Nichts als Helden

In Spanien wertet man die Contador-Affäre als Kampagne des Auslands

  • Von Hubert Kahl, dpa
  • Lesedauer: 3 Min.
Die Dopingaffäre um den Tour-de-France-Sieger Alberto Contador und zwei andere spanische Radsportler wirft ein schlechtes Licht auf den Spitzensport in Spanien. »Die Regierung scheint nicht entschlossen zu sein, das Doping auszurotten«, sagte kürzlich der Präsident des Weltradsportverbandes UCI, Pat McQuaid. »50 Prozent unserer Dopingfälle kommen aus Spanien. Das Land sollte anerkennen, dass es ein Problem mit dem Doping hat.«

Die Spanier wehren sich jedoch energisch gegen den Eindruck, dass der Dopingverdacht gegen Contador die jüngsten Erfolge des spanischen Sports insgesamt infrage stellen könnte. Ihr Land war in letzter Zeit in mehreren Sportarten zu einer Weltmacht aufgestiegen. Es stellt mit Contador nicht nur den besten Radprofi, sondern mit Rafael Nadal auch die Nummer 1 der Weltrangliste im Tennis. Die Fußballer sind Welt- und Europameister, die Hand- und Basketballer gehören zur Weltspitze. In der Formel 1 macht sich der Spanier Fernando Alonso Hoffnung auf den dritten WM-Titel. Man spricht von einem »Goldenen Zeitalter« des spanischen Sports.

»Wir haben allen Grund, auf die Leistungen unserer Sportler stolz zu sein«, betonte das Sportblatt »Marca«. »Nur weil in ein paar Einzelfällen zu unerlaubten Mitteln gegriffen wird, schmälert dies nicht die Triumphe des spanischen Sports.« Albert Soler, Generaldirektor der Sportbehörde CSD, hielt dem UCI-Chef entgegen: »McQuaid weiß genau, dass wir im Kampf gegen das Doping eine Politik der Null-Toleranz verfolgen. Sonst wäre (Sportminister) Jaime Lissavetzky auch nicht in die Führung der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA gewählt worden.«

In den jüngsten Dopingvorwürfen gegen Contador sehen viele Spanier eine Schmutzkampagne des Auslands. Manche argwöhnen gar, dahinter könne Neid auf die Erfolge des spanischen Sports stecken. »Die internationale Presse lässt Contador bluten«, schrieb die Madrider Zeitung »Público«. Das Fachblatt »Sport« meinte: »Über Contador werden Kübel von Scheiße ausgeschüttet, insbesondere von Frankreich, Deutschland und den USA aus.«

Nach einer Umfrage des Sportblatts »As« glauben 59 Prozent der Spanier den Unschuldsbeteuerungen des Tour-Siegers, der einen positiven Dopingtest auf den Verzehr eines verunreinigten Steaks zurückführt. Die Presse sprach zuweilen von einem »Steak-Doping«, als handelte es sich bei der Affäre nur um einen schlechten Scherz. Die spanischen Sportblätter haben ohnehin die Neigung, das Thema Doping nicht allzu hoch zu hängen. Sie leben vom Sport und haben daher wenig Interesse, ihr eigenes Metier schlecht zu machen. In Madrid und Barcelona erscheinen je zwei Sportzeitungen, die Tag für Tag mit Berichten aus der Sportwelt gefüllt werden müssen.

Spanien hatte bis vor wenigen Jahren als ein Doping-Paradies gegolten, das es mit den Kontrollen nicht so genau nahm. Bis 2007 hatte das Land überhaupt kein Dopinggesetz. Dies hatte zur Folge, dass nach der Aufdeckung des großen Doping-Skandals der »Operación Puerto« keine Anklage gegen die mutmaßlichen Verantwortlichen um den Arzt Eufemiano Fuentes erhoben werden konnte.

Das im Februar 2007 in Kraft getretene Doping-Gesetz bleibt allerdings hinter den Regelungen in Italien oder Frankreich zurück. »Spanien hat im Kampf gegen das Doping Nachholbedarf«, räumte »Marca« ein und forderte die Einrichtung einer Sonderstaatsanwaltschaft für Doping-Vergehen. »Wenn wir nichts tun, zerstören wir all das, was der Sport für das internationale Ansehen des Landes geleistet hat.«

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