Sparen für die Währungsreform

Viele Kubaner hoffen auf zukünftigen Wechselkurs zu ihren Gunsten

Ende Oktober kündigte die kubanische Regierung eine Währungsreform an. Ein konkreter Zeitplan ist nicht bekannt, aber einige Kubaner haben bereits zu sparen begonnen.

1:9 lautet der Wechselkurs, zu dem die Bauern aus der Region um die Touristenmetropole Varadero Kartoffeln, Salat, Tomaten und anderes Gemüse an die Hotels liefern. Ein attraktiver Kurs, denn der landesweit gültige Wechselkurs von Peso cubano und der an den US-Dollar gekoppelten Hartwährung Peso convertible liegt bei 1:24. Die Bauern verdienen also und dieser Produktionsanreiz schlägt sich auch in besserer Qualität nieder.

Doch auch die internationalen Hotels machen ihren Schnitt, da die kubanische Ware für sie deutlich billiger ist, als wenn sie den Bedarf für die internationalen Touristen aus Mexiko, Kolumbien oder Italien importieren. Dieses Pilot-Projekt des angepassten Wechselkurses ist nur eines von mehreren, die inselweit den Fall der Fälle simulieren: die Währungsreform und deren Modalitäten.

Dass sie kommen wird, ist seit Mitte Oktober klar, nur wie und wann sie umgesetzt werden soll, ist vollkommen unklar. Doch in Kuba bereiten sich die ersten schon auf das Ende des doppelten Währungssystems vor, welches die Insel als einziges Land der Welt seit nunmehr gut 20 Jahren unterhält. Die Nachfrage nach Peso cubano, für den nur wenig zu kaufen gab, ist seit Mitte Oktober merklich gestiegen, weil eine ganze Reihe Kubaner spekulieren. Sie setzen auf den alten Peso cubano aus einem Grund: Er wird bleiben. So erleben die blassen Scheine mit den Motiven aus der kubanischen Revolution von 1959 eine Renaissance, denn viele Kubaner gehen davon aus, dass die harten Währungen, von US-Dollar über Euro bis zum Peso convertible bald abgewertet werden könnten.

Überraschend war allerdings, so Berichte aus Wirtschaftsinstituten, dass schon wenige Tage vor der Bekanntgabe der anstehenden Währungsreform am 22. Oktober deutlich mehr Pesos cubano am Bankschalter eingetauscht wurden als üblich. Dabei handelte es sich um Millionenbeträge, so ist aus dem Umfeld des Studienzentrums der kubanischen Wirtschaft (CEEC) genauso zu hören wie von BBC-Korrespondent Fernando Ravsberg zu lesen. Dass der Wechselkurs fallen wird, davon wird inselweit fest ausgegangen. Nur was am Ende dabei herauskommen wird, ist ein großes Geheimnis, das für die Vermögenden zusätzliche Pesos einbringen kann.

Ob letztlich zu fünf, sechs, sieben oder neun Peso gewechselt wird, ist für der Großteil der Bevölkerung nicht relevant, denn die hat kaum Kapital, um von einer in die andere Währung zu tauschen. Für Privatunternehmer wie Vermieter oder Restaurantbetreiber oder die Empfänger von Remesas, wie die Devisentransfers aus Miami oder Madrid genannt werden, kann das Einwechseln von Devisen zum heutigen Kurs von 1:24 allerdings ein Vorteil sein und deshalb ist der Peso cubano derzeit auf der Insel gefragt wie schon lange nicht mehr. Für Ökonomen wie Omar Everleny Pérez oder Pavel Vidal ist die Währungsreform ohnehin überfällig, weil sie ökonomisch für viel Chaos und einen Anstieg der Korruption gesorgt hat. »Das große Dilemma war und ist, dass die Produktivität zu niedrig ist. Dem Geld stehen zu wenig Produkte gegenüber«, so Omar Everleny Pérez. Das beginnt sich gerade zu ändern und so könnte die für 2014 anvisierte Währungsreform der Wirtschaft einen Schub bringen. Die jetzigen Sparer dürften in jedem Fall profitieren.

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