Rekorde und ein bisschen Aufbruch

Schwimm-Weltcup in Berlin: Deutsche besser als erwartet, aber weiter auf der Suche

Der Berliner Schwimm-Weltcup im Europasportpark an der Landsberger Allee ist seinem Ruf als Rekordfestival wieder gerecht geworden. Das bekannt schnelle Wasser im 25-Meter-Becken trieb die Aktiven zu vier neuen Welt- und weiteren Bestmarken auf der Kurzbahn. Auch die deutschen Asse beteiligten sich an der Bereinigung der Statistiken, freilich nur auf kontinentalem Niveau wie Antje Buschschulte (Magdeburg) mit 50-m-Rücken-Europarekord sowie Britta Steffen (Berlin/100 m Freistil), Paul Biedermann (Halle/ 400 mund 200 m Freistil) sowie Benjamin Madeja (Potsdam/200 m Brust) auf nationaler Ebene.

Nicht mehr viel Zeit
»Das war respektabel und dokumentierte die Leistungssteigerung, die wir im gegenwärtigen Wettkampfzyklus in der Olympiavorbereitung erwarten«, sagte der Sportdirektor des Deutschen Schwimmverbandes, Dr. Örjan Madsen. Die neuen Ansätze des Norwegers zu einer versuchten Rückkehr der deutschen Asse zur Weltspitze haben seit seinem Amtsantritt vor zwei Jahren noch nicht wie gewünscht gefruchtet – bis zum Ende seines Engagements nach Olympia 2008 bleibt nicht mehr viel Zeit.

Der Berliner Weltcup dokumentierte, dass die DSV-Aktiven in vielen Disziplinen noch relativ weit von den Top-Resultaten entfernt sind. Madsen weiß, dass dort diese Lücke bis Olympia nicht zu schließen sein wird. Aber – und das ist die positive Erkenntnis des Wochenendes: Es gibt einstweilen in den Resultatslisten eine ganze Reihe von neuen Namen junger Athleten, die ein Versprechen für die Zeit nach Peking sein können.

Gleichwohl wird natürlich vor allem auf die Arrivierten geschaut, die es im kommenden August in Fernost richten sollen. Britta Steffen ist sicher der größte Hoffnungsträger. Bei ihrem 100-Meter-Freistil-Auftritt am Sonntag unterstrich die gerade 24 Jahre alt gewordene gebürtige Schwedterin, die bei der SG Neukölln von Norbert Warnatzsch trainiert wird, warum. Obwohl sie nicht gewann. Mit deutschem Rekord von 52,17 Sekunden lag sie nur drei Hundertstel hinter der Niederländerin Marleen Veldhuis, die am Tag zuvor bereits die 50 Meter Kraul in Weltrekordzeit von 23,58 s zurückgelegt hatte.

Die Lokalmatadorin gewann allerdings unbestritten den »Publikumspreis« für die lautstärkste Anfeuerung. Sie begeisterte die Zuschauer, und Trainer Warnatzsch fand an ihrem Rennen nichts zu mäkeln: »Das war okay, sie hat alles richtig gemacht.« Das sah Britta Steffen selber ein bisschen kritischer. »Natürlich will man immer gewinnen, aber mit der Zeit muss ich wohl zufrieden sein. Wenn ich Hundertstel verschenkt habe, dann sicher an den Wenden. Die mache ich eigentlich mit geschlossenen Augen, aber ich mache sie nach dem Fingerbruch im Herbst 2006 eben manchmal auch auf.«

Aus deutscher Sicht waren neben Steffen in erster Linie noch die beiden Rekordrennen von Paul Biedermann zu nennen, der über 200 Meter in 1:42,39 Minuten den Uralt-Rekord von Michael Groß (1:44,14 aus dem Jahre 1988) auslöschte, sowie Antje Buschschulte (Magdeburg), die sich mit dem neuen Europarekord von 26,94 Sekunden über 50 Meter Rücken selbst überrascht hatte.

Jetzt schnell zum Arzt
»Europarekord? Ich? Das kann ja gar nicht sein«, staunte die knapp 29-jährige Athletin nach ihrem tollen Auftritt. Vielleicht liege es ja daran, befand die angehende Diplom-Neurobiologin, dass sie ausgeruht sei und ihre Saison an diesem Wochenende ende. Ganz gezielt habe sie den Weltcup zum abschließenden Höhepunkt erkoren. Wohl wissend, dass am Montag eine Schulteroperation folgt, mit der langwierige Probleme noch rechtzeitig vor dem entscheidenden vorolympischen Aufbau behoben werden sollen. Vier Wochen wird sie dann vermutlich ausfallen. »Vor Olympia ist das die letzte Möglichkeit«, betonte Deutschlands beste Rückenschwimmerin.

Sonnabend: Männer, 100 m Freistil: 1. Nystrand (Schweden) 45,83 s WR. 400 m Freistil: 1. Tae-Hwan Park (Südkorea) 3:36,68 min. 100 m Rücken: 1. Bal (USA) 50,66 s. 50 m Brust: 1. van der Burgh (Südafrika) 26,88 s. 200 m Brust: 1. Falko (Russland) 2:08,60 min. 50 m Schmett: 1. Cavic (Serbien) 23,19 s. 200 m Schmett: 1. Yin Chen (China) 1:52,97 min. 100 m Lagen: 1. Pereira (Brasilien) 52,42 s. 400 m Lagen: 1. Pereira 4:00,63 min.

Frauen, 50 m Freistil: 1. Veldhuis (Niederlande) 23,58 s WR. 200 m Freistil: 1. Manaudou (Frankreich) 1:53,48 min ER. 800 m Freistil: 1. Filippi (Italien) 8:16,35 min. 50 m Rücken: 1. Buschschulte (Magdeburg) 26,94 s ER. 200 m Rücken: 1. Buschschulte 2:05,92 min. 100 m Brust: 1. Poewe (Wuppertal) 1:06,14 min. 100 m Schmett: 1. Dekker (Niederlande) 56,88 s. 200 m Lagen: 1. Manaudou 2:09,27 min.

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