MOSEKUNDS MONTAG

AUSGETAUSCHT

  • Von Wolfgang Hübner
  • Lesedauer: 1 Min.

Herr Mosekund war auf dem Weg zu einem Freund, mit dem er für ein tiefsinniges Gespräch verabredet war, als er von einem Polizisten aufgehalten wurde. »Wohin?«, fragte der Polizist. »Zum Gedankenaustausch«, sagte Herr Mosekund. Der Polizist hielt ihm ein Röhrchen hin und befahl: »Pusten!« Beim Pusten färbte sich das Röhrchen dunkelrot. »Soso«, sagte der Polizist, »laut Gesetz über unangepasste Gedanken sind nur drei solcher Gedanken zulässig, ausschließlich für den Eigenbedarf. Ich messe hier mindestens fünf. Tut mir leid, die muss ich einziehen. Sie erhalten äquivalenten Ausgleich, ganz nach Vorschrift.« Der Polizist hielt Herrn Mosekund etwas über den Kopf, das aussah wie ein großes Sieb, an dem ein Kabel hing. Es rauschte und knisterte, dann durfte Herr Mosekund gehen, begleitet von der Ermahnung, im Wiederholungsfall werde ein Bußgeld fällig. Als er in seinem Gedächtnis kramte, waren alle Gedanken verschwunden, die er sich zurechtgelegt hatte. Statt dessen fand er überraschenderweise das RTL2-Programm für die ganze Woche. Nun, dachte Herr Mosekund, mal sehen, was mein Freund dazu sagt.

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