Leipziger Montagsdemos ausgezeichnet

Pfarrer und Bürgerrechtler erhalten Deutschen Nationalpreis

Vor 25 Jahren gingen die Menschen in Leipzig auf die Straße - ein Meilenstein vor dem Fall der Mauer. Nun gab es für die Akteure den Nationalpreis. Und in der Laudatio einige der weniger bekannten Parolen von damals.

Leipzig.Für ihren Beitrag zum Fall der Mauer vor 25 Jahren sind Akteure der Leipziger Montagsdemonstrationen mit dem Deutschen Nationalpreis ausgezeichnet worden. Die mit 60 000 Euro dotierte Ehrung ging zur einen Hälfte an die Leipziger Pfarrer Christian Führer und Christoph Wonneberger sowie den Bürgerrechtler Uwe Schwabe, zur anderen Hälfte an das Archiv Bürgerbewegung Leipzig.

Der Preis würdige Menschen, »deren revolutionärer Mut und deren Gewaltverzicht den Einsturz des DDR-Regimes und den Fall der Mauer bewirkten«, teilte die von Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt gegründete Stiftung am Dienstag mit. Unter den Gästen bei der Verleihung in Berlin waren der frühere Bundespräsident Horst Köhler und der ehemalige Außenminister Hans-Dietrich Genscher. Stellvertretend für den erkrankten Pfarrer Führer nahm dessen Tochter Katharina Köhler den Preis entgegen.

Die Friedensgebete und die Leipziger Demonstrationen gehören zu den Schlüsselereignissen vor dem Mauerfall am 9. November 1989. Schwabe (52) hatte sich in der untergehenden DDR für Umweltschutz und Menschenrechte engagiert. Führer (71) öffnete damals die Leipziger Nikolaikirche für Friedensgebete und Gesprächskreise. Die Kirche war ein Ausgangspunkt für die Montagsdemos. Wonneberger (70) ist Initiator der Friedensgebete, die von vielen Gemeinden in der DDR übernommen wurden.

Das Archiv Bürgerbewegung Leipzig wurde 1991 gegründet. Es sammelt im Haus der Demokratie beispielsweise Zeugnisse der DDR-Opposition sowie illegal oder unter dem Dach der Kirche entstandene Untergrundliteratur und Veröffentlichungen.

In der Laudatio erzählte der Theologe Richard Schröder von der wechselvollen Geschichte der Gebete und der Demos. »Es war berechtigt, die Friedensgebete so zu gestalten, dass sie nicht verboten wurden«, sagte Schröder, der Vorstandsvorsitzende der Nationalstiftung ist. Er erinnerte an einen Trick, den Pfarrer Führer damals nutzte, damit die DDR-Oberen nicht mit ihren Leute die Nikolaikirche füllten: Er ließ die Emporen sperren, damit die später kommenden »Werktätigen« Platz fanden.

Bei den Demos wurden die Slogans »Wir sind das Volk« und »Keine Gewalt« berühmt. Aber es gab auch noch andere Parolen, wie Schröder beschrieb: »Egon, reiß die Mauer ein, denn wir brauchen jeden Stein«, »Privilegierte aller Länder, beseitigt euch« oder »SED - das tut weh«.

Der Deutsche Nationalpreis wird seit 1997 verliehen. Die Deutsche Nationalstiftung mit Sitz in Hamburg will damit Menschen und Institutionen würdigen, die sich für die deutsche Einheit und für die Stärkung der Rolle Deutschlands in Europa verdient gemacht haben. dpa/nd

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