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Jugendliche in der Armutsfalle

DGB-Studie zeigt: Über 900 000 zwischen 15 und 24 auf Hartz IV-Leistungen angewiesen

Jung, arm und ohne Perspektive. Eine Studie des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) zeigt auf: Obwohl die Arbeitslosigkeit unter Jugendlichen zurückgegangen ist, bekommt jeder zehnte Jugendliche in Deutschland Hartz IV. Und für die meisten ist es schwer, aus dieser Armutsfalle herauszukommen.
Selbst mit Job sind gerade Jugendliche nicht vor Armut gefeit, sagt eine Studie des DGB.
Selbst mit Job sind gerade Jugendliche nicht vor Armut gefeit, sagt eine Studie des DGB.

Mehr als 900 000 Jugendliche zwischen 15 und 24 Jahren sind nach einer DGB-Studie von Hartz IV betroffen – das ist fast jeder vierte Erwerbsfähige in diesem Alter. Zudem erhalten fast 300 000 Jugendliche Arbeitslosengeld I. Damit seien 1,2 Millionen Jugendliche unter 25 Jahren »förder- oder hilfebedürftig«. Dagegen haben etwa 3,4 Millionen in dieser Altersgruppe eine sozialversicherungspflichtige Arbeit.

Im Osten des Landes sind die Zahlen besonders erschreckend. Hier ist jeder sechste Jugendliche auf Hilfe durch Hartz IV angewiesen. Das Verarmungsrisiko ist im Osten doppelt so hoch wie in den westlichen Bundesländern, wo Bremen das Schlusslicht bildet.

Dabei sind die Zahlen der arbeitslosen Jugendlichen im Osten deutlicher zurückgegangen als im Westen. Insgesamt sind die Zahlen der erwerbslosen Jugendlichen nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit in den vergangenen zwei Jahren um 26,2 Prozent gesunken. »Die Erfolge beim Abbau der Jugendarbeitslosigkeit haben nichts daran ändern können, dass Jugendliche ein überdurchschnittliches Verarmungsrisiko haben«, so Wilhelm Adamy, Autor der Studie. Kaum thematisiert, »wachsen diese Jugendlichen im Hinterhof der Wohlstandsgesellschaft auf«.

Rund 170 000 Jugendliche befanden sich im Sommer 2008 im Hartz IV-System, so die Studie. Weiterbildung bekommt nur eine Minderheit. Die Zahl der Ein-Euro-Jobber ist dreimal so hoch wie die der Jugendlichen, die eine berufliche Weiterbildung finanziert bekommen. Der DGB fordert deshalb neue Formen praxisorientierter Qualifizierung.

Die kinder- und jugendpolitische Sprecherin der LINKEN, Diana Golze, sagte: »Gegen die gravierende Jugendarbeitslosigkeit helfen keine schärferen Repressionen, sondern nur bessere Perspektiven.« Statt Zwangsvermittlung in Ein-Euro-Jobs seien eine Ausbildungsplatzumlage und bessere Fördermaßnahmen notwendig.

Doch auch die erwerbstätigen Jugendlichen sind nicht gefeit vor Armut. Rund 160 000 Jugendliche verdienen schlicht nicht genug Geld, um allein davon zu leben. Konkret müssen rund 100 000 Jugendliche mit weniger als 400 Euro auskommen. Wenn ihre Eltern nicht in der Lage sind, sie zu unterstützen, sind sie auf Hartz IV angewiesen. »Die Tatsache, dass ein Großteil dieser Jugendlichen deshalb staatliche Hilfen bekommt, weil sie selbst oder ihre Eltern zu wenig verdienen, um davon leben zu können, schlägt dem Fass den Boden aus«, so Golze.

Armut bedeutet in Deutschland immer auch geringere Teilhabe an Bildung. So wundert es nicht, dass viele jugendliche Hartz IV-Betrof- fene die Schule ohne Schulabschluss verlassen. Arm zu sein hat aber auch gesundheitliche Folgen. Oft werde in armen Familien am Essen gespart. Darüber hinaus sei es gerade unter Jugendlichen wichtig, die richtige Kleidung zu tragen. »Arm zu sein bedeutet, nicht dazuzugehören«, so Adamy.

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