Göttinger AStA fliegt raus

Referenten sind Mitglieder von Verbindungen

Der Allgemeine Studierenden-Ausschuss (AStA) der Universität Göttingen ist nicht mehr länger Mitglied im niedersächsischen Dachverband der Studentenvertretungen. Die LandesAstenKonferenz (LAK) schloss den Göttinger AStA vergangene Woche aus. Grund ist die Mitgliedschaft von zwei Göttinger AstA-Referenten in studentischen Verbindungen. Der Ausschlussantrag kam vom AStA der Uni Vechta und wurde von einer Zweidrittel-Mehrheit in der LAK so beschlossen.

Der CDU-nahe Ring Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) und die ebenfalls eher rechts orientierte Arbeitsgemeinschaft Demokratischer Fachschaftsmitglieder (ADF) hatten die Wahlen zum Göttinger Studierendenparlament Ende Januar knapp gegen linke Hochschulgruppen gewonnen. Sie stellen deshalb auch den AStA, gewissermaßen die studentische »Regierung«.

Zwei - aus Semesterbeiträgen der Studierenden bezahlte - RCDS-Referenten des Göttinger AStA gehören Verbindungen an: der Finanzreferent ist Mitglied des Vereins Deutscher Studenten, einer nichtschlagenden, aber farbentragenden Verbindung, die sich laut Selbstdarstellung »zu den hergebrachten Traditionen des korporationsstudentischen Brauchtums« bekennt. Der Öffentlichkeitsreferent gehört zur katholischen, nichtschlagenden und nicht-farbentragenden K.St.V. Winfridia.

Die Satzung der LAK beinhalte die Selbstverpflichtung, »sich für eine emanzipatorische Gesellschaft einzusetzen, die frei ist von Diskriminierung, Rassismus, Antisemitismus, Sexismus und Homophobie«, sagt Marie Dücker, Mitglied im LAK-Koordinationskollektiv. Deshalb rechtfertige die Mitgliedschaft der beiden RCDS-Leute in Verbindungen den Ausschluss des Göttinger AStA. Zudem sei der Finanzreferent »durch sexistische Äußerungen auf seinem Facebook-Profil aufgefallen«. Auf der Webseite seiner Verbindung werde »ein heteronormatives Rollenbild propagiert, das Frauen auf die Rolle von Freundinnen, Verlobten und Ehefrauen von Männern festlegt«.

Und Jannis Wahlmann, ebenfalls Mitglied im Koordinatorenkollektiv, sagt: »Studentische Verbindungen sind in der Regel durch die Prinzipien Männerbund und Lebensbund geprägt. In den Verbindungen, in denen die Referenten aktiv sind, dürfen ausschließlich Männer Mitglied werden. Die Mitgliedschaft in einer der beiden steht darüber hinaus nur Christen offen. Die Förderung elitärer Karrierenetzwerke ist Bestandteil beider Verbindungen.«

Der Göttinger AStA äußerte sich »bestürzt« über den Ausschluss. Von der Mitgliedschaft zweier Referenten in einer Verbindung auf diskriminierende Positionen des AStA und seiner Mitglieder zu schließen, zeuge von »stark stereotypisierten Denkprozessen der Befürworter des Antrags«, heißt es in einer Erklärung. Dies werde einer pluralistischen und toleranten Gesellschaft nicht gerecht. Es könne keine Rede davon sein, dass der AStA durch die beiden Referenten automatisch »rassistisch« oder »geschichtsrevisionistisch« sei - letzteres hatte allerdings niemand behauptet.

Die betreffenden Referenten hätten sich auch nirgendwo diskriminierend verhalten, so der AStA weiter. Bei ihrer Wahl hätten alle amtierenden Referentinnen und Referenten betont, sich für die Erhöhung der BAföG-Sätze, verstärkte Internationalisierung, verbreiterten Hochschulzugang und mehr studentischen Wohnraum einzusetzen. »Mithin vertritt der AStA, als demokratisch legitimiertes Organ, die Interessen der gesamten Studierendenschaft der Universität Göttingen.«

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