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Leipzig auf Zweitligakurs

1:0-Heimsieg von RB gegen Osnabrück macht Aufstiegsträume immer realistischer

  • Von Oliver Händler, Leipzig
  • Lesedauer: 3 Min.
Die Fußballer des RB Leipzig scheinen bei ihrem Marsch durch Liga 3 nicht mehr aufzuhalten. Gegen den VfL Osnabrück feierten sie schon den sechsten Sieg in Serie.

Der RB Leipzig hat einen entscheidenden Schritt Richtung 2. Fußball-Bundesliga gemacht. Am Sonntag gewannen die Zweitplatzierten der 3. Liga ihr Heimspiel gegen den viertplatzierten Verfolger VfL Osnabrück mit 1:0 (1:0). »Wir haben hier definitiv einen Big Point geholt«, zeigte sich auch Trainer Alexander Zorniger überzeugt, dass in den kommenden neun Spielen nur noch drei Mannschaften um die zwei direkten Aufstiegsplätze kämpfen werden. »Wir liegen weiter fünf Punkte vor Darmstadt. Die machen es noch spannend.«

Sogar Platz eins ist wieder in Sicht. Die im Herbst schon enteilten Heidenheimer verloren überraschend in Münster, so dass ihr Vorsprung auf RB auf vier Punkte schmolz. »Ob wir am Ende als Erster oder Zweiter aufsteigen, ist mir egal. Hauptsache, wir schaffen es«, sagte RB-Sportdirektor Ralf Rangnick. Solange beide vor dem Drittplatzierten Darmstadt 98 bleiben, wäre die Reihenfolge belanglos, nur der Dritte muss in die Relegation. Mindestens jener Relegationsplatz scheint aber sicher. In neun ausstehenden Partien müssten die Leipziger 15 Punkte verlieren, um noch auf Rang vier abzurutschen.

12 205 Zuschauer waren zum Spitzenspiel gekommen. Viel für Drittligaverhältnisse, doch im Zentralstadion - längst nach dem Hauptgeldgeber des Klubs benannt - reicht das nur, um die Südkurve und den Unterrang der Haupttribüne zu füllen. Das zeigt, dass Stadt und Stadion mindestens noch eine Liga nach oben müssen, um dem eigenen Anspruch und dem der Fußballfans in Sachsen gerecht zu werden. Dabei war die neue Arena einst mit der Hoffnung errichtet worden, dass sie die ehemaligen Platzhirsche des FC Sachsen oder Lok nutzen würden. Doch der FC Sachsen, hervorgegangen aus der BSG Chemie, wurde insolvent. Lok liegt auf dem letzten Platz in der Regionalliga und beklagte in dieser Woche mal wieder eine Etatlücke von 150 000 Euro.

Die Zeiten, in denen sich Leipzigs Fans zwischen Lok oder Chemie entscheiden mussten, sind vorbei. Nun wartet die nächste Generation darauf, dass RB Leipzig in die Bundesliga vorstößt, um die Arena komplett zu füllen. Sie können zumindest sicher sein, dass Insolvenzen hier nicht drohen. Das Brausegeld aus Österreich fließt. Stadion, Trainingsgelände und Nachwuchsabteilung sind beeindruckend für Drittligaverhältnisse. Sie wären es sogar in der 2. Bundesliga.

Und das stört die Fans der Gegner immer noch. Zugegeben, einen 19-jährigen dänischen Nationalspieler wie Yussuf Poulsen kann sich der VfL nicht leisten. Und so begrüßten die knapp 300 Osnabrücker im Stadion ihre Gastgeber mit »Geldgeier abschiessen«-Plakaten sowie »Scheiß RB Leipzig«-Rufen. Die Heimfans sind das gewohnt und antworten nur noch mit Applaus. Selbst auferlegte Deeskalationsstrategie an ungewöhnlichem Ort.

Mit Spielbeginn hörte man die Osnabrücker nicht mehr, auch wenn ihr Team anfangs offensiver agierte als die Hausherren. Die erste Großchance schob Daniel Nagy in der 21. Minute aber völlig frei aus 15 Metern am Tor vorbei. Sieben Minuten später erzielte dann Daniel Frahn den Treffer des Tages. Eine Hereingabe Poulsens stocherte erst Dominik Kaiser zu Frahn, und der dann aus drei Metern ins Netz. Das 13. Saisontor des Kapitäns, der angeschlagen ins Spiel ging. Er hatte kaum trainiert, doch das Spiel war zu wichtig, um auf der Bank zu sitzen. »Das Tor war sinnbildlich für das gesamte Spiel. Wir haben gekämpft bis zum Umfallen«, sagte Kaiser später.

Beide Teams sollten sich weitere Chancen erarbeiten, ab der 70. Minute wurde es das erwartete Spitzenspiel, doch jubeln konnte niemand mehr. »In Sachen Intensität, Taktik, Tempo und Torchancen war das das beste Spiel , das ich in dieser Liga gesehen habe«, sagte Rangnick. Die Kaderplanung wolle er aber erst vorantreiben, wenn klar ist, in welcher Liga kommende Saison gespielt wird. »Es wäre deutlich angenehmer, wenn wir aufsteigen. Das ist klar«, so Rangnick. Und: »Wenn die Mannschaft so weiter spielt, sind die Chancen gut.«

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