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Gespanntes Schulklima

US-Elternvereine zensieren Evolution

  • Von Steffen Schmidt
  • Lesedauer: 2 Min.

Sollten Schüler lernen, wie Wissenschaft funktioniert? Wenn sie anschließend studieren wollen, wäre das wohl ganz nützlich. Das finden auch viele Lehrer die an Oberschulen in den USA unterrichten. Doch die für die Lehrpläne zuständigen Schulausschüsse haben offenbar mancherorts selbst Schwierigkeiten, die wissenschaftliche Methode zu verstehen. Das fing schon vor Jahrzehnten mit der Evolutionstheorie an, die in konservativ dominierten Schulbezirken entweder ganz verbannt oder zumindest gleichrangig mit dem Kreationismus behandelt werden sollte. Dass in der Naturwissenschaft etablierte Theorien nicht einfach durch das Beharren auf anderen Vorstellungen widerlegt werden können, sondern neue empirische Beweise vonnöten sind, ging schon in der religiös motivierten Debatte über Darwin unter.

Nun berichtet »Science«, die Zeitschrift der US-Vereinigung zur Förderung der Wissenschaften (AAAS) über einen neuen Rückschlag für die Naturwissenschaften in den US-Schulen. Diesmal geht es um den Klimawandel. Da wurden Lehrer in Südkalifornien und anderswo aufgefordert, das »umstrittene« Thema »ausgewogen« zu behandeln. Damit war allerdings nicht etwa gemeint, die tatsächlichen wissenschaftlichen Kontroversen zum Thema im Unterricht zu behandeln. Vielmehr war an die wissenschaftlich zweifelhaften Thesen aus dem »Skeptiker-Handbuch«, das das vom Ölkonzern Exxon Mobile großzügig geförderte »Heartland Institute« an die 14 000 amerikanischen Schulkomitee-Vorsitzenden verteilen ließ. Wer nicht mitspielt, bekommt – etwa im Bundesstaat Wisconsin – »verdächtiges Verhalten« bescheinigt.

Bei der Debatte um Darwin half in den wiederholt bis vor höchste Gerichte gehenden Streitigkeiten meist der Verweis auf die strikte Trennung von Staat und Religion in der Verfassung. Doch beim Klima hat man es nicht mit religiösen Einwänden zu tun. Da hilft wohl nur ein Ende der »Tea Party«.

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