Thüringen erinnert an KZ-Befreiung

Buchenwald: Gedenkstein für alliierte Flieger enthüllt / Matschie würdigt Standhaftigkeit der Mutigen, die sich dem NS-Regime entgegenstellten

Weimar. In mehreren Gedenkstätten in Thüringen ist am Wochenende an die Befreiung der NS-Konzentrationslager vor 69 Jahren erinnert worden. Im einstigen KZ Buchenwald erinnert seit Sonntag ein Gedenkstein an das Schicksal der vor 70 Jahren in dem KZ bei Weimar inhaftierten alliierten Flieger. Die Enthüllung des Erinnerungsortes in Anwesenheit von vier Fliegerveteranen war der Schlusspunkt nach langen Recherchen zu 169 Piloten und Besatzungsmitgliedern der Alliierten Luftwaffe, die im Zweiten Weltkrieg über Frankreich abgeschossen und später nach Buchenwald deportiert worden waren.

Vor der Enthüllung des Gedenksteins gedachte das Internationale Komitee Buchenwald-Dora und Kommandos auf dem ehemaligen Appellplatz der Lagerbefreiung vom 11. April 1945. In einem Grußwort betonte Thüringens Kultusminister Christoph Matschie (SPD), die Standhaftigkeit der Mutigen, die sich dem NS-Regime entgegenstellten, bleibe »dauerhaft in unserer Erinnerung. Deshalb treten wir allen aktuellen Erscheinungsformen des Rechtsextremismus entschieden entgegen«, fügte Matschie hinzu.

Im ehemaligen KZ Laura im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt wurden am Sonntag mit dem Gedenken an die Befreiung die neuen Außenanlagen übergeben. Die Gedenkstätte erinnert an die 2.670 Häftlinge, die von 1943 bis 1945 auf der Höhe des Thüringer Waldes Zwangsarbeit für die Rüstungsproduktion leisten mussten. Der Schieferstollen mit seiner Gleisanbindung bot den Nationalsozialisten im größten Außenlager Buchenwalds günstige Voraussetzungen für die Produktion der Raketenwaffe V2. Das KZ Laura wurde am 13. April 1945 befreit.

Bereits am Samstag erinnerten auf dem ehemaligen Appellplatz des KZ-Außenlagers Ellrich-Juliushütte die Gedenkstätte Mittelbau-Dora und die Kommune an die Befreiung des Lagers in Nordthüringen vor 69 Jahren. Im größten der rund 40 Außenlager von Mittelbau-Dora lebten zeitweise über 8.000 Häftlinge und damit fast doppelt so viele Menschen wie in der Kleinstadt.

In dem Lager starben 1944/45 mehr als 4.000 Gefangene überwiegend aus Frankreich, Belgien und Polen an den Folgen der Zwangsarbeit für die Rüstungsindustrie der Nationalsozialisten. Die Lagergeschichte konnte erst in den vergangenen Jahren umfassend aufgearbeitet werden, da Ellrich während der deutschen Teilung in der Sperrzone an der DDR-Grenze zur Bundesrepublik lag. Auf westdeutscher Seite wurde Reste des Lagers in den 1950er Jahren gesprengt. dpa/nd

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