Hoffnungsträger gesucht

Um Greg Lemond formiert sich eine 
Radsport-Opposition

  • Von Tom Mustroph, London
  • Lesedauer: 3 Min.
»Change Cycling Now« ist gegründet. In der Organisation sammelt sich der Protest gegen den Radsportweltverband UCI und dessen Umgang mit Doping. Ein Nachfolger für den UCI-Vorsitz ist in Greg Lemond schon gefunden, doch er selbst bevorzugt jemand anderen.

Große Änderungen gehen mit großen Deklarationen einher. Eine »Charta der Willigen« wurde bei der Gründung der Initiative »Change Cycling Now« am Montag im Londoner Hilton Hotel vorgestellt. Sie beinhaltet vier Forderungen für den dopingverseuchten Radsport: eine Wahrheitskommission, eine unabhängige Untersuchungskommission hinsichtlich der Arbeit des Weltverbands UCI, unabhängige Dopingkontrollen und einen Kulturwandel innerhalb der UCI.

Einige dieser Forderungen sind seit vielen Jahren im Umlauf. Von der UCI unabhängige Dopingkontrollen schlug nach der Fuentes-Affäre schon einmal der Rennorganisator ASO vor, bevor er sich wieder ganz aufs Geldverdienen mit der Tour de France und das Totschweigen von Doping verlegte. Um einen Kulturwandel im Radsport bemühten sich schon viele – freilich erfolglos.

Eine Untersuchungskommission über die Geldgeschenke Lance Armstrongs an die UCI im Gegenzug für eine großzügige Interpretation positiver Dopingtests, ist im November bereits von der UCI bestellt worden. Weil es um den Kulturwandel dort aber nicht so gut bestellt ist, zweifelt Jörg Jaksche, ehemaliger Profi und Mitbegründer von »Change Cycling Now« deren Erfolg an. »Die machen doch weiter wie bisher. Der Bericht ist doch schon jetzt geschrieben«, meinte er gegenüber »nd« in London. »Wir kommentieren diese Ereignisse nicht. Wir haben unsere eigene Untersuchungskommission und setzen unseren Weg fort«, schien UCI-Sprecher Enrico Carpani die Vermutung zu bestätigen.

Wegen dieser Weiter-so-Mentalität fordert die neue Initiative auch den Abgang von UCI-Präsident Pat McQuaid. »Um dem Radsport Glaubwürdigkeit zurückzugeben, muss die UCI-Führung sofort zurücktreten. Es muss jeder Interessenkonflikt in der Untersuchungskommission vermieden werden. Wir brauchen eine Person, der die ganze Welt traut«, sagte Jaimie Fuller, Radsportsponsor und Initiator von »Change Cycling Now«.

Als jene Vertrauensperson kristallisierte sich in London Greg Lemond heraus. »Ich würde das für einen Übergang machen. Es gibt aber Leute, die geeigneter sind. Es sollte jemand sein, der nicht aus dem Radsport kommt«, meinte der dreifache Sieger der Tour de France zu »nd« und verwies auf Michael Ashenden. Der australische Wissenschaftler, u.a. Entwickler des aktuellen EPO-Tests, hielt tatsächlich schon eine staatstragende Rede: »Der Radsport braucht ein neues Fundament, eine neue Führung und eine gründliche Aufarbeitung. Unser Ziel ist es, dass der Radsport der erste Sport sein wird, bei dem Athleten gemeinsam mit den Verantwortlichen gegen Doping vorgehen«, sagte er.

Um dieses schöne Ziel zu erreichen, machte er sich für die sogenannte Wahrheitskommission stark. »Wir müssen das ganze Umfeld ändern. Wir können das nicht tun, ohne zu wissen, wie der Dopingmechanismus in Gang gesetzt wurde. Wir brauchen die Fahrer dafür. Mit einer Null-Toleranz-Politik kriegen wir sie nicht dazu«, meinte Ashenden.

Es sind ernsthafte Signale, die aus London kommen. Jetzt kommt es darauf an, dass die Initiative nicht einschläft, wenn sich die Teilnehmer wieder in alle vier Winde zerstreuen.

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