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Bayern besiegt Schalke 4:1 und will nun deren Torhüter Manuel Neuer

  • Von Elisabeth Schlammerl, München
  • Lesedauer: 3 Min.

Am Ende lächelte Manuel Neuer sogar. Schalkes Torhüter schüttelte Hände, umarmte Kollegen und verließ plaudernd den Rasen der Münchner Arena. Dass er sich dabei mehr zu den Spielern des FC Bayern hingezogen fühlte, hat nichts mit seinem wohl bevorstehenden Wechsel zum Rekordmeister zu tun, sondern vielleicht eher mit dem Verhalten der Teamkollegen während der vorangegangenen neunzig Minuten. »Ich habe versucht, zu retten, was zu retten ist«, sagte der Schalker Kapitän nach dem 1:4 in München. »Aber alles war nicht zu verhindern.«

An Neuer lag es jedenfalls nicht, er hat sich gewehrt und mit einigen Glanztaten gezeigt, warum die Bayern ihn verpflichten wollen. Aber weil die Mitspieler lange die Zweikämpfe verweigerten und den Ball dem Gegner oft vor die Füße spielten, war er machtlos. Die Schalker beschäftigten sich vielleicht schon zu sehr mit dem Auftritt bei Manchester United und der winzigen Chance, am Mittwoch in »Old Trafford« doch noch das finale der Champions League zu erreichen. »Ich hätte mir schon eine andere Reaktion gewünscht«, sagte Trainer Ralf Rangnick. »Aber es ist nicht so einfach, den Schalter umzulegen.« Womöglich sei man an die Leistungsgrenze gelangt, innerhalb von vier Tagen hätten sie nun gegen zwei Mannschaften gespielt, sagt Rangnick, »die zu den besten Europas gehören.«

Die Bayern bewiesen die Zugehörigkeit zu dieser Klasse in dieser Saison höchstens, wenn man sie wie die Schalker am Samstag spielen ließ. Robben, Gomez und Müller als zweifacher Torschütze ebneten den Weg der Münchner zurück auf den dritten Platz mit dem die Teilnahme an der Champions-League-Qualifikation verbunden ist. Das Eigentor von Badstuber zum zwischenzeitlichen Ausgleich war nur ein Schönheitsfehler. Entsprechend zufrieden war man beim entthronten Meister. »Dieses Mal werden wir die Kuh vom Eis ziehen«, versprach Thomas Müller, nachdem die Bayern vor einer Woche den zuvor eroberten dritten Platz wieder abgegeben hatten. Der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge warnte hingegen, »das Fell des Bären« schon vor den letzten beiden Saisonspielen zu verteilen.

Die Münchner prägten die Partie, aber im Mittelpunkt stand dennoch Neuer. Der Torhüter der »Königsblauen« hatte vermutlich damit gerechnet, keinen gemütlichen Arbeitstag beim FC Bayern verbringen zu können – wegen einem Teil der Münchner Fans, die ihn schon beim Pokalspiel vor zwei Monaten vehement angefeindet hatten. Die Proteste fielen dieses Mal nicht so heftig aus, auch hatte sich eine Gegenbewegung formiert, die den Torhüter auf Plakaten willkommen hieß. Neuer wollte davon nichts bemerkt haben: »Ich habe mich eher auf den Ball konzentriert als auf die Kulisse.«

Der Kapitän der Schalker schaffte es auch an seiner wohl künftigen Arbeitsstätte, die Zukunft auszublenden. Auch nach der Partie gab er sich bedeckt, nur angeblichen Anfragen von Manchester United erteilte er eine Absage: »Mein Ziel ist es, innerhalb Deutschlands zu wechseln« – also zum FC Bayern. Unter der Woche hatten sich beide Vereine zu ersten Gesprächen getroffen. »Ich weiß nicht, ob es zu einem Konsens kommt«, sagte Rummenigge. Schalke habe sich laut dem Bayern-Boss zwar bereit erklärt, Neuer schon in diesem Sommer abzugeben, aber Mondpreise werde der Rekordmeister nicht zahlen. »Im Moment haben wir abnehmenden Mond«, eröffnete Rummenigge dann auch den verbalen Transferpoker.

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