Das Tina-Prinzip ist tot

Neue Publikation zeigt, dass sozialökologische Alternativen machbar sind

  • Von Alexander Amberger
  • Lesedauer: 3 Min.

Margaret Thatcher betete in den 1980er Jahren mantraartig das Dogma vor, es gebe keine Alternative zu Privatisierungen und mehr Markt. Dieses »Tina« (»There is no alternative«) genannte Prinzip wurde zur Allzweckwaffe der Neoliberalen und ist heute noch aus keiner Talkshow wegzudenken. Auch Angela Merkel macht davon Gebrauch, doch seit Ausbruch der Finanzkrise geht es Tina immer schlechter: Heute sind wir zum Glück wieder an einem Punkt, an dem Alternativen nicht mehr nur gedacht, sondern im Kleinen auch schon gelebt werden.

In Anbetracht der sich zuspitzenden Krisenfaktoren - Finanzkrise, Krise der Industriegesellschaft, Ressourcenkrise und Klimakrise - sind Alternativmodelle und Visionen von ökologisch sowie sozial ausgeglichenen Gesellschaften wichtiger denn je. Aufgegriffen wurde die Suche danach auch vom Berliner Verein Helle Panke in einer Veranstaltung Ende Mai. Unter dem Titel »Rote Projekte für den grünen Umbau« sind nun drei Beiträge dieser Konferenz veröffentlicht worden.

Die Autoren gehen dabei unterschiedlich an das Thema heran. Frank Adler präsentiert einen Überblick über ökologische Transformationsmodelle. Anhand von elf Beispielen zeigt er, wie breit das Spektrum der grün orientierten Theoretiker und Aktivisten ist, und stellt deren Ansätze vom radikalen Antikapitalismus bis zum sehr realpolitischen »Green New Deal« vor. Adler stellt sich dabei auf keine Seite, sondern setzt auf den Diskurs zwischen den Akteuren »als geistiges und praktisches Labor«.

Im Beitrag von Detlef Bimboes geht es darum, wie eine Welt von morgen aussehen könnte, in der das Gleichgewicht zwischen Mensch und Natur hergestellt ist. Er hält wenig von den Glücksversprechen grüner Technologien einerseits und von Forderungen nach (Zwangs-)Askese andererseits. Vielmehr entwirft er ein utopisches Zukunftsbild, das als realisierbares Fernziel dienen soll. Skizziert wird eine Gesellschaft, in der die Widersprüche zwischen Mensch und Natur überwunden sind. Bimboes? Konzept vom Übergang zu dieser Gesellschaft wirkt etwas zu idealistisch, potenzielle Widersprüche werden ausgeklammert, müssten aber diskutiert werden.

Konkreter beschäftigt sich Hans Thie mit dem Übergang zu einem ökologischen und demokratischen Sozialismus. Er hat dabei insbesondere die Linkspartei vor Augen, der er nahelegt, sich programmatisch nicht nur auf die soziale Frage zu beschränken und damit den Bündnisgrünen die Ökologie zu überlassen. Es sei verkehrt, nur den »Green New Deal« sozial flankieren zu wollen. Vielmehr solle die Partei Ökologie und soziale Gerechtigkeit als untrennbare Einheit begreifen.

Alle drei Texte regen zum Nachdenken über die Machbarkeit eines grünen Sozialismus an. Deshalb können sie gut in linke Theoriedebatten einfließen.

Rote Projekte für den grünen Umbau, 60 S., 3 ? (plus Porto), zu beziehen bei: Helle Panke e.V., info@helle-panke.de, Tel.: 030-47538724

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