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In 90 Minuten von Berlin nach Szczecin ab 2028
Baubeginn 2026 für polnischen Streckenteil ab der Grenze angekündigt
Im kommenden Jahr sollen endlich auch auf polnischer Seite die Bauarbeiten für den durchgängigen zweigleisigen Ausbau und die Elektrifizierung der Eisenbahnstrecke Berlin-Szczecin beginnen. Das erklärt Bartosz Pietrzykowski, Sprecher des polnischen Eisenbahnnetzbetreibers PKP PLK auf Anfrage von »nd«. »Der Ausschreibungsplan 2026 umfasst ein Projekt für Bauarbeiten an ausgewählten Abschnitten der Bahnstrecke Szczecin Główny-Szczecin Gumieńce-Staatsgrenze«, so der Sprecher wörtlich.
Damit werden Ende 2026 auf den letzten noch fehlenden 40 Kilometern der insgesamt rund 135 Kilometer langen Bahnstrecke zwischen Berlin und der 390 000-Einwohner-Stadt die Bauarbeiten laufen, wenn nun alles wie vorgesehen klappt.
Etwa 30 Kilometer der Strecke, die noch zweigleisig ausgebaut und elektrifiziert werden müssen, liegen auf deutscher Seite. Es ist der Abschnitt von Passow bis zur Grenze. Im Zuge der Arbeiten wird auch die Streckenhöchstgeschwindigkeit von 120 auf 160 Kilometer pro Stunde angehoben. Die Bautrupps sollen planmäßig Ende 2027 fertig sein.
Am Freitag vermeldete der deutsche Schienennetzbetreiber DB Infrago die Fertigstellung der ersten 19 Kilometer der Ausbaustrecke von Angermünde bis nach Passow. »In Passow und Angermünde stehen jetzt 740 Meter lange Überholgleise für lange Güterzüge zur Verfügung«, heißt es in der Mitteilung. Die neue Infrastruktur sei »entscheidend für mehr Züge und mehr Verlässlichkeit im Verkehr zur PCK Raffinerie«.
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Für Fahrgäste bedeutet das zunächst keine Verbesserung. Weiterhin werden ab Angermünde nach Szczecin Ersatzbusse statt Züge fahren. Allein für diese Strecke benötigen die Busse zwischen einer Stunde 20 Minuten und fast zwei Stunden, je nachdem, ob es eine Expressfahrt ist oder nicht. Die Verbindung ist so unattraktiv, dass das Land Brandenburg die drei schlechtest ausgelasteten Ersatzbusfahrten zum Fahrplanwechsel gestrichen hat, um Geld zu sparen. Landesweit wurden Zugverbindungen abbestellt, in denen im Durchschnitt dauerhaft unter zehn Fahrgäste pro Fahrt gezählt worden sind.
Zuletzt sah es so aus, als würde die Bahnstrecke Berlin-Szczecin bis 2030 keine ernsthafte Konkurrenz zum Auto und den zahlreichen Fernbusfahrten auch zum Flughafen BER bleiben. Insofern ist es ein deutlicher Fortschritt, wenn Bartosz Pietrzykowski von PKP PLK erklärt, dass die Inbetriebnahme der rund zehn Kilometer langen Ausbaustrecke im Jahr 2028, »rund zwei Jahre nach Beginn der Bauarbeiten« im Jahr 2026, vorgesehen ist.
Die Ausschreibung für die Bauarbeiten soll demnach im ersten Quartal 2026 starten. »Abhängig vom Verlauf des Ausschreibungsverfahrens wird mit der Vertragsunterzeichnung und dem Baubeginn im vierten Quartal desselben Jahres gerechnet«, teilt Pietrzykowski mit. Eine komplette Fertigstellung der Arbeiten an der rund zehn Kilometer langen Strecke wird Mitte 2030 erwartet.
»Wir sind uns der strategischen Bedeutung dieser Strecke für internationale Verbindungen und die regionale Entwicklung vollauf bewusst.«
Bartosz Pietrzykowski PKP PLK
Der aktuelle Zeitplan scheint belastbar zu sein. Das beauftragte Planungsbüro habe »die Planung der Bau- und Ausführungsdokumentation bereits abgeschlossen, und das Genehmigungsverfahren läuft«, so Pietrzykowski. Für die Gesamtstrecke liege bereits die naturschutzrechtliche Genehmigung vor. Für den ersten von drei Abschnitten sei bereits Baurecht erteilt worden, für die beiden weiteren laufe das Verfahren derzeit.
Die Verzögerungen auf polnischer Seite hängen vor allem an Finanzierungsproblemen. Umgerechnet rund 360 Millionen Euro sollen die Maßnahmen kosten, zu denen neben Elektrifizierung und zweigleisigem Ausbau auch die Errichtung neuer Bahnhöfe gehören. Doch zweimal scheiterte der Antrag auf Gewährung von EU-Fördermitteln aus dem Programm »Connecting Europe«.
»Die geplante Finanzierung stammt derzeit aus nationalen Quellen«, erklärt Pietrzykowski. Sie reiche jedoch nicht aus, um den vollen Umfang der Investition zu realisieren. »Wir prüfen verschiedene Optionen zur Sicherung zusätzlicher Mittel und wir sind uns der strategischen Bedeutung dieser Strecke für internationale Verbindungen und die regionale Entwicklung vollauf bewusst«, unterstreicht der Sprecher des Netzbetreibers PKP PLK.
»Sollten keine zusätzlichen Mittel beschafft werden können, muss das Projekt in Phasen unterteilt werden, wobei den dringendsten Arbeiten, wie dem Bau eines zweiten Gleises und der Elektrifizierung der Strecke 409, Priorität eingeräumt wird«, so Pietrzykowski. Es bleibt also spannend, wie es mit dem Bahnprojekt wetergeht.
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