Wertvoller als Gold

Gipfel in London gegen Terror-Wilderer sowie den illegalen Handel mit Stoßzähnen und Nashornhörnern

  • Marc Engelhardt
  • Lesedauer: 3 Min.
Der illegale Handel mit Wildtierprodukten ist längst ein Milliardengeschäft. In London diskutieren ab heute Delegierte aus 50 Ländern bei einem Gipfel über die Eindämmung der Wilderei.

Die Wilderer kamen in Hubschraubern: Im Tiefflug setzten sie der Elefantenherde nach, die nichtsahnend über eine saftig grüne Ebene im Garamba-Nationalpark im Nordosten Kongos zog. Mit Maschinengewehrfeuer mähten die Täter 22 Tiere nieder, hackten mit Macheten Stoßzähne und Genitalien ab. Als die Ranger eintrafen, waren die Wilderer mit ihrer Beute längst davon geflogen.

Szenen wie diese gibt es in Afrikas Nationalparks immer häufiger. Professionelle Banden mit modernster Ausrüstung fallen über Elefanten und Nashörner her. Laut Schätzungen der Umweltstiftung WWF wurden rund 30 000 Elefanten im vergangenen Jahr von Wilderern getötet, zum großen Teil in Afrika. Dazu kommen gut 950 erschossene Nashörner allein in Südafrika. Auf knapp 14 Milliarden Euro jährlich schätzen Naturschützer das Geschäft mit Elfenbein, Nashornhorn und anderen Wildtierteilen, die vor allem nach China und Vietnam verkauft werden. Die beiden Tierarten sind mittlerweile vom Aussterben bedroht.

Unterhändler aus mehr als 50 Staaten beraten ab heute auf einer zweitägigen Konferenz in London darüber, wie dem blutigen Handel ein Ende gemacht werden kann. Auch einige afrikanische Präsidenten sollen ins Lancaster House kommen. Geladen haben der britische Prinz Charles und sein Sohn William. »Trotz der dramatischen Krise, die wir derzeit sehen, sind wir optimistisch, dass wir das Blatt noch wenden können«, kündigte William an. »Wenn unsere Generation es nicht schafft, ist es zu spät.«

Drei Themen stehen auf der Tagesordnung: Stärkung der Sicherheits- und Justizapparate in Afrika sowie wirtschaftliche Hilfen für diejenigen, die unter der Wilderei und ihren Folgen leiden. Außerdem soll in Asien die Nachfrage nach illegalen Wildtierprodukten gesenkt werden. Erst nach langem Zögern sagte auch China sein Kommen zu. Naturschützer sehen darin ein gutes Zeichen. Ohne Veränderungen auf der Käuferseite wird die Wilderei nicht zu stoppen sein, so die einhellige Meinung.

Doch das ist leichter gesagt als getan: »Wir sind im Würgegriff einer internationalen Wildtiermafia«, betont WWF-Artenschutzdirektor Volker Homes. Das sieht Simon Stuart von der Internationalen Naturschutzunion (IUCN) genauso: »Die nutzen aus, dass ein Nashornhorn heute pro Gramm mehr wert ist als Gold.« Die mafiösen Gruppen sind nicht nur finanziell potent und modern ausgerüstet, sondern auch bestens vernetzt - zum Beispiel mit Drogen- und Waffenhändlern oder mit Terrorgruppen. In Garamba ist es die »Widerstandsarmee des Herrn« (LRA), eine seit 25 Jahren wütende Lumpenarmee unter Führung des Uganders Joseph Kony, die mit dem Abschlachten von Elefanten ihren brutalen Kampf gegen die Bevölkerung finanziert. Von Somalia aus wildern die Islamisten von al-Shabaab in den weiten Savannen Nord-Kenias. Der Erlös fließt in Waffenkäufe und Terroranschläge, die seit Jahren die Region erschüttern. »Die Wilderei ist längst kein Naturschutzproblem mehr«, warnt Homes.

Auch deshalb steht die Bekämpfung des illegalen Wildartenhandels derzeit relativ weit oben auf der globalen Agenda. Ende Januar beschloss der UN-Sicherheitsrat Sanktionen - Hintermänner der Wilderei in Kongo und der Zentralafrikanischen Republik können jetzt mit Reisebeschränkungen und dem Einfrieren ihrer Vermögen bestraft werden. Ein wichtiger Schritt, loben Naturschützer.

Ein Thema wird in London aber wohl nicht angesprochen werden: der legale Handel mit Elfenbein. Nach Ansicht vieler Kritiker ließe sich die Wilderei nur effektiv bekämpfen, wenn jegliche Form des Elfenbeinhandels verboten wäre - denn verarbeitetem Elfenbein sieht man seine Herkunft nicht an.

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