauen-Bundesliga eröffnen.
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