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UFO zu Lohnopfern bereit

Ver.di gibt sich solidarisch und kritisch zugleich

  • Von Hans-Gerd Öfinger
  • Lesedauer: 3 Min.
Trotz der von den Flugbegleitern vor Monaten aufgekündigten Tarifgemeinschaft erklärt sich ver.di solidarisch mit den streikenden Kollegen in der Kabine. Derweil schien sich am Freitag Bewegung im Tarifstreit abzuzeichnen. Eine Schlichtung lag in der Luft.

Seine Bereitschaft zu baldigen Schlichtungsverhandlungen mit dem Lufthansa-Management erklärte UFO-Chef Nicoley Baublies am Freitag schon im ZDF-Morgenmagazin. »Wir sind kompromissbereit«, sagte Baublies und erinnerte daran, dass seine Organisation schon vor dem aktuellen Arbeitskampf in den Verhandlungen mit den Konzernvertretern Zugeständnisse bei Produktivitätszuwächsen und einen Gehaltsverzicht in einer Größenordnung von fünf bis acht Prozent angeboten habe. Er sei zuversichtlich, dass sich das Lufthansa-Management diese Einsparungen »etwas präziser anschaut und dann versucht, mit uns diesen Weg zu gehen«, erklärte Baublies. »Wir können bestätigen, dass es Kontakt zu UFO gibt«, zitierte AFP einen Lufthansa-Sprecher. Noch am gleichen Tag sollten erste Sondierungen aufgenommen werden.

Die einzigen Lufthansa-Maschinen, die in Berlin vom Boden abhoben, seien die mit den Leiharbeitern, gab UFO-Sprecher Alexander Behrens am Freitag seiner Zufriedenheit über den Erfolg des Flugbegleiterstreiks Ausdruck. Um Mitternacht hatte der begonnen, bis Mitternacht sollte er andauern. An sechs Standorten hatten Stewardessen und Stewards die Arbeit niedergelegt. In 55 000 SMS und E-Mails hatte die Lufthansa Reisende über den Ausfall ihrer Flüge informiert, was größeres Chaos auf den Flughäfen zu verhindern half.

Weitere Streiks schloss UFO-Chef Baublies für die nächsten Tage aus. Eine neue Streikwelle werde es erst dann geben, »wenn wir feststellen, dass eine Annäherung nachhaltig nicht möglich ist.« Ein Schlichter müsse »wie in einer Paartherapie« dafür sorgen, dass beide »zur Zusammenarbeit verdammten« Partner wieder »raus aus den Schützengräben« kämen.

»Wir stehen in dieser Konfrontation auf der Seite der Menschen, also der Kolleginnen und Kollegen in der Lufthansa-Kabine«, erklärte der für das Lufthansa-Kabinenpersonal zuständige ver.di-Sekretär Arne von Spreckelsen in einem Infoblatt für die in der Dienstleistungsgewerkschaft organisierten Lufthansa-Flugbegleiter. Seine Organisation werde nicht zum Streikbruch aufrufen, bekräftigte der Gewerkschafter auf nd-Anfrage. Beschäftigte, die gleichzeitig bei ver.di und UFO Mitglieder seien, sollten »mit der zum Streik aufrufenden Gewerkschaft klären, ab wann und in welchem Umfang sie Streikgeld bekommen«, so die ver.di-Info.

Unmittelbar nach seiner Wahl zum UFO-Chef hatte Baublies im vergangenen Frühjahr den Austritt aus der 2011 mit ver.di vereinbarten Tarifgemeinschaft erklärt. Zuvor war in der Lufthansa-Einkommensrunde eine Tariferhöhung von 3,5 Prozent vereinbart worden. Baublies habe den Ausstieg aus der Tarifgemeinschaft »ohne Angabe von Gründen« vollzogen, sagt von Spreckelsen. Der ver.di-Mann bemängelt, dass Baublies und UFO-Vorstandsmitglied Birgit Weinreich seither mit dem Lufthansa-Management ein Papier ausgehandelt hätten, das für rund 60 Prozent des Kabinenpersonals eine »verdeckte Kappung der Vergütungsstufen« und somit »Scheiterquoten«, also ein Ende von Aufstieg und Beförderungen bei Vergütungsgruppe 8 (von 17), festschreibt. Dieses nach dem Verhandlungsort, einem Bad Nauheimer Hotel, benannte »Dolce-Papier« habe die »damals noch bestehende UFO-Tarifkommission« abgelehnt. Baublies und seine Stellvertreterin im UFO-Vorsitz hätten die Verhandlungen auf Basis dieses Papiers jedoch weitergeführt, so von Spreckelsen. »Scheiterquoten« seien für ver.di ein »No GO«.

Um die heftig kritisierte Leiharbeit zu stoppen, bereitet ver.di dem Vernehmen nach eine Verbandsklage vor. Die Argumentation der Gewerkschaft: Leiharbeit in der Kabine widerspreche geltenden Tarifverträgen, in denen klipp und klar stehe, dass auf Lufthansa- Fluggeräten nur Lufthansa-Personal eingesetzt werden könne.

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