Anand bleibt der Schachkönig

WM: Im turbulenten Tiebreak siegt der Inder und verteidigt mit Routine seinen Titel

  • Von Dagobert Kohlmeyer
  • Lesedauer: 2 Min.
Viswanathan Anand aus Indien hat gestern seinen Weltmeistertitel im Schach verteidigt. Mit einem 2,5:1,5-Sieg in den Schnellpartien setzte sich der indische Superstar in Moskau gegen Boris Gelfand (Israel) durch. Anand gewann das zweite Spiel, die übrigen drei endeten remis.

Alle vier Duelle mit verkürzter Bedenkzeit verliefen sehr turbulent und boten mehr Spannung als die meisten der regulären 12 Partien des Matchs. In dem Zweikampf hatte Gelfand durchaus seine Chancen, aber der Herausforderer konnte auf Grund hoher Zeitnot mehrere gute Möglichkeiten zum Gewinn nicht nutzen. Am Ende zeigte sich Anands größere Routine im Schnellschach. Es ist der fünfte WM-Sieg des Inders seit dem Jahre 2000. Das Preisgeld in Höhe von 2,25 Millionen Euro wird jetzt zwischen den Spielern im Verhältnis 55:45 geteilt.

Beide Kontrahenten hatten gestern eine überaus harte Prüfung zu bestehen. Der Einsatz war ungewöhnlich hoch, die Nervenanspannung am Limit. Für Gelfand war dieser Tag in Moskau der wichtigste in seiner Karriere, noch nie konnte er die Schachkrone erobern. Mit fast 44 Jahren war es wohl seine letzte Chance. Nur ein Schritt fehlte ihm noch, um für immer in die Schachgeschichte einzugehen. Es reichte nicht ganz.

Anand zollte seinem Gegner hinterher Respekt. »Ich wusste, es wird ein ganz hartes Match. Auch heute war es sehr eng und die Anspannung riesig. Jetzt bin ich erleichtert, mein Sieg war jedoch etwas glücklich. In der dritten Partie hätte Gelfand gewinnen und ausgleichen können. Auch im vierten Spiel besaß er Vorteile.«

Der Herausforderer räumte ein, seine Zeit im Tiebreak nicht gut eingeteilt zu haben. Gelfand sagte: »Deshalb habe ich im vorletzten Spiel den Gewinnweg nicht gefunden. Auch danach fehlten die nötigen Minuten, um die besten Züge aufs Brett zu bekommen.« Gelfand äußerte Genugtuung über die große Resonanz, die das Match in Israel ausgelöst hat. Er hoffe, das Interesse für Schach halte jetzt dort auch weiter an.

Für Anand war das WM-Match schwerer als früher. Er wirkte nicht so stark wie etwa 2008 in Bonn gegen Wladimir Kramnik. Der Tiger von Madras hat schon alle WM-Formate gewonnen und in seiner Karriere einen riesigen Erfahrungsschatz in Zweikämpfen gesammelt. 1995 in New York gegen Garri Kasparow und 1998 in Lausanne gegen Anatoli Karpow zahlte er noch Lehrgeld. Dann aber entschied er alle folgenden WM-Duelle für sich.

Hauptsponsor des Spektakels war der reiche Unternehmer Andrej Filatow. Der 40-jährige Schachmäzen und ehemalige Studienkollege Gelfands übernahm den Löwenanteil der Kosten für das WM-Match. Als Gesamtsumme für Preisgeld und Organisationskosten nannte er mehr als fünf Millionen US-Dollar. »In Russland gibt es eine große Schachtradition. Ich sah es als wichtig an, nach langer Zeit wieder ein WM-Match in Moskau zu veranstalten. Schach ist auch eine Kunst, die Tretjakow-Galerie war ein würdiger Spielort.«

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