Russland ist nicht in der Rolle eines Domestiken

Moskauer Medien reagieren spöttisch bis verständnislos auf Vorhaltungen der G7-Staaten

  • Von Irina Wolkowa, Moskau
  • Lesedauer: 2 Min.
Die westlichen Staaten spielen Oberlehrer bei der »Menschenrechts-Prüfung« für Russland. Das ist der Tenor russischer Medien.

Anmaßend und noch dazu konfliktscheu. So etwa lautet das Fazit russischer Zeitungen zum G7-Gipfel. »Unser Land und dessen Beziehungen zur Ukraine zum Hauptthema«, lästerte »Nowyje Iswestija«, »aber ausgerechnet mit uns redet man dort nicht«. Russland lasse mit sich nicht umspringen wie mit Domestiken, die man nach Belieben fortschicken und dann wieder rufen könne, ätzte sogar der kritische Radiosender Echo Moskwy. Gemeint war der Beschluss, wonach man Russlands G7-Mitgliedschaft nur auf Zeit aussetzen könne. Es gibt Alternativen, hämte der Sender und meinte die G20-Gruppe, wo zudem auf Moskau kein Oberlehrer wartet, der die Reifeprüfung für Menschenrechte abnimmt.

Derb langten auch der Kremlchef und andere Politiker von Rang hin. Nicht Russland, so Wladimir Putin, der französischen Medien vor seinem Abflug zur Teilnahme an den Feierlichkeiten zum 70. Jahrestag der Landung der Alliierten in der Normandie ein Interview gab, habe die Ukraine-Krise heraufbeschworen, sondern die EU und USA mit ihrer Unterstützung für einen »Staatsstreich«. Gemeint war der gewaltsame Machtwechsel in Kiew Ende Februar. Der frisch gewählte ukrainische Präsident Pjotr Poroschenko habe die einmalige Chance, den Frieden wiederherzustellen. Seine Hände seien bisher nicht mit Blut befleckt.

Moskau, so Putin weiter, habe »nicht die Absicht, sich durch Annexion fremder Territorien zu entwickeln und das Imperium wiederherzustellen«. Statt Russland bewaffnete Einmischung in die Entwicklungen in der Ukraine vorzuwerfen, sollten Europa und die USA reale Beweise dafür vorlegen.

Der Westen, so auch Außenminister Sergej Lawrow, gefalle sich in der Rolle des Russland-Anklägers. Moskau trage jedoch keineswegs »geopolitische Rivalitäten in die internationalen Beziehungen«, sondern sei »aktiver Wortführer eines unabhängigen Standpunktes in der modernen Welt, der eine unabhängige Politik als sein natürliches Recht betrachtet«. Die NATO hingegen habe darauf hingearbeitet, »den vom Westen kontrollierten geopolitischen Raum bis an die russischen Grenzen auszudehnen«. Das aber, warnte der Chef des Präsidentenamtes, Sergej Iwanow, stehe in keinem Zusammenhang mit realen Sicherheitsproblemen in der Region. Diese lägen außerhalb Europas und würden Russland wie den Westen beunruhigen.

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