Der Krieg gegen die Fische

Paul Greenbergs Plädoyer für eine nachhaltige Nutzung des Meeres

  • Von Burkhard Ilschner
  • Lesedauer: 3 Min.
Fisch ist gesund, so der gern verbreitete Ernährungsratschlag. Was der wachsende Appetit auf Fisch für das biologische Gleichgewicht in Meeren und Binnengewässern bedeutet, beleuchtet ein neues Buch.

Paul Greenberg ist leidenschaftlicher Angler und Fischliebhaber – und mahnt genau deshalb zur drastischen Einschränkung des Fischkonsums. Sein Buch nennt er einen Versuch, »die Voraussetzungen für einen gleichberechtigten und dauerhaften Frieden zwischen Mensch und Fisch zu umreißen«. Nur im ersten Moment wirkt das übertrieben – wer sich auf dieses Buch einlässt, erfährt erschreckende Details über einen Krieg, von dem viele gar nicht wissen, dass es ihn gibt.

Der New Yorker Journalist fordert Respekt: »Fische«, bilanziert er am Schluss, »sind nicht nur dazu da, um uns als Nahrung zu dienen. (...) Wenn wir sie jagen und verzehren, müssen wir sie mit Bedacht jagen und mit unserer ganzen Wertschätzung verzehren.« Das klingt nach Pathos, ist in Wirklichkeit aber eine ebenso angenehme wie lehrreiche Lektüre. Greenberg schreibt abwechslungsreich, vermittelt auch komplexe Inhalte auf spannende Weise. »Vier Fische« hat er ausgewählt, deren Gegenwart und Zukunft er unter die Lupe nimmt: Er erzählt über Lachs, Barsch, Kabeljau sowie Thunfisch und nimmt seine Leser mit auf eine Reise kreuz und quer um den Globus, wenn er seine vielfältigen Geschichten über diese vier (und weitere) Arten präsentiert.

Es geht um Wildbestände und Zucht, um Bestandsschutz und Ausrottung, um Hunger und Profit, um Gier, die jeden Ansatz gut gemeinter Nachhaltigkeit ad absurdum führt. Greenberg verknüpft Berichte aus dem Alltag von Fischern, Wissenschaftlern, Züchtern oder Meeresschützern mit aufschlussreichen Erläuterungen natürlicher Grundlagen und biologischer Zusammenhänge, mit drastischen Schilderungen menschlicher Eingriffe in »die Natur«. Ist das Verfüttern riesiger Mengen Fisch in Gehegen ökonomisch sinnvoll oder ökologisch zu verantworten? Welche Verunreinigungen oder Krankheiten bringt die Fischzucht mit sich? Welche Meerespolitik ist nötig, um die aktuellen Wildpopulationen zu bewahren? Warum sind »Einkaufsratgeber« von WWF oder Greenpeace ebenso wie das blaue Etikett des »Marine Stewardship Council« (MSC) oder diverse Biosiegel kaum mehr als grüne Tünche?

Greenbergs Antworten auf diese und viele weitere Fragen sind emotional und offenbaren Begeisterung, ohne dabei die nötige sachliche Distanz zu vernachlässigen. Manche seiner Schilderungen machen den Mund wässrig, andere können den Fischgenuss auf Dauer verleiden. Aber er formuliert auch Vorschläge für künftige Fischereipolitik. Und über allem steht, wie die eingangs zitierten Worte zeigten, der hohe Respekt gegenüber Tieren, die in ihrer Vielfalt und Schönheit ebenso unersetzlich sind wie in ihrer Bedeutung für den Lebensraum Meer.

Nachbemerkung: Das Buch hat leider ein Handicap, von dem nicht klar ist, ob es sich um eine Eigenheit nur der deutschen Ausgabe handelt. Der Text enthält keinerlei Hinweise auf den Anhang mit vielen wertvollen Anmerkungen; statt dessen muss man sich von hinten nach vorn die zugehörigen Textpassagen heraussuchen: eine äußerst unpraktische und schlecht zu nutzende Struktur.

Paul Greenberg: Vier Fische – Wie das Meer auf unseren Teller kommt. Berlin Verlag 2011, 320 S., gebunden, 24 €.

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