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Kindermangel in Kitas: Realität holt Gewerkschaften ein
Statt vor Argumente muss man den Berliner Senat vor vollendete Tatsachen stellen
Angesichts der enormen Arbeitsbelastung fordern Lehrkräfte an Berliner Schulen seit Jahren kleinere Klassen. Um mit einem Tarifvertrag die Zahl der Schüler*innen pro Klasse zu reduzieren, legen sie immer wieder, wenn auch zaghaft, die Arbeit nieder. Ähnliches versuchten vergangenes Jahr auch ihre Kolleg*innen an den landeseigenen Kitas.
Doch der Berliner Senat wehrte sich bislang mit Hauen und Stechen. Vom Berliner Arbeitsgericht ließ er einen angekündigten Erzwingungsstreik für unrechtmäßig erklären. Handfeste Verbesserungen versandeten am Runden Tisch.
Doch jetzt ist der abgesenkte Betreuungsschlüssel da, zumindest für Kinder unter drei Jahren. Statt bisher fünf Kinder soll eine Erzieher*in dann nur noch vier betreuen. Möglich macht das allerdings nicht der gute Wille der politisch Verantwortlichen oder die Durchsetzungskraft einer Gewerkschaft. Nein, es ist der Geburtenrückgang, der zwangsläufig dafür sorgt, dass die Zahl der Kinder in den Gruppen schneller sinkt als die der frustrierten Betreuer*innen.
Der Senat passt seine Regelung also lediglich an die Realität an. Zunächst für die ganz Jungen. Doch bald schon schiebt sich das Geburtental auch in die Gruppe der großen Kids und in die Schulen, sodass Anpassungen auch hier notwendig werden dürften. Andernfalls müsste das Land seine Beschäftigten aus betriebsbedingten Gründen entlassen, um den bisherigen Schlüssel zu halten, und das darf es nicht.
Den Gewerkschaften bleibt also nicht mehr viel Zeit, um den Senat selbst mit unbestreitbaren Fakten (Stichwort Erzwingungsstreik) zu konfrontieren. Andernfalls dürften ihre eigenen Forderungen erneut von der Realität eingeholt werden.
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