Quote und Qualität

Es ist ein Grunddilemma sozial wachsamer Medien, dass Frauen darin zur Wut neigen. Besonders deutlich demonstriert das die Interessengemeinschaft ProQuote, der es seit einiger Zeit nachdrücklich um mehr Frauen in medialen Spitzenpositionen geht. Vorige Woche hat die AG emanzipierter Journalistinnen (und vereinzelter Kollegen) abermals das zutiefst rückständige Geschlechterverhältnis ihrer Branche aufs Korn genommen. Während sich der »Presseclub« sonntags um Parität bemühe, beklagte die Vorsitzende Annette Bruhns, seien von Plasberg über Jauch bis Will und Illner »Herren-Talks mit Alibi-Dame« die Regel. Wie Recht sie doch hat - obwohl der Chromosomensatz allein natürlich wenig über Qualität aussagt.

Über die entscheidet am Ende immer noch der Inhalt. Inhalt wie in der heutigen ARD-Doku »Milliardenpoker Formel 1« (22.45 Uhr), die Bernie Ecclestones Benzinzirkus kaum als Bewerbung um die nächsten Übertragungsrechte sehen dürfte. Am Dienstag dann veranschaulicht die ZDF-Reihe »37º« zur besten Sendezeit den Niedergang des kleinen Einzelhandels am Beispiel dreier Ladenschließungen. Parallel dazu beschäftigt sich Arte mit dem »Cyberwar« und ZDFkultur Donnerstag nach zehn mit Schlingensiefs Operndorf in Burkina Faso.

Geht doch, möchte man dem öffentlich-rechtlichen Pilcher-, Sport- und Pilawa-Fans zubrüllen. Damit man aber nicht vergisst, wie viel zugleich danebengeht, zeigt Tele 5 ab heute jeden Abend das Beste aus 20 Jahren »Kalkhofes Mattscheibe«. Ein Dauergast ist sicher auch »Super Nanny« Katharina Saalfrank, die sich einst erfolgreich in Familienkrisen mischte. Ab Donnerstag ist beim, äh, Frauensender TLC das britische Vorbild »Jo Frost« zu sehen, und es ist nicht grad mutig zu behaupten, Original und Fälschung gleichen sich wie ein Osterprogramm dem anderen.

Apropos Osterprogramm: Auch diesmal laufen darin »Sissi« oder »Cars«, Gladiatoren und eine weitere Adaption der Bibel. Diesmal zehn Teile aus den USA, ab Gründonnerstag auf Vox, in denen Religion sicher so richtig scheppern darf. Dennoch hat Jesus’ krasseste Zeit Neues zu bieten - auch wenn es alt ist. Disneys 94er-Kracher »König der Löwen« etwa, Karfreitag auf dem zugehörigen Kanal, oder zeitgleich bei RTL »Das Dschungelbuch«, erstmals seit 1967 im Free-TV. Neu und doch betagt ist das, was ZDF und KiKa zugleich aus »Wicki« machen: Ein digitales Reizsperrfeuer, das leider nichts mehr mit dem ruhigen Original zu tun hat. Original und immer wieder wunderbar dagegen: »Tom und Jerry«, denen SuperRTL ein vierstündiges Hauptabendspecial widmet.

Daneben gibt noch das ganz große, klassische Kino: Das Oscar-Drama »In einer besseren Welt« seziert Gewalt mit famoser Zurückhaltung und beweist, das dänische Filme ohne Zappelschnitte oder Serienkiller auskommen können. Und Charlie Chaplin ist Samstag bei 3sat als »Der Große Diktator« sowieso die Quintessenz dessen, was Film kann wenn man ihn wie 1940 einfach mal machen lässt.

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