Nationalpark im Siebengebirge?

Umweltverbände kritisieren geringe Größe und absehbare Übernutzung

Den Blick von Bonn aus über den Rhein auf das Siebengebirge empfand Alexander von Humboldt als das »8. Weltwunder«. Nun soll das Gebiet zum Nationalpark ernannt werden. Doch bei Naturschützern und Bewohnern regt sich Kritik.

Das Siebengebirge ist eines der ältesten deutschen Naturschutzgebiete. Bereits 1923 wurde die Region rund um den Drachenfels (Foto: dpa) mit ihren zerklüfteten Hügeln, Eichen-Buchen-Wäldern und wertvollen Kulturbiotopen unter Schutz gestellt. Weitgehend positiv war deshalb auch das Echo, als die Landesregierung im Mai 2007 anregte, nach der Eifel auch das Siebengebirge in einen Nationalpark umzuwandeln. Davon erhofft man sich ein weiteres Anwachsen des Tourismus.

Doch die Freude ist nicht ungetrübt. Verbände wie der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) sowie der Deutsche Naturschutzring (DNR) betrachten das Vorhaben der schwarzgelben Koalition mit Skepsis. »Nur schwer umsetzbar«, heißt es in einer Erklärung des BUND. Der DNR findet deutlichere Worte: »Nationalparke sind Flagschiffe des Naturschutzes. Sie dürfen nicht durch wirtschaftliche Nutzungen gefährdet, behindert oder durch Mogelpackungen entwertet werden«, so DNR-Präsident Hubert Weinzierl.

Die Bedenken der Naturschützer zum zweiten Nationalpark in Nordrhein-Westfalen sind massiv: So umfasse das Gebiet mit ca. 4500 Hektar nicht einmal die Hälfte der empfohlenen Fläche und werde von stark frequentierten Straßen und Wegen durchkreuzt. Auch könne man dort nicht gewährleisten, dass sich die Natur auf 75 Prozent der Fläche selbst überlassen bleibt, wie in internationalen Richtlinien vorgesehen. Hier treffen sich die Umweltverbände mit der Bürgerinitiative »Freies Siebengebirge«, die das Vorhaben wegen potenzieller Beschränkungen für die Bevölkerung ablehnt.

DNR-Geschäftsführer Helmut Röscheisen warnt: »Mehr Tourismus verträgt das Gebiet nicht.« Bereits jetzt gebe es eine touristische Übernutzung mit drei bis fünf Millionen Besuchern jährlich. Mit der mangelnden Umsetzung internationaler Richtlinien stehe das Siebengebirge aber nicht alleine da: Nur die beiden »Dienstältesten« der 14 deutschen Nationalparke, »Bayerischer Wald« und »Berchtesgaden«, erfüllen bis dato die Auflagen. »Überall gibt es Nachbesserungsbedarf. Zum Beispiel darf die Nationalparkverwaltung nicht der Forstverwaltung unterstellt sein«, so Röscheisen. Nach seiner Ansicht käme man bei der Realisierung der Pläne in Erklärungsnot, falls die Teilnehmer der UN-Biodiversitätskonferenz 2008 in Bonn fragen, warum man hierzulande quer durch den Nationalpark mit der Limousine zur Konferenz anreist.

Dabei sind die Naturschützer keineswegs per se gegen die Idee. »Grundsätzlich begrüßen wir einen Nationalpark sehr«, so Paul Kröfges, Landesvorsitzender des BUND. Man befürworte sie dort, wo es Sinn macht, wie z.B. in der westfälischen Senne mit ihren einzigartigen Buchenbeständen.

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