Große Spiele, bittere Niederlagen

»Fortunas Legenden« gewinnt Publikumspreis beim 11mm-Filmfestival

»Dat is wie ein Autounfall. Man muss immer hingucken, aber man sollte vielleicht nicht immer hingucken.« Andreas Lambertz, eine der Hauptfiguren im durch Crowdfunding finanzierten Film »Fortunas Legenden«, meint damit das Spiel seiner rot-weißen Düsseldorfer. Seit 2003 spielt er ununterbrochen am Rhein, hat von der vierten bis zur ersten Liga Tore erzielt, kämpft unermüdlich: eine vielfach und in viel zu oft den gleichen Worten beschriebene »Identifikationsfigur«.

»Fortunas Legenden - Tradition kann man nicht kaufen« gewann den Publikumspreis des diesjährigen 11mm-Fußballfilmfestivals. Ein Titel, der gut auf einen Fanschal passen würde: Überraschendes oder wirkliche Poesie ist auf ihnen selten zu lesen und auch der Film ist konventionell angelegt: Fortuna-Spieler aller Generationen erzählen von großen Spielen und bitteren Niederlagen, das ganze gespickt mit Spielszenen, die Gänsehaut vor allem bei denen erzeugen, die dabei gewesen sind. Wie beim gewonnenen Relegationsrückspiel gegen Hertha BSC im Mai 2012.

Beim Hinspiel im Berliner Olympiastadion saß Berlins Gesundheitssenator Mario Czaja neben Berlins Erzbischof Rainer Maria Wölki. Der hätte seine rheinische Herkunft nicht verleugnen können und Fortuna die Daumen gehalten, während Czaja Hertha die Daumen drückte, wie er bei einem Termin bei der Caritas erzählt. Die Szene sorgt für Irritation im Kino, stammt sie doch aus dem diesjährigen Publikumsmagneten »Union fürs Leben«, der auf dem Festival Weltpremiere feierte. Es wird nicht ganz klar, was Czaja zu einer der Hauptpersonen im Film prädestiniert. Laut den Regisseuren Rouven Rech und Frank Marten Pfeiffer kam seine Rolle »auch recht spät dazu«. Auch bleibt offen, ob Czajas erster Kontakt mit Union, nach einem Spiel lag eine Straßenbahn in Köpenick umgekippt und quer übers die Straße, eher abschreckend wirkte oder doch zur lebenslangen Vereinsbindung beigetragen hat. Aufnahmen davon sind bis jetzt nicht aufgetaucht.

Nicht überall, wo ein Ball rollt, muss die Kamera draufgehalten werden, kommt großes Kino dabei heraus. Der englische Fußball-Splatter-Film »Kick« rief bei den vier Zuschauern, die bis zum Schluss im Saal aushielten, trotz des voraussehbaren Endes (alle Gejagten und ein paar mehr sind tot), fragendes Kopfschütteln hervor: die Charaktere zu wenig zynisch und für einen Splatterfilm zu wenig Blut. Die Altersfreigabe ab 12 Jahren hätte stutzig machen sollen. Sehenswert dagegen »Mundial. The highest stake« über Polens WM-Qualifikation und Endrunde 1982 in Zeiten von Solidarność und Kriegsrecht.

Die Festivalleitung zog ein positives Fazit der 11. Auflage des Festivals: Über 50 Spiel-, Dokumentar-, Kurz- und Kinderfilme aus aller Welt wurden den 3000 Zuschauern gezeigt. »Es ist für uns großartig zu sehen, dass der Facettenreichtum und die Qualität der Filme auch nach über einem Jahrzehnt noch immer steigt« sagte Christoph Gabler, einer der Festivalleiter.

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