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Versöhnungstour auf der Saar

Gregor Gysi und Oskar Lafontaine wollen in Zukunft wieder an einem Strang ziehen

  • Von Oliver Hilt, Mettlach
  • Lesedauer: 3 Min.
In den vergangenen Monaten war die Stimmung zwischen Lafontaine und Gysi mitunter getrübt. Damit sei es nun vorbei, erklärten die beiden Führungsfiguren der LINKEN bei einer gemeinsamen Schiffsfahrt am Sonnabend.
Die Saarschleife ist das wohl meistfotografierte Motiv, wenn es darum geht, eine andere Seite des Industrielandes Saarland zu zeigen. Vom Anlegesteg in Mettlach öffnet sich der Blick in die große, malerische Schleife, die sich die Saar durch die bewaldeten Hänge gegraben hat. An diesem sonnigen Samstagmittag warteten dort aber weit mehr als 200 Menschen auf ein ganz anderes Fotomotiv.

Die beiden Spitzenpolitiker der LINKEN Gregor Gysi und Oskar Lafontaine hatten sich zu einer gemeinsamen Tour mit dem Ausflugsschiff »Maria Croon« verabredet. Nach den Auseinandersetzungen vor und auf dem Bundesparteitag der LINKEN brachte sich daher neben den vielen Gästen auch ein Pulk von Fotografen und Kamerateams begierig für das Fotomotiv »Oskar und Gregor in einem Boot« in Stellung.

Es war zwar nicht das erste Zusammentreffen der beiden nach dem Parteitag, aber das persönlichste, und das unweit von Lafontaines neuem Wohnsitz im Merziger Ortsteil Silwingen und an legendärer Stelle. Oberhalb der Saarschleife entstand 1997 das Foto einer »Männerfreundschaft«, das Gerhard Schröder und Oskar Lafontaine samt Begleitung zeigte. Während der Fahrt wird Lafontaine den Journalisten in die Notizblöcke diktieren: »Ewige Freundschaft hatten wir uns nicht versprochen«, aber sie hätten sich damals verabredet für eine soziale Politik. Das sei bekanntlich mit Hartz IV nicht eingetreten. Aber die Saarschleife bleibe ein »Erinnerungsort«, dass es um eine Politik der sozialen Gerechtigkeit gehe, die heute angesichts der Krisen notwendiger denn je sei.

Zuvor hatte Lafontaine seine Qualitäten als Gastgeber und Fremdenführer unter Beweis gestellt. Auf dem sonnenumfluteten Oberdeck erinnert er im Smalltalk mit Gysi daran, dass sich noch ein gewisser Herbert Wehner für den Ausbau der Saar zur Schifffahrtsstraße stark gemacht habe. Heute sei die Saar längst auch zu einem Freizeit- und Tourismusmagnet geworden.

Auf den Radwegen am Saarufer sei er früher häufig gefahren, erzählt Lafontaine seinem Berliner Gast, wirbt für die Ausflugslokale entlang der Strecke und für den Saar-Wein, der in dieser Gegend angebaut wird. Gysi bedankt sich launig für die Reiseerläuterungen und sagt mit Fingerzeig auf die bewaldeten Hänge, es sei eine Landschaft zum Wohlfühlen, um gleich politisch zu werden: »Eine vernünftige Linke will eigentlich nur, dass sich die Leute wohl fühlen.« Aber die »herrschende Politik ist darauf gerichtet, dass man sich immer unwohler fühlt«.

Beide Politprofis wissen, dass die Neugier auf der »Maria Croon« weniger der attraktiven Landschaft oder politischen Erklärungen gilt. Schließlich hat es zuletzt »einige Differenzen«, die »in der Politik zum Alltag gehören« (Lafontaine) und »einige Meinungsverschiedenheiten« (Gysi) gegeben, wie beide einräumen. Jetzt also die Versöhnung?

Lafontaine nennt die gemeinsame Schiffstour ein »Symbol der menschlichen Begegnung«. Menschliche Begegnungen hätten zwar Höhen und Tiefen, »aber bei uns ist die Freundschaft so dauerhaft, dass sie nicht wieder erstarken muss«. Gysi ergänzt, das Entscheidende sei, »wenn man befreundet ist und wenn man gemeinsam Politik machen will, dass man Offenheit erreicht. Und die haben wir erreicht«.
Beide wissen, wie wichtig ihr Verhältnis und ihr Auftreten nach den Querelen der Vergangenheit für das Abschneiden bei der Bundestagswahl und die Zukunft der Partei ist. Wie weit der Riss zwischen beiden gekittet ist, ließ sich nicht abschließend ausmachen. Aber in einem Punkt herrschte völlige Übereinstimmung. Als die »Maria Croon« in der Mettlacher Schleuse nach oben gehoben wurde, sagte Gysi mit zustimmendem Nicken von Lafontaine: »Die Richtung will ich für die LINKE auch.«

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